Das Glück mitten unterm Unglück

kurze Beschreibung Mitten im größten Unglück – genau dort, wo man meint jetzt ersticken zu müssen, genau dort, wo es nur noch schlimmer werden kann, und auch schlimmer wird, genau dort – ausgerechnet dort – hat das Leben so viel Humor, dass es dem leidenden Menschen einen Perspektivenwechsel gönnt. „Oskar und die Dame in Rosa“ von Eric-Emmanuel Schmitt ist so eine Geschichte, die diesen Perspektivenwechsel beschreibt, so leicht, dass man es nicht glauben kann. Dieses Buch, das ohnehin sehr bekannt ist, aber Wert ist immer wieder in Erinnerung gerufen zu werden, handelt von Oskar, einem zehnjährigen Buben im Krankenhaus, der Krebs hat und bald tot sein wird.
Oskar weiß, dass er bald tot sein wird, aber das ist nicht sein Problem.

Sein Problem sind die Erwachsenen, die sich fürchten, so tun, als ob alles in Ordnung wäre, und ihn zu beruhigen versuchen, indem sie ihn belügen. Alles ist trist, das Leben hat zugeschlagen. Doch nein, das Leben hat auch Sinn für Humor, denn da ist auch Oma Rosa, auch Dame in Rosa genannt. Sie ist für Oskar da. Sie belügt ihn nicht, manipuliert ihn nicht, sie hört ihm zu und spricht mit ihm. Sie rät ihm so gründlich wie möglich nachzudenken … über alles, Gedanken zu formulieren und niederzuschreiben. Gemeinsam entwerfen sie ein System, nämlich die verbleibende Zeit von Oskar so zu planen, dass die wenigen Tage, die er noch hat, wie Jahre zählen. Da ist nämlich Peggy Blue, ein kleines Mädchen, in das Oskar sich verliebt hat, sie ist auch krank, sie ist blau, ihr gesamter Körper ist blau, sie hat eine Blutkrankheit. Mit ihr und den anderen auf der Station lebt Oskar sein Leben, lebt die verbleibenden Tage seines Lebens mit mehr Tiefsinn, als man es erfassen kann. Auf so schöne Weise in so klarer Sprache ist diese Geschichte, so grundehrlich, dass dieses Buch zu den äußerst wenigen Büchern gehört, die dem Leser zeigen, wie unter dem größten Unglück irgendwo Glück auszugraben ist.
Ein schönes Buch, woraus man sich nicht einmal ein paar Zeilen zu zitieren traut, um die kluge Einfachheit, mit der Oskar einem da begegnet, nicht wie Banalität aussehen zu lassen.
Nur soviel: Oskar stirbt glücklich. Er geht nicht unglücklich von dieser Welt, denn er ist von der Dame in Rosa nicht manipuliert worden, sie hat ihm geantwortet, wo andere Erwachsene den Blick senken, sie hat ihn glücklich gemacht mit ihren Antworten, ihren Ideen, ihren Anekdoten. Das größte Unglück des Todes wird für Oskar nicht erklärbar oder begreifbar mit Oma Rosa, aber vertrauenswürdiger.
Ein sehr schönes Buch, das man mindestens einmal, zweimal, dreimal, viermal lesen sollte.

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