Die Lange Nacht der Museen

KlingonenglobusDas Wiener Globenmuseum oder „Auf Sex mit Klingonen kann ich verzichten“

Wer vermutet, auch ich sei eine jener Museumsfreundinnen, die die Gelegenheit beim Schopfe packten, um der Lust am Kuriosum zu frönen, der irrt. Manche besuchten aus solchem Antrieb heraus vielleicht das Wiener Schneekugelmuseum oder das Museum für Verhütung und Schwangerschaftsabbruch, statt in Schlangen vor der Albertina oder dem Leopoldmuseum kostbare Zeit zu verlieren. Nein, ich mag Globen und Landkarten aller Art, ganz ehrlich, besonders solche, in denen überdimensionale Ungeheuer die Weltmeere durchkreuzen und den Weg zu den Antipoden so richtig ungemütlich machen. Kurz gesagt, ich freute mich aufs Globenmuseum, und zwar seit Monaten. Was alle anderen dazu trieb, dieses einzige Museum seiner Art weltweit aufzusuchen, weiß ich nicht, auf jeden Fall praktizierte man vor dem Eingang in der Herrengasse 1 Blockabfertigung.

Während ich auf Einlass wartete, erfuhr ich, dass das Palais Mollard nicht nur eine Sammlung von Erd- und Himmelsgloben beherbergt, sondern darüber hinaus noch ein Esperantomuseum und ein Museum für Plansprachen, also konstruierte Sprachen, derer es immerhin über 500 gibt. Um den Besuchern ein, dem Anlass entsprechendes Programm zu bieten, wurden im Halbstundentakt Einführungskurse in Esperanto und, man höre und staune, Klingonisch angeboten. Für alle, die in ihrer Kindheit niemals mit dem Raumschiff Enterprise durch die Galaxie zogen: auf Klingonisch verständigt sich das kampfeslustige und ruppige Volk der (erraten!) Klingonen. Tatsächlich ist dies eine vollwertige Sprache, von Marc Okrand mit Grammatik und allem drum und dran erfunden.
Ich, als Globen- /Star Trek Freundin hatte mein Museum gefunden.
Der Vortragende war wider erwarten kein Native-Speaker. Keine zwei Meter fünfzig große, dunkelhäutige, brummige Kampfmaschine mit wulstiger Stirn, sondern ein unscheinbarer Mittvierziger aus Oberkurzheim in der Steiermark. Zwar groß gewachsen für den durchschnittlichen Erdenbürger, jedoch mit viel zu weichen Zügen und einem schlecht sitzenden hellblauen Kleiderbauer-Anzug ausgestattet, so dass man dem Armen wünschte, er möge niemals einem Klingonen begegnen – der würde ihn verhauen, ganz sicher. Doch ernst war es ihm. Nachdem er eine Runde Kleenex spendiert hatte, übten wir die ungewohnten extraterrestrischen Laute und spuckten vor uns hin. Auf die verwunderte Frage eines Teilnehmers, ob die Sprache denn tatsächlich Anwendung finden würde, erklärte er etwas empört, dass Klingonisch sicher mehr gesprochen wird als, sagen wir, das Elbische aus dem Herrn der Ringe. Wir waren beruhigt, man setzte also auf das richtige Pferd. Nach einer halben Stunde wusste ich immer hin, dass „Ich liebe dich“ auf Klingonisch „SoH qaparHa’bejtaHneS jiH“ heißt. Ob ich dieses Wissen je brauchen werde, bezweifle ich, denn Sex mit Klingonen endet oft mit Knochenbrüchen und Blutergüssen, so hört man jedenfalls.
Und? Ach ja, im Globenmuseum war ich danach auch und die kurze Führung, in der man immerhin den ältesten Globus unseres Land besichtigen konnte, endete mit den entschuldigenden Worten: „Ich hoffe, ich habe Ihnen das Thema Globen jetzt nicht komplett langweilig gemacht.“ Dem schließe ich mich an, aber jedem das Seine.

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