Der geplatzte Fußball-Traum

Es ist der Traum vieler afrikanischer Kinder: Fußballstar werden und der Armut zuhause entfliehen. Europäische Talente-Scouts machen mit ihnen ein riesiges Geschäft.

„Tausende Talentscouts durchkämmen die provisorischen Fußballplätze in Afrika. Immer auf der Suche nach dem einen fantastischen Spieler, der dem Scout zu Reichtum verhelfen kann. Für so ein Wunderkind zahlen die Klubs zwischen sechs und sieben Millionen Euro“, erzählt Lars Madsen. In den letzten zwei Jahrzehnten hat sich eine regelrechte Industrie um die Fußballtalente gebildet, mit einigen wenigen Gewinnern – und vielen Verlierern.

Die beiden norwegischen Journalisten Lars Madsen und Jens Johansson haben sich jahrelang mit dem Thema Kinderhandel im Fußball auseinandergesetzt und ihre Erfahrungen in dem Buch „Den forsvunne Diamanten“ (deutsch: „Der verschwundene Diamant“) zusammengetragen.

den forsvunne diamanten Die FIFA-Regeln

Die Regeln des weltweiten Fußballverbands FIFA sind klar: Spieler unter 16 Jahren dürfen nicht von einem Land in ein anderes transferiert werden, Spieler unter 18 nicht von einem Kontinent auf einen anderen. Das gilt nur dann nicht, wenn die Eltern unabhängig von der Fußballkarriere ihres Kindes das Land wechseln.
Den europäischen Fußball-Klubs liegt aber viel daran, trotzdem junge Talente für ihre Zwecke aufzubauen. Für sie bedeuten die Kinder potenziell viel Geld. Daher haben die Klubs Wege gefunden, die FIFA-Regeln zu umgehen.

Der Kinderhandel

„Es gibt drei Ebenen des Kinderhandels“, erklärt Madsen. Die höchstentwickelte Variante läuft über sogenannte Fußball-Akademien, in die afrikanische Kinder, manche nicht älter als acht Jahre alt, gesteckt werden. Die Akademien sind oft weit weg von ihrem Zuhause, wo sie für eine Profikarriere im europäischen Fußball aufgebaut werden sollen.
In Thailand gibt es eine solche Akademie mit engen Beziehungen zu Arsenal. Dort werden momentan afrikanische Minderjährige ausgebildet. Sie dürfen keinen Kontakt zu ihrer Familie haben. „Wahrscheinlich, um den ‚Arsenal-Lebensstil‘ zu erlernen“, sagt Madsen. „Wenn die Kinder 18 Jahre alt sind, kann sich Arsenal die Besten aussuchen.“ Was mit dem Rest passiert, ist unklar. Madsen fügt allerdings hinzu: „Zumindest passt man dort auf die Kinder auf. Die unteren beiden Ebenen sind wirklich reines Geschäft.“
Eine Ebene weiter darunter existieren Akademien in Ghana oder der Elfenbeinküste. „Sie sind von lokalen Leuten oder Europäern geführt, die teilweise in Europa als Scout gesperrt sind, aufgrund von Kinderhandel“, erklärt Madsen. Die Klubs können auf die Kinder zugreifen, die dort untergebracht sind, und sie zu einem Probespiel einladen. Die wenigstens sind dabei erfolgreich.“ Ajax und andere holländische Klubs sind zum Beispiel in diese Art von Handel involviert.
An der untersten Ebene hat sich eine Form von Kinderhandel etabliert, die nicht unmittelbar mit den europäischen Klubs in Verbindung steht, sondern eine Folgeerscheinung davon ist. Lokale „Scouts“ operieren in Afrika, die vorgeben, Kontakte nach Europa zu haben. Gegen etwas Geld versprechen sie den Eltern, dem Kind eine große Fußball-Karriere in Europa zu ermöglichen. „Diese Intention hatten die Leute aber nie. Die Kinder enden in Marokko oder werden in ein Boot gesetzt und landen in Italien, Spanien oder Korsika.“ Dort holt sie niemand ab.

Das Ende eines Traums

Den Forschungen der beiden norwegischen Journalisten zufolge sollen sich momentan 20.000 Kinder in Europa aufhalten, denen eine rosige Zukunft versprochen wurde, die nie zur Realität wurde. Manche der Jugendlichen schaffen es, wieder zurück in die Heimat zu gelangen oder sich in Europa eine Existenz aufzubauen. Viele schaffen das nicht. Madsen erzählt: „Wir haben viele Schicksale kennen gelernt. Die Kinder leben hier auf der Straße, manche arbeiten illegal, manche sind Prostituierte.“
Die FIFA verhalte sich laut Madsen feige, wenn es um die Bekämpfung von Kinderhandel im Fußball geht: „Sie hat strenge Gesetze, auf dem Papier ist sie dagegen. Aber in der Praxis macht sie viel zu wenig.“

Die Situation in Österreich

„Am meisten involviert in das schmutzige Geschäft sind die Länder Holland, Frankreich, Portugal und Italien“, sagt Madsen. Auch Großbritannien und Spanien mischen kräftig mit. In den letzten Jahren haben Russland und osteuropäische Länder wie die Ukraine begonnen, Kinder aus Afrika ins Land zu holen. „Deutschland und Österreich gehören bestimmt nicht zu den schlimmsten Ländern. Aber ich nehme mal an, dass es an die hundert österreichische Scouts gibt.“
Auch in Österreich gibt es einen Fall, bei dem ein minderjähriger Fußballer ins Land geholt wurde. Der Kroate Ante Coric ist 12 Jahre alt. Er wurde vor einem Jahr von Red Bull Salzburg gekauft. Seine Mutter kam mit ihm und arbeitet nun in Österreich, sein Vater arbeitet in Kroatien als Scout für den Klub. Madsen meint dazu: „Es ist nicht okay, den Eltern einen Job anzubieten, nur um an das Kind ranzukommen. Das ist ein Missbrauch der Intentionen der FIFA-Regeln.“

Literatur:
„Den forsvunne Diamanten“ von Lars B. Madsen und Jens M. Johannson, Tiden Norsk Forlag, Oktober 2008, ISBN: 9788210050442.

Kommentare

Buch

Hallo

Ich wolte fragen, wann dieses Buch von Den Forsvunne
auf deutsch erscheint?

liebe Grüße Janine

Das Buch erscheint leider

Das Buch erscheint leider gar nicht auf deutsch.

was denn? nie? und woher

was denn? nie? und woher weiß man das im vorhinein?

na weil ich hellsehen kann!

na weil ich hellsehen kann! ist doch klar!

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