Alex Capus: Der König von Olten – Ein Reigen charmanter Geschichten aus der Provinz

kurze Beschreibung Der Schweizer Knapp-Verlag veröffentlichte unlängst eine Auswahl von Capus’ kleinen Geschichten und Zeitungsartikeln, die sich allesamt dem Ort Olten widmen. Soll man das jenseits der Kantonsgrenzen von Solothurn wirklich lesen? Allen Oltnern sei die Lektüre freilich zugestanden, egal ob sie in Capus den liebevollen Miniaturisten oder doch eher den Nestbeschmutzer sehen – sie haben einen Bezug zum Geschriebenen. Aber wir Nicht-Schweizer? Können wir profitieren? Von leichten schwebenden Geschichten, die schön geschrieben sind, abgerundet und milde den Alltag in der Provinz skizzieren? Können wir im Oltner Geschehen das Allgemeine der Kleinstädtigkeit wieder erkennen und uns lächelnd denken: „Ja so ist das Leben fernab der großen Stadt“? Ja, können wir.

Capus zeigt uns an kleinen, ihm teuren Begebenheiten Menschlichkeit auf, denkt im und angesichts des „Badi“s über aktuelle Probleme des (multikulturellen) Miteinanders nach, wünscht sich einen generationenübergreifenden Dialog in der Eisenbahner-Stadt. Die Bahn erklärt laut Capus auch den Oltner Charakter, der Disziplin und Bescheidenheit, aber auch Weltoffenheit in sich vereint. Mit dieser Selbstbestimmung hebt der Autor „sein Olten“ auch von Solothurn ab und ergeht sich bei diesem Vergleich in gängigen (aus der bezugsloseren Ferne strenger bewerteten) Auf- und Abwertungen. Sieht man von dieser (zugegeben amüsanten) Häme ab, so ist der Band ganz und gar liebenswürdig nachsichtig und gut. Ob das dem Leser genügt, mag er selbst entscheiden – so frech, wie uns Kaminer Berlin oder Knecht Wien zeigen, zeigt uns Capus Olten jedoch nie. Und das wäre noch eine Bereicherung zum vorherrschenden Gefälligkeitsduktus, der so manchem doch etwas langweilig werden könnte.

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