Die Blumenhochzeit

Es gibt ein Buch, es ist ein Märchen und ist es doch nicht – es ist eine Geschichte, die ohne Menschen und Tiere auskommt. Sie lebt ganz von den Pflanzen und purer Phantasie. Dieses „Märchen“ von dem hier die Rede ist; stammt von Eliza Orzeszkowa die 1910 gestorben ist und dieses Märchen soll angeblich auch politische Dimension besitzen.
Öfters interessiert man sich mehr für die versteckte Botschaft als für das vermeintlich Oberflächliche. Aber wenn man diese Zeilen liest die Orzeszkowa meisterhaft zu Papier gebracht hat, möchte man so lange wie nur möglich an der Oberfläche bleiben einfach bei den Pflanzen und der Natur, die sie so erstaunlich erfasst, und sonst keinerlei politische, soziale oder sonst eine Botschaft zwischen den Zeilen lesen.
Wie immer geht es um die Liebe, es geht um die Hochzeit zweier Blumen und den Tag ihrer Vermählung, wie sich zwei Pflanzen ineinander verlieben und wie sie von einander getrennt werden, wie der Tod sie scheidet. Knapp 63 Seiten erzählen diese Geschichte ihrer Liebe, ihrer Neider und ihrer Trennung. Karl Dedicus schreibt in der illustrierten Ausgabe des Insel Taschenbuch Verlags ein Nachwort zur Autorin, wo man leicht nachlesen kann, wer denn diese Autorin war, die so über die Natur zu schreiben wusste. „Besonders eindrucksvoll, sachlich wie poetisch, ist Orzeszkowas Prosa ihrer letzten Schaffensperiode um die Jahrhundertwende. Dazu gehört das naturwissenschaftlich fundierte und lyrisch stimmungsvolle Märchen Die Blumenhochzeit“.
Unter uns: diese Geschichte lässt sich nicht mit anderen Worten empfehlen. Sie empfiehlt sich durch sich selbst, durch große feinfühlige Stärke die man besser nicht zu sehr kommentiert. Nur so viel: dieser Text ist unglaublich gut, phantasievoll, einfach und intelligent.
„Die ersten, die erwachten, waren die Winde. Als Zeremonienmeister oblag ihnen, die Ordnung zu überwachen. Doch, noch müde und träge, erhoben sie sich nicht sogleich, sondern wälzten sich einige Male gähnend auf ihrem Lager. Aber das genügte um die Braut zu wecken, die erbebte, ihre Blätter schüttelte, ihr im Schlaf gesenktes Köpfchen hob und sofort die Rosenaugen auftat. So pflegen diejenigen aus dem Schlaf zu erwachen, denen der junge Tag großen Schmerz oder große Freude verspricht.“(44)

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