In Gedanken schon mit Hut

Bald, Baldo, bald … (Teil 2 )

Nachdem Baldo mehr oder weniger zufällig die Bekanntschaft von Teddy, einem auf internationaler Ebene agierenden Verhökerer allgemeiner und auch ausgefallener Wertgegenständlichkeiten, gemacht hat, wird ihm von diesem sogleich ein Auftrag erteilt. Baldo hat zwar einige Mühe, das gewünschte Objekt in seinen Besitz zu bringen – wir erinnern uns mit Schaudern an die Katastrophe mit dem Zeppelin und die Schwierigkeiten, die die Schwerelosigkeit mit sich brachte – doch letztendlich glückt das Unterfangen und Teddy erhält die begehrte Kostbarkeit. Bald wird Baldo jedoch klar, dass das Kleinod seine Gedanken nicht zur Ruhe kommen lässt, er begreift, wie schamlos Teddy ihn benutzt hatte. So beschließt er, sich zurückzuholen, was ihm ohnehin schon immer gehört hatte. Ein halbes Jahr nach seiner überstürzten Abreise kehrt Baldo nun zurück nach Hausdorf, wo er alles so vorfindet, wie er es verlassen hat.

Baldo bleibt am Fenster stehen, wartet ungeduldig, bereits in Mantel und Schuhen, bis die Uhr halb acht zeigt, um dann bestimmten Schrittes die Wohnung zu verlassen. Der Tag der anderen hat bereits begonnen und seiner würde sich geräuschlos einfügen, ohne Aufsehen zu erregen. Beim Überqueren der Kastanienallee streifen ihn Ausläufer des Sturms der letzten Nacht. Lässige Windböen, die Baldo zu verhöhnen scheinen. Er schlägt den Mantelkragen hoch und verflucht den Tag, an dem er in die Stadt zurückgekehrt war, zurück in dieses Zimmer, zurück zu diesem elendigen Ofen, diesem krachmachenden, schlafraubenden Ungetüm.
Der zierlich verschnörkelte Mellerofen, von dem hier die Rede ist, kachelt unschuldig in einer Ecke von Baldos Schlaf-/Wohn-/Badezimmer und hat die Angewohnheit, bei dem kleinsten Lüftchen, das er durch den Kamin einsaugen kann, ein mehr oder weniger aufdringliches Knackgeräusch von sich zu geben, ein Schmatzen der metallischen Art. In der letzten Nacht, in der ein ausgemachter Sturm die Kastanienbäume peitschte, schmatzte und knackte der Ofen orgiastisch. Baldo hatte kein Auge zugedrückt.
Bis Mitternacht noch setzte er all seine Hoffnung in die Kraft der Autosuggestion – ein Waldspaziergang, ein beruhigter, ausgeglichener Baldo, der dem Rauschen der Baumkronen und knackenden Zweigen im Unterholz lauschte. Ein Baldo, der beinahe eingeschlafen war, als sich ein unerwartet dumpfes Heulen zur Geräuschkulisse gesellte. Das war neu, das hatte Meller zuvor noch nie gemacht und im Wald wurde es gruselig. Baldo war hellwach.
Gegen zwei Uhr morgens kapitulierte er schließlich, setzte sich an den Tisch, knackte Walnüsse und zerbrach sich den Kopf über Teddy, diesen sturen Kerl, der auch diesmal seine Meinung nicht ändern würde.
„Ich will es wiederhaben“, hatte Baldo bei ihrem letzten Telefonat an dem Tag vor seiner Rückkehr gemeint. „Das ist nicht dein Ernst, oder?“, erwiderte Teddy, wie immer etwas von oben herab (wie sehr er Baldo doch damit aufregen konnte!). „Doch, schon …, ich will es in meiner Nähe haben.“ – „Das geht nicht, und das weißt du genau. Tut mir leid, aber wir haben eine Abmachung“ – „Ich besorge dir ein anderes, du weißt, dass ich das kann. Bloß dieses hier will ich wieder.“ – „Vergiss es Baldo, ich kann keinen weiteren Monat mehr warten. Der Pilot hat bereits Kontakt mit mir aufgenommen und will noch vor Ende der Woche aufbrechen. Es tut mir leid.“
Das stimmte nicht, soviel war sicher. Erstens tat es Teddy nicht leid (so war er, dem tat nichts leid) und zweitens würde der Pilot wohl in nächster Zeit nirgendwohin aufbrechen.
Baldo stapelte Türme aus Walnussschalen, die ständig umfielen, und wunderte sich. Seltsamerweise hielt niemand Teddy für den untragbaren Menschen, der er Baldos Meinung nach war und das ärgerte ihn gewaltig. Gegen vier Uhr morgens versuchten Nussschalenschildkröten gigantische Nussschalenberge zu erklimmen und Meller dachte nicht daran, zur Ruhe zu kommen. Baldo hatte trotz der Müdigkeit, die ihm langsam zu Kopf stieg, Pläne ersonnen, um Teddy das kleine Ding wieder abzuknöpfen. Vier Stück Pläne. Zwei davon waren einfach schlecht und würden nie und nimmer funktionieren. Einer war brilliant, doch Baldo ein vorsichtiger Mensch. Etwas, das blinkt und blendet, muss nicht unbedingt auch brilliant sein, ein Prinzip, an das Baldo glaubte. Leider, denn diesmal täuschte er sich und der Plan hätte ihm wahrscheinlich das Schlimmste erspart. Der vierte Plan, der letzte, zu dessen Ausformulierung er sich trotz der Äuglein, die nicht mehr wollten, sogar einige Skizzen gemacht hatte, scheiterte, wie so oft, am Zeppelin. Baldo hatte das alles so satt. Insbesondere den Zeppelin. Zeppelin und Meller, zwei, die er hasste. Und Teddy, den auch, also drei. Ein silberfarbener Schellenwecker zeigte fünf Uhr dreißig und Baldo überlegte, ob es nicht ein Fehler gewesen war, den Piloten einzuweihen. […]

Forstsetzung folgt …

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