Heitere Verklärung des allzu Gewöhnlichen

Eine Replik auf ein einmaliges Stück der einmaligen Kleinkünstlerin „Agathe Notnagel“ und ihres charmanten „Herrn Nachbarn“.

Arthur C. Danto hätte wahrlich seine Freude gehabt, als Agathe Notnagel mit ihrem Herrn Nachbarn im Gürtellokal b72 das passende Stück „Nachtschwärmer und Gürtelrose“ im Rahmen der „Handmade-Night by Limupic“ zum Besten gaben. Eindrucksvoller Gesichtsausdruck liefert das Werkzeug der Dame mit lila Hut, die es versteht, eine Rolle der Frau zu parodieren, die in Zeiten wie diesen längst als überwunden gelten sollte.

Ein zunächst etwas unbeholfen anmutendes und von der Hektik des Alltags geplagtes Hausmütterchen, vorwiegend musikalisch assistiert von einem netten Nachbarn, lässt schließlich falsch verstandene Prädestinationen des „anderen Geschlechts“ in anderen Lichtern erscheinen. Dabei trägt die Kombination aus Mime und Musik nicht nur zur Erheiterung, sondern gerade auch zur gedanklichen Reflexion bei. Dass am Gürtel keine Rosen wachsen, und solche auch nicht unbedingt am Hosengürtel ihren Platz haben, weist bereits auf das dargebotene Konzept einer beachtenswerten Sprachclownerie hin: „Wird ein Wort durch ein ähnliches vertauscht, so ergibt sich eine ganz andere Geschichte“. Mit Situationskomik gespickte Sprachpenetration wird dabei gekonnt von der komödiantischen Verklärung klischeehafter Paradedisziplinen wie Raumpflege und Speisenzubereitung umrandet. So werden etwa Töpfe zweckentfremdet oder das Morgensternsche Möwenlied kurzerhand zum „Möbellied“ umfunktioniert. Dass in der Frau Power steckt, merkt man wiederum an dem nicht ganz fachgerechten musikalischen Einsatz einer Tuba – wobei das Blechblasinstrument aber immerhin aufgrund des Materials etwas mit Metal zu tun hat. Für Auflockerung zwischendurch sorgen visuelle Darbietungen, die im Publikum ein emotionales Mittelding zwischen Heiterkeit und Spannung hervorrufen: etwa ein Video mit einer losen Abfolge verschiedener Grimassen, die in ihrer performativen Bescheidenheit doch mehr erzählen können, als es oft die austauschbaren Worte vermögen. Wer also einer flüssigen Kombination aus Mime, Kabarett und Musik nicht abgeneigt ist, möge dies als Empfehlung für einen lustigen Abend der etwas anderen Art betrachten.

„Agathe Notnagel mit freundlicher Unterstützung ihres Herrn Nachbarn“ alias Natascha Gund­acker und Joachim Berger; Mime, Figurentheater, Musik. Aktuelle und spezielle Programme siehe: www.kabarett.cc

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