Die Sauna ist zum Schwitzen da ...

  • .. und deshalb sollte man sie lieber ausprobieren anstelle viel Theoretisches über sie zu lesen! Für alle, die sich aber fragen: „Wo, wann und wie mach ich das am besten?“ ist dieser Artikel gedacht …*

Nichts ist nämlich schlimmer, als mit vollem Magen, ohne Badelatschen und mit nur kleinen Handtüchern in der Saunalandschaft zu stehen und sich dann trotzig auf den Weg zum „Profi- Aufguss“ bei 100 Grad zu machen. Weiß ich aus Erfahrung.

Daher ein gut gemeinter belehrender Einstieg: Nimm Dir Zeit, am besten vier Stunden, und bewege Dich vorher ein wenig, damit Du den Kontrast (Ruhe-Bewegung, warm-kalt) noch mehr genießen kannst. Nimm Dir zwei große Tücher mit (außer Du bist sehr klein), damit nicht das erste Wort der manchmal ruppigen Saunameister ist: „Kein Schweiß auf Holz!“. Vergiss auch nicht Bademantel, Latschen und ein gutes Buch (außer Du willst schlafen – das geht im Ruheraum leichter, als man denkt). Und vor allem denk daran, dass Saunabaden viel Flüssigkeit entzieht: Zwei Flaschen Mineralwasser und eine Packung Saft sind das beste Ausgleichsmittel hierfür.

Dann stellt sich die nächste Frage: wohin? Pechvögeln kann es passieren, in halböffentlichen Saunen mit recht hohen Eintrittspreisen zu landen und dann ungewollte Anbahnungen (nicht nur gleichgeschlechtlicher) Gäste erwehren zu müssen. Insbesondere ein „Männerbadetag“ sollte Skepsis hervorrufen (in ungarischen Bädern ganz besonders) – Frauen treffen durch diese Sondertage Vorsorge, um nicht steten lüsternen Blicken ausgesetzt zu sein. Das ist nachvollziehbar – schließlich wollen wir in der Sauna v.a. eines: Erholung. Die findet man in Wien z.B. in Oberlaa (die städtischen Bäder haben dann mitunter doch noch zu medizinischen Charakter) – aber auch ein kleiner Ausflug lohnt für sich, für noch mehr Wellnessfeeling. Mein Geheimtipp sind die steirischen Bäder in Waltersdorf, Loipersdorf und Blumau (hier fühlen sich v.a. zahlungskräftige, man zahlt nämlich 40 anstelle der sonst üblichen 20 Euro, Hundertwasserfans wohl). Aber auch die Gasteiner Ecke ist reizvoll und besticht durch funktionale Ästhetik: Beton und Holz umrahmt vom Berggranit – da entstehen warme Gefühle.

Aber egal, wohin es Dich letztendlich zieht – Du solltest klein anfangen (in der Regel gibt es leichtverträgliche 60 Grad Kammern, meistens mit stimulierendem Farblicht) und nach zehn Minuten wieder hinausgehen, damit Dein Kreislauf nicht gleich kollabiert. Denn die Wärmekontraste sind v.a. im Winter beträchtlich: eben noch in tropischen Temperaturen geschwitzt und dann (immer vor der Dusche, vor dem Abtauchen im Kaltbecken) hinaus in die frische Luft – jeder dampft da unwillkürlich mit. Liegt Schnee im Freibereich – nutze ihn! Abreiben macht Spaß und das spätere Wiederaufwärmen im Whirlpool ebenso!

Wie oft Du diese Abfolge „Heiß – Kalt – Warm“ mitmachen sollst? Das musst Du nach einer mindestens 15-minütigen liegenden Ruhephase nach jedem „Gang“ selbst wissen. Gute Erfahrungen habe ich mit drei solcher Gänge gemacht – wobei mindestens einer mit Aufguss dabei sein sollte. Denn die Düfte, die das Begießen der heißen Steine mit Wasser (manchmal wird auch gekruschtes Eis verwendet) auslöst, sind wunderbar (v.a. Nadelhölzeraromen riechen gut) und das Schwitzen wird durch die kurzzeitig steigende Luftfeuchtigkeit auch erleichtert. Aber Vorsicht: Wer schon zehn Minuten vor dem Guss kommt, auf den oberen Stufen wartet, wird nicht begeistert sein – denn diese Kombination halten selbst Profis nicht aus. Daher: maximal auf die zweite Bank (von unten) und maximal drei Minuten vor der fast heiligen Handlung. Variationen gibt es derer unzählige, draußen in Laa schmiert man sich z.B. während des Aufgusses auch noch mit Kakaobutter oder Honig ein. Öfters gibt’s andernorts auch noch Salz – das ist gut für die Haut. Peeling-Effekte treten beim Abrubbeln ein …

Wen nach der ersten Runde das Gefühl beschleicht, dass das doch ein bisschen heftig ist, der kann auch noch Dampfbäder (mit niederen Temperaturen und höherer Luftfeuchtigkeit) ausprobieren – oder Infrarotkabinen, die bei ca. 45 Grad ein leichtes Schwitzen ermöglichen und Verspannungen lösen. Nur in Maßen wirkt das Schwitzen auch gesundheitsfördernd und kann Erkältungen verhindern. Also (zunächst bitte noch) keine Exzesse finnisch-russischer Art (Ausdauermutproben, wechselseitiges Auspeitschen mit Birkenreisig oder ein Wodka zur Abkühlung) – Saunaleiden(sbereit)schaft muss (langsam) wachsen. Dir bei diesem Prozess viel Freude!

Neuen Kommentar schreiben

Plain text

  • Keine HTML-Tags erlaubt.
  • Internet- und E-Mail-Adressen werden automatisch umgewandelt.
  • HTML - Zeilenumbrüche und Absätze werden automatisch erzeugt.
By submitting this form, you accept the Mollom privacy policy.