Der russische Camus

Nächtliche Wege

Gaito Gasdanow/Gazdanov wird als der Camus der Russen bezeichnet, vielleicht ist er aber auch einfach nur er selbst, einer der aus dem Exil geschrieben hat, ein St. Petersburger, der 1971 in Deutschland gestorben ist und viele Essays und Romane hinterlassen hat.
Beim Hanser Verag ist 2018 ein Roman von ihm erschienen bzw. neuübersetzt verlegt worden, der das Leben des Exilrussen in Paris nacherzählt – mit dem deutschen Titel "Nächtliche Wege."
Der Ich-Erzähler, ein Russe, arbeitet nachts als Taxifahrer und wird der Vertraute von drei Frauen: einer Edelprostituierten, einer Schülerin und noch einer Frau, die ihm besonders wegen ihres Goldzahns aufgefallen ist. Seine anderen nächtlichen Weggefährten sind Diebe, Zuhälter, Obdachlose und Andere, die weder komplett aus der Gesellschaft augeschlossen sind, noch in ihr wirklich integriert sind. Es ist das Paris 30er Jahre und ein von Sehnsucht gebeutelter Russe, der mit scharfem Verstad und genauer Beobachtungsgabe erzählt. Selbst Walter Benjamin soll so beeindruckt gewesen sein von diesem psychologisch erzählten Roman, dass er die tiefgründige Skizzierung der Menschen gelobt haben soll.
"Ein Abend bei Claire" ist der vielleicht berühmteste Roman von Gasdanow/Gazdanov, zumal er aktuell auch in Moskau wiederendeckt wird, wo es die Gesellschaft der Freunde Gaito Gasdanows gibt.

"Nächtliche Wege" (Ночные дороги, 1941) von Gaito Gasdanow ist 2018 beim Hanser Verlag erstmals in deutscher Übersetzung veröffentlicht worden.

 

 

 

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