Aus Alt mach Neu

Griechenland ist pleite, an jeder Ecke steht ein Atomkraftwerk und im Fernsehen nix Gescheites. Die Welt geht in die Miesen und wir sind dabei. Und zu allem Überfluß haben wir Politiker, die versuchen, unsere Kapitalgesellschaft zu retten. Da möchte man doch aus der Haut fahren? Tun Sie’s doch – das Glück liegt auf der Straße!

Ich habe mir heute einen Baseballschläger auf Amazon bestellt. Neben unterschiedlicher Form, Farbe und Größe eines Schlägers besteht das wesentliche Qualitätsmerkmal im Material, Alu oder Holz, und insofern man nicht bereits Sixpacks hat, ist der Griff nach Aluminium zu empfehlen. Es ist wesentlich leichter, liegt dadurch hervorragend in der Hand und bei harten Schlägen ergeben sich Dellen, doch wir wollen kein Purist sein, so ein Schläger kostet keine 20 Euro, und Dellen sehen noch dazu cool aus. Für den vorausdenkenden Käufer gibt’s ihn (den Schläger) auch in Rot,  muß nicht sooft gereinigt werden, und das kann – kleiner Tipp – viel Mühe ersparen!

Raten Sie mal, was da sonst noch gerne dazu gekauft wird. Ein Ball ist nicht die richtige Antwort, verspreche ich gleich, und wer’s bereits am I-Phone liest, dem gratuliere ich. Litespeed!
Ja klar, was noch? Richtig. Eine gute, alte schwarze Sturmhaube. Revolution Action! Da wird es alles ganz klar, Schlagstöcke und Pfefferspray sind nur mehr der obligatorische Aufputz, und nebenbei nicht störend. Ich spiele schließlich ja auch kein Baseball.
Und wofür dann das alles? Ein kleines Beispiel:
Sie schlendern gerade die Mariahilferstraße entlang und plötzlich stockt Ihnen der Atem. Es ist drei Uhr morgens und Sie sind nicht in Begleitung. Wenige Menschen überhaupt und gerade vor Ihnen verliert der Typ sein Portemonnaie. So ein Glücksfall, es sind mehr als 1000 Euro drin! Sie laufen ihm natürlich nach und geben es ihm zurück? Noch vor 20 Jahren hätte man das vielleicht gemacht, aber heute?  Und sind Sie sich da ganz ehrlich?
Nun mal weiter angenommen, ihre Entscheidung dauert doch ein wenig zu lang, und der Typ kommt zurück und sieht Sie mit dem Börserl in der Hand. Er entscheidet schnell. Eine Schlägerei entsteht. Wer hilft Ihnen? Die Passanten? Sie scherzen! Niemand hilft Ihnen, ewig Blauäugiger, bekommen Sie noch eine gebrochene Nase dazu. Geschenkt! Und zum Dank geben Sie ihm obendrauf auch noch Ihre Brieftasche. Für die Mühe!
Die Polizei nimmt ihn sicher fest? Wenn sie ihn findet, vielleicht, aber was nützt Ihnen das?
Wenigstens haben Sie jetzt Ihr Geld zurück und Recht bekommen, ja? Das wird sicher ein Rechtsstreit, aber Sie leisten sich ja einen guten Anwalt.
Ich muß sagen, ich vertraue ja in unsere gleichen Rechte. Aufgrund dieses  Übereinkommens zahle ich einen Beitrag zur Erhaltung eines Systems, in dem der Stärkere mich rechtmäßig beraubt, und ich mich dafür sicher fühlen kann – die Politik dankt, so ein Bedürfnis läßt sich super ausnutzen! Und auch die quasi gebetsmühlenartig wiedergekäute Selbstverständlichkeit auf Gewaltverzicht, den alle wollen sollen! Woher wissen die das, was ich will? Mich hat nie jemand gefragt, und Sie?

Der Mensch ist halt, wie er ist, herrlich unberührt von der Moral, nimmt er gern den anderen was weg.

Da kommt jemand, der den anderen mehr wegnehmen will als bisher – und seitdem gibt’s das Christentum. Und bald lernt auch die Politik, sich beim Raub mit der Moral und dem Recht zu schützen. Recht hat der, der sich Recht nimmt – und damit durchkommt. Das habe jedenfalls ich dabei gelernt. Aber viele sind schon wesentlich weiter als ich, London ist sehr fortschrittlich, habe ich mir sagen lassen, in London waren Baseballschläger ausverkauft! War da nicht dieses Straßenfest, quasi ein behavioristisches Omen?

Oh brüderliche Welt

London war gar nicht so besonders, dort ist nur mittlerweile vielen etwas klar geworden. Stellen Sie sich mal vor,  jahrelang wird Ihnen gesagt, das ist die ideale Gesellschaft, Sie finden nur keinen Fuß darin, Sie können sich verwirklichen, aber keiner sagt Ihnen wie, ziellos, weil keiner was vorgibt, hilflos, weil die Hoffnungen so groß sind, aber die Realität so klein? Sie sind frei, Ihr Leben zu gestalten, aber niemand sagt, daß es schwer wird?
Sie sind nunmal nie frei von Abhängigkeiten, wirklich schade! Und Sie werden trotzdem nie die Gelegenheit haben, völlig zufrieden zu sein. Sie wissen ja nicht mal, was Sie eigentlich wirklich suchen. Und mitbestimmen können Sie ja bei der Wahl, Sie sind ja selbst schuld, wenn die Gesellschaft nicht dort ist, wo Ihnen gesagt wurde, daß sie eigentlich sein sollte.
Manche haben’s schon verstanden. Der König, der Politiker, der Reiche haben sich schon lange ein System geschaffen. Die Menschen lernen von ihnen. Nur braucht sich die Menge nicht zu verstecken, sie geht auf die Straße und nimmt sich, was sie glaubt, zu wollen. Empör dich, aber richtig. Häuser anbrennen, Autos plattmachen, du willst doch einen neuen Computer? Da in der Auslage war doch gerade einer! Christkind!
Eine Masse von Menschen ist weniger subtil, aber dafür effektvoll. London als die Avantgarde einer neuen Konsumbewegung.

Aus alt mach neu

Immer war das so:  Wer was hat, ein anderer nimmt’s ihm weg, ist nicht perfekt, aber es läßt sich ganz gut einrichten da drin. Die Sicherheit ist halt weg. Aber brauchen Sie die wirklich so sehr? Diese Idealvorstellungen, die so hoch an der Decke hängen, man hüpft und hüpft, vergebens. Das ist doch eine Sisyphosarbeit, wer hat Ihnen das eingeredet? Wird man da nicht depressiv? Ist es nicht viel ehrlicher, der Realität ins Auge zu sehn und sich zu fügen? Sicher ist man irgendwann tot.
Bis das soweit ist, habe ich einen Vorschlag für Sie, das Konzept ist sogar noch älter als der erste Raub:

Die Familie, vor allem im weiter ausgedehnten Bereich von Menschen, die einander kennen, die sich vertrauen.
Die Familie hilft uns. Zur Familie sind wir emotional gebunden. Wir fühlen uns zugehörig. In der Familie profitiert jeder von jedem – im südländischen Sinn, wie in Bella Italia!
Cosa Nostra – Unsere Sache
Camorra – Armar Camorra*
Ndrangheta – Heldenhaft!
Nomen est Omen. Sacra Corona Unita.

Der Schläger ist gepackt? Bon Bon! Unter Freunden, es kommen harte Zeiten!  Let’s go alootin‘!

 

Helfer:

  • “Les sanglots longues des violins de l’automne blessent mon coeur d’un son monotone”
  • „mehr nehmen“ – Fanta 4.
  • Der längste Tag.
  • It’s always sunny in Philadelphia S07E06? Azureus.
  • Es ist alles nur geklaut. Wikipedia.

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Fussnote:
* Randale machen, das Proletariat


 

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