Der Regen fließt nach unten

Schon mal drüber nachgedacht, woran man große Literatur erkennt? An ihren Wetterberichten, was sonst. Wer würde jemals das Gilgamesch-Epos zitieren, wenn da kein Sintflut-Bericht drin wäre? Was wäre die Äneis ohne Seesturm und die Odyssee ohne den Windbeutel? Im Rig-Veda können wir sogar mehrere Hymnen lesen, die einen Gott namens “Regenwolke” (Parjanya) besingen: “Winde stürmen los und Blitze fallen, Kräuter schießen empor, der Himmel quillt über…” (RV V 83,4ab)
In der Neuzeit werden die literarischen Wetterberichte tendenziell zwar weniger wortreich, Tragweite und Tiefgang leiden aber darunter nicht. Was beschreibt das britische Klima treffender als Shakespeares Refrain “For the rain it raineth every day”? Und wo wären wir heute, wenn Bert Brecht uns nicht zu hören und lesen gegeben hätte, daß der Regen von oben nach unten fließt, und nie umgekehrt? Wir hätten glatt aus dem Fenster schauen müssen, um zur selben Erkenntnis zu kommen. Oder die Zeitung lesen. Brrrrrrrrr!!

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