Heimat bist du großer Gender

Für die Schurkinnen und Schurken: Saure Gurken, saure Gurken!

“Niemand hat das Recht, in einen poetischen Text einzugreifen”, äußerte heute unser Herr Bildungsminister, “das ist so, als würde man eine Skulptur umbauen.”

Dabei wurde der Text unserer Bundeshymne schon einmal ziemlich rüde umgebaut, eh er noch die Bundeshymne war. Hatte Paula v. Preradović noch gedichtet, wir seien “arbeitsam und liederreich”, nennen sich die Österreicher in der offiziellen Fassung “arbeitslos”, äh, ich meine natürlich “arbeitsfroh und hoffnungsreich”. Und noch ein paar so Umbauten. Also, umbauen darf man schon.

Es naht die Jahreszeit, in der die Gurken so richtig sauer sind (Hitze begünstigt Gärung), und so hat sich das Parlament wieder einmal dem schwierigen Problem gewidmet: Wie kann man die Bundeshymnen-Zeile “Heimat bist du großer Söhne” so umdichten, daß auch ein Unbeteiligter (sofern er deutsch versteht) ihr mühelos entnimmt, daß es in Österreich auch Frauen gibt? Natürlich werden dumme Lösungen angeboten, etwa von Damen, die Wurm, Schittenhelm und ähnlich heißen. Etwa: “Heimat bist du großer Töchter und großer Söhne”. Kein Mensch kann das singen, da muß man dem eingangs zitierten Herrn Minister Töchterle (sic!) schon recht geben.
Frau Staatsdienerin Rauch(siehe Bagger2!)-K*** wollte ja ursprünglich beantragen: “Heimat großer Töchter, Söhne”. Dabei ließen ihre männlichen Parteigenossen sie nicht zu Wort kommen, indem sie eigens lange Reden zu so brennenden Themen wie Schweinemast und Heißluftproduktion schwangen. Bravo, meine Herren! Wahrhaft feministisch gedacht! Denn der Beistrich würde beim Singen garantiert untergehen, und dann (höre ich Karl Kraus aus dem Jenseits ätzen) hieße es “Töchtersöhne”. Klingt einerseits wie “Muttersöhne”, andererseits bezeichnet das Wort – da jede Frau irgendjemandes Tochter ist, und somit jeder männliche Sprößling ein Tochtersohn – etwas umständlich, aber biologisch vollkommen rechtfertigbar, erst recht wieder nur die Männer.

So geht es also nicht. Bei den anderen Problemstellen des Hymnentextes kann man sich mit ein bißchen Schummeln ganz gut helfen. Wenn es in Strophe 2 heißt “seit frühen Ahnentagen”, kann man die Ahninnen geschlechtsneutral hineinmogeln, indem man singt “seit Urgroßelterntagen”. Und bei den “Brüderchören” in Strophe 3 hilft eine zarte Verschiebung: “Einig in Geschwisterchören, / Heimat, laß dir Treue schwören”. Alles in Butter also, bis auf die Töchter. Wir sind das Volk – wir fordern eine eigene Strophe zum Thema Töchter! Auf, Jungs und Mädels, laßt uns singen:

“Land der Söhne, Land der Töchter,
Land der zweierlei Geschlechter,
Land der Frächter, Pächter, Schächter,
Land geschwächter Hohngelächter,
Land bekappter Säbelfechter,
Land bezechter Menschenschlächter,
Unge- sowie andrer -rechter,
Land gesalbter Tugendwächter,
echter und auch nicht so echter,
Vaterland der Maulkorbflechter
und auch Mutterland zugleich!
Heimat bist du großer Kinder,
Volk, berühmt für Wein und Rinder,
reimbemühtes Österreich – reim, bemühtes Österreich!”

Im Grunde ist Österreich ja noch berühmter für Mozartkugeln, nur reimen sich die nicht. – Aber da erreicht uns auch schon die erste Beschwerdezuschrift, gezeichnet von Hadumod Trautsohn, dem Schriftführer des Kampfbundes zur Nutzung Unbarmherzig Reiner Reime (KNURR). In unserer Kinder-Rinder-Fassung seien die Töchter, um es mit einem anderen deutschen Dichter zu sagen, “normalvokalisch untergrundfundiert”. Reim muß rein bleiben! Ö muß Ö bleiben, nicht Ä! Es heißt ja auch nicht Esterreich! Und so offeriert uns Barde Hadumod seine eigene Lösung, die wir dem/der LeserIn hiermit zur Begutachtung überlassen:

“Land der Söhne, Land der Töchter!
Heinrich sagt, regieren möcht’ er.
Gern entflammte Fackeldöcht’ er,
Eichenblätterkränze flöcht’ er,
und nach braunem Weihrauch röch’ der
blaublutblonden Recken gleich!
Heimat bist du großer Sprosse, (Anm.: Was ist mit EHEC?)
Volk der saturierten Bosse,
Volk vernarbter Burschentrosse,
Volk der Rindviecher und Rosse,
Volk, betört vom Mief der Gosse,
denkbefreites Österreich.
Denk, befreites Österreich!”

Wobei wir uns die Bemerkung nicht verkneifen können, daß uns diese Zusendung etwas verdächtig vorkommt. Ein Verein so offensichtlich teutonischen Gepräges, und dann der schnöde Anglizismus “Bosse”? Wenn das mal kein Fake ist.

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