Adam Ries im Paradies
Eine Ballade von der Schöpfung der Zahlen
Es schufen einst die Götter Welten, gänzlich ohne Zahl
Sie schufen Sonnen, Monde, Sterne, Meere, Berg und Tal
Auch waren diese Erdenrunde voll von Paradiesen
Und Menschen wurden dort geformt, genannt: Die Adam Riesen
Es kreucht’ und fleuchte viel Getier in unzählbarem Heere
Die Himmel schwarz von Vogelschwarm, von Fischen voll die Meere
Die Götter blickten auf ihr Werk mit stolz geschwellten Brüsten
Man sieht es gleich, so sprachen sie, wie uns die Musen küssten
Die Adam Riesen riefen aus, in unzähligen Zungen
Oh Götter, ganz vortrefflich sind die Werke euch gelungen
Wir wollen nicht undankbar sein, für das, was ihr gegeben,
Doch es ist wahrlich eine Qual, so ohne Zahl zu leben
Es lässt sich nicht der Sonnen Zahl noch die der Welten nennen,
Wir selbst sind so unzählig gar, dass wir uns nicht erkennen
Die Götter sprachen voller Gnad, wir gaben euch das Leben,
Nennt nun die Zahl der Dinge ihr, so werden wir sie geben
Wir wollen selbst nur einer sein, so sprachen Adam Riesen
Und eines nur begehren wir, von allen Paradiesen
Als Adam Ries im Paradies die Zahl der Dinge wählte,
Da staunte selbst der Götter Schar, weil er so trefflich zählte
Es herrschte strenge Ordnung nun im ganzen Paradiese,
Denn jedem Ding ward seine Zahl genannt, nach Adam Riese
Am End jedoch sprach Adam Ries mit recht verschmitzten Zügen
Ihr Götter selbst sollt einer sein, das würde mir genügen
Es sprach der Herr, dem Adam Riese gar nicht mehr gewogen,
Die Macht der Zahlen gab ich dir, doch du hast mich betrogen
Und Gott verbannte Adam Ries aus seinem Paradiese
Doch jener nahm die Zahlen mit. So war’s, nach Adam Riese.



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