Groar macht der Bär

groarKinderbuchrezension eines schnarchenden Vaters

Wenn mein zweijähriges Kind am Topferl sitzt, dann will es auch manchmal Bücher um sich haben, die es während seiner Ausscheidungstätigkeit studieren kann.
Einer dieser in die Ritze zwischen Waschbecken und Badezimmerkasterl geklemmten Kinderschmöker heißt „Groar macht der Bär“ von Norman T. Grant, erschienen im Kyrene Verlag.
Was an dem Werk wortwörtlich ins Auge sticht, sind die expressionistisch-schrillen, aber trotzdem sympathischen Illustrationen von Christian Yeti Beirer.

Der „Comic Sans“-Schrifttyp ist zwar ein graphologischer Tabubruch, passt aber irgendwie zu den vielen lustigen Tierchen, G’sichtern und Schattierungen, die den Wahrnehmungsapparat eines Kleinkindes wie auch den des Papas förmlich erschlagen.
Dramaturgisch durchleuchtet:
Das schlafgestörte Mädchen Belinda will einem beirrenden Geräusch mit Hilfe ihres seltsamen, nach Knoblauch stinkenden Onkels Thaddäus auf die Spur kommen und kann es schlussendlich als Rhonchopathie eines pelzigen Säugetiers entlarven.
Ich gestehe, bis dato habe auch ich lieber wie ein Bär geschnarcht, statt meinem Kind das Buch vorzulesen, aber die Zeit wird kommen … nicht nur wegen Knoblauch und Thaddäus.
P.S.: Das großteils giftig gefärbte Buch riecht übrigens so, als wäre es in einem Istanbuler Einkaufsstraßen-Plastiksackerl verschifft worden, besorgniserregend und doch irgendwie vertraut – groar! – das macht Bärenlust auf Türkeiurlaub.

Norman T. Grant, Groar macht der Bär. Illustriert von Yeti Beirer. A. d. Amerikan. von H. R. Tomki, Innsbruck, Kyrene 2010. 24 Seiten. EUR 16,90. ISBN 978-3-900009-71-7.

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