Das Paradies und stetiges Hoffen auf noch paradiesischere Zustände – im Kinderbuch

Es mag verwundern, dass man sich einen Tiger und einen Bären zu Ratgebern der Lebensführung erwählt. Jedoch besitzen Janoschs Helden eine solche Anmut, dass man nicht umhin kommt sie zum Thema „Paradies und Unzufriedenheit“ zu zitieren. Im schmalen, so warmherzig illustrierten Kinderbuch „Oh, wie schön ist Panama“ wird der paradiesische Sündenfall neu aufgelegt. In die sich selbst genügende Autarkie von Tiger und Bär („Uns geht es gut, denn wir haben alles, was das Herz begehrt, und brauchen uns vor nichts zu fürchten“) schwimmt eines Tages eine Bananenkiste mit der Aufschrift „Panama“. Und der unwiderstehliche Geruch dieser Kiste lässt den Bären kirre werden: „In Panama ist alles viel schöner“ redet er Tiger ein und schon beginnt eine lange, den Glücksort suchende Odyssee. Sie endet nach Befragung diverser Tiere wieder am Ausgangspunkt, freilich mit gereiftem Blick, denn plötzlich ist ihr Land „Viel schöner als alles, was ich in meinem ganzen Leben gesehen habe. – Da brauchen wir nie, nie wieder wegzugehen.“ Ein Plädoyer fürs Horizont erweiternde Reisen, fürs (wieder) Wertschätzen-Können dessen, was man hat. Was aber manchmal (leider) erst dann sichtbar wird, wenn man es (für kurze Zeit) verlässt, getrieben von der (fixen) Idee es müsse andernorts noch viel lebenswerter sein als zuhause. Schön, dass Tiger und Bär in ihr Paradies (mit dem warmen weichen Sofa) zurückdurften und nicht unbarmherzig ausgesperrt wurden.

Janosch: Oh, wie schön ist Panama. Beltz: 2009. 48 Seiten

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