Die Reifeprüfung

Die bahnbrechenden Zeiten des Volkstheaters in den frühen 1970er-Jahren unter der Leitung Gustav Mankers, geprägt von der Entdeckung zeitgenössischer österreichischer Dramatik, sind lang vergessen. Heutzutage wird hauptsächlich versucht, mittels halbgegorenen Boulevardstücken dem Theater in der Josefstadt und dessen Nerz- und Mottenkugeldichte Konkurrenz zu machen. Wobei das Volkstheater den damit unvereinbaren Versuch unternimmt, (optisch) hip und berlin/mitte zu sein. Rote Sterne, Rote Bars, nur keine Revolution und kein „Volks“theater mehr.
Ab 6. Februar ist die Österreichische Erstaufführung der „Reifeprüfung“ (Bühnenfassung: Terry Johnson), bereits 2000 im Londoner West-End mit Jerry Hall als Mrs. Robinson uraufgeführt, zu sehen.
Und es könnte auch seine Gründe haben, warum sich acht Jahre lang niemand dafür interessiert hat.
Filmadaptionen auf dem Theater sind häufig zum Scheitern verurteilt, weil zumeist krampfhaft versucht wird, mit filmischen Mitteln und somit gegen das Theater und seine Gesetze und Möglichkeiten der Unmittelbarkeit zu arbeiten.
Regie führt Felix Prader, die Besetzungsliste liegt noch im Dunkeln, wird jedoch wohl etwas billiger ausfallen, da Peter Weck und Harald Serafin den Etat für Publikumslieblinge mit ihrer Klamauknummer „Sonny Boys“ schon gehörig strapaziert haben.
Beim Original aus dem Jahr 1967 handelt es sich, um das Lexikon des Internationalen Films zu zitieren, um eine „Gesellschaftssatire, die gleichermaßen die verkalkte Moral des amerikanischen Establishments und die Weltfremdheit der jungen Generation aufs Korn nimmt“. Wie soll eine selbstironiefreie Institution diese Punkte umsetzen?
Schlussendlich dürfte die Rote Bar, wenn auch abgekupfert, lohnenswerter sein.
Oder einfach ein Schmalzbrot schmieren, Simon & Garfunkel summen und den Film ansehen.

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