In Paradisum Austriam

und sonstiges Belangloses

Um den 17. Finanzminister der stolzen Zweiten Republik zu zitieren: Es reicht. Es muss einmal ausgiebig über die Welt gesudert werden, am besten am Stammtisch in der Roxy-Bar. Und weil Sudern gemeinhin dem DieDerDas österreichischen StaatsbürgerInNen als wesentliche und nicht uncharmante Eigenart zugeschrieben wird, wollen wir uns dabei auch jenem Thema widmen, welches als Einziges beim Sudern tabu bleibt – Österreich.

Eines vorweg – wahrscheinlich schaue ich zu viel fern. Ich kann jedenfalls nicht garantieren, ob und von wem ich hier abschreibe. Das Folgende entspricht meinem bescheidenen Wissensstand, man könnte vielleicht auch sagen, es sei meine Meinung. All jenen, die mich aufgrund meiner Äußerungen für eineN linken nichtsnutzigen WeltverbessererErin halten, sowie denen, die sich beleidigt fühlen, sei gesagt: Geht’s scheißen.

Klimaschutz ist in aller Munde – bloß tut keiner was. Wurde das Ökostromgesetz schon geändert?
Die Abhängigkeit von ausländischem Erdöl und -gas wird ausgiebig beklagt. Gleichzeitig steigen Ölpreis und Schadstoffemissionen, was tut man? Man baut eine neue Pipeline, anstatt die leidige Wirtschaftskrise dazu zu nutzen, Alternativen zu entwickeln und neue, effiziente Systeme der Energiegewinnung zu etablieren; beliebtes Stichwort unter gut angezogenen Grünen und anderen Besserwissern: Nachhaltigkeit. Man muss ja nicht gleich der Utopie dieser „Umwelt!“-Schreier verfallen und aller fossilen Energie abschwören – aber wenigstens ein Versuch, langfristig das Budget und die Umwelt zu schonen, wäre angebracht. Der kaum erkennbare politische Wille lässt aber deutlich auf das Gewicht der bösen Lobbys bzw. ehemals staatsnaher Energiekonzerne schließen. Letztere sind nämlich ja geradezu dem Gesetz des Marktes entsprechend dazu verpflichtet, ihren Gewinn von Jahr zu Jahr zu steigern – unter einer Milliarde geht sowieso nix, das verärgert die Investoren. Und leider ist es auch nicht mehr so einfach, eine Ölförderanlage im südamerikanischen Dschungel zu errichten und billig schwarzes Gold zu schürfen, dass die Pipeline kracht.

Nun zur unausweichlichen, alles beherrschenden Wirtschaftskrise – sie ist das Produkt eines Systems, in dem es zugeht wie in einem Bienenstock; überall summen und werken so genannte Finanzdienstleister, das sind sozusagen Arbeiterbienen, nur eigennütziger und weniger fleißig.
In den letzten Jahren wurde es modern, im beständigen Streben nach Vermehrung – diesmal weniger sexueller Art – sein Geld in Fonds, Anleihen und Zertifikate zu stecken; so glaubte man; und ebenso war man dazu angehalten, um nicht von allen anderen belächelt und für verrückt erklärt zu werden, über Gewinngarantien und Kapitalanlagen zu debattieren („Was?! Du musst doch dein Geld vernünftig anlegen!!!“; „Also mein Berater bei der Invest-Management AG hat g’sagt …“). Heute sind aufgrund der aktuellen Entwicklung im Finanzwesen konservative Sparformen bei uns in. Einige haben freilich einiges an Geld verloren – bei uns kleinen Leuten ist dergleichen ja noch vergleichsweise harmlos; wen kümmern schon die rund 4.500 Angeschmierten, die ihr Geld an AWD verschenkt haben; oder all die anderen, die dem Herrn Generaldirektor den Dienstwagen aus Bayern finanziert haben und selber einen Nissan-SUV geleast haben? Wenn man nicht selbst betroffen ist, ist einem so etwas wurscht – gelinde gesagt.

Aber von Beginn an. Eine Zeit lang hat man Geld verdient, indem man Kredite sozusagen in Saufutter verwandelt hat, mittels welchem sich der rechtschaffene amerikanische Bürger ein Häusel angeeignet und die Kredite und Anschlusskredite damit gedeckt hat – ist schließlich viel wert, und wird ständig wertvoller, so ein Haus. Wie sich herausstellt, kann man Kredite verkaufen und damit Kohle machen. Leider waren die Häuseln gar nicht so wertvoll – kein Wunder, sind ja alles Holzhütteln, die beim kleinsten Windhauch (oder Flugzeug …) schon umfallen. Diese Bretterhaufen sind also plötzlich völlig wertlos, und dann kann’s schon mal passieren, dass ein Kredit nicht mehr bezahlbar ist – wir kennen die Fortsetzung: Traditionsreiche Banken können nix mehr zahlen und schreiben Milliardenverluste. Milliarden! Gut, dass es die Notenbanken gibt, die Knödel lockermachen, und vor allem den Staat, der zwar zahlend und garantierend beistehen darf, aber nicht mitreden. Das wäre ja noch schöner – der Markt reguliert sich schließlich selbst, und der Steuerzahler, welcher die Staatsmänner per Wahlurne eingesetzt hat und letztlich diese Unternehmungen mitfinanziert, ist sowieso viel zu unmündig. Wer braucht öffentliches Interesse, wenn es die Privatwirtschaft gibt? Oh, aber die Privatwirtschaft brauchen wir für den vielzitierten Wettbewerb, welcher jedemR aufrecht gehenden Lebewesen aufgedrängt wird und darüber hinaus die Ausbeutung von Arbeitskräften (= „Menschen“) rechtfertigt; und uns billige Milch beschert.
Jetzt geht’s also dahin. Die aufgeplatzte Blase schleudert den Virus in der Fasson einer Pandorabüchse in alle Ecken der Welt. Infiziert, wie man dieser Tage gerne sagt, werden etliche Finanzinstitute, und schließlich, es muss so kommen, erwischt es die so genannte Realwirtschaft. Die Banken rücken nämlich aus gegenseitigem Misstrauen keine Kröten mehr raus – der nette Manager vom Geldhause gegenüber, mit dem man abends zusammen ’ne Line oder um die Häuser zieht, könnte faule Kredite gekauft haben. Erstaunlich, aber da dürfte eine Art Hausverstand eingesetzt haben. Bauwirtschaft, Konsum, Exporte, alles bricht ein. Das adrette Gesäusel der ARD-NachrichtensprechendInnen und das Blabla ungehörter Experten nivellieren die zum Himmel schreienden Ungerechtigkeiten, die uns durch die ständige Wiederholung allmählich anöden; schon lange sind uns ja auch die verlausten Kinder mit den Hungerbäuchen in der ehemals dritten Welt wurscht. Interessant wird es wieder ab dem Zeitpunkt, da es die Automobilindustrie herbeutelt. Wenn die Sache nicht so traurig wäre und man nicht beständig betrübt das Haupt schütteln müsste, wäre es eigentlich zum Lachen. Aber es ist zum Jammern. Mit einem Mal stellt man fest, dass die Leute keine neuen und schon gar keine spritfressenden Autos mehr kaufen, sondern lieber die alte Karre pflegen (tatsächlich reiben sich Automechaniker angesichts des blühenden Geschäfts die öligen Hände) – aber da war es schon zu spät. Weil DAMIT wirklich niemand gerechnet hatte – ist ja auch völlig irrational, auf ein brandneues Auto mit 200 PS und männlichem 11,5l Verbrauch pro 100km zu verzichten –, waren auf der Automesse in Detroit Anfang des Jahres auch nur traurige Autohersteller vertreten. Nur ein gewisser Hr. Wiedeking freute sich wie eine Elster – Porsche wird’s immer geben.
Zum Glück gibt’s Leute wie die Merkel, welche dank neoliberaler Gesinnung immer zuerst an das Wohl der Wirtschaft denkt. Die Leute sollen gefälligst das tun, wofür sie da sind – konsumieren.
Daher führt man die Abwrackprämie ein, über die sich am meisten wahrscheinlich die Japaner freuen, pro Kind gibt’s einen 100er; unsinnigerweise erhöht man auch die Lkw-Maut – ein Impuls für den wichtigen Wettbewerb: Kleine Unternehmen gehen unter, große bleiben. Und es gibt ja noch die Bahn (ohne Kommentar …)! Die hiesige Edition von Laurel & Hardy, begierig, möglichst viel Geld hinauszuschmeißen, weil sie noch nicht genug Geld für Regenschirmhalter und Photoshop-Tutorials ausgegeben haben, packen die Gelegenheit beim Schlawittel und führen ebenfalls eine Schrottprämie ein; der Mist wird auch noch im Fernsehen beworben. Immerhin, in Deutschland greift die Maßnahme offenbar. Schließlich braucht man Autos und viele Straßen – weil, der öffentliche Nahverkehr bringt’s ja nicht wirklich, wenn nicht ausgebaut und unleistbar.

Um das Land mit möglichst vielen Asphaltfleckerlteppichen zu übersäen, gibt’s in Österreich die Asfinag. Die hatte zuletzt um die 10 Mrd (abermals: Milliarden!) EUR Schulden, was man auf schlechtes Wirtschaften zurückführen könnte. Ist aber eh wurscht, weil die Vorstände beim nächsten Regierungswechsel sowieso wieder abgesetzt werden; den armen geschassten Würschteln gewährt man eine fette Abfertigung – Vertrag ist Vertrag (dies gilt übrigens nicht – oder doch, aber pssst – für die Eurofighter, über die auch keiner mehr redet – warum hat der Zivi mit der geschmacklosen Brille noch immer einen Ministerposten?).
Wenn wir schon bei Staatsnahen sind (nein, jetzt kommt nicht die Kirche dran): Mein Herz blutet ja angesichts des Verkaufs unserer traditionsreichen rot-weiß-roten Airline. Österreich, mit einer stolzen, bunt durcheinandergekauften Flotte im internationalen Flugverkehr, das war unsere tapfere AUA. Jetzt gibt’s nur noch den Niki Lauda (alles Gute zum 60er, Niki). Als ob das Versagen des Herrn Ö. u.v.a.m. nicht schon peinlich genug wäre, stopft man das klaffende Loch mit 500 Mio EUR (gehören dem Staat) und schmeißt Ö. unverschämterweise noch eine Abfertigung nach – siehe Asfinag.
Wenigstens hat man sich jetzt endlich eines anderen Fasses ohne Boden, nämlich der Krankenkassen erbarmt. Da traue ich mir wenig zu sagen, außer: warum erst jetzt? Warum hat man das System nicht schon längst modern und effizient gestaltet? Sagt einem nicht schon der gesunde Menschenverstand (der Terminus „Hausverstand“ wird ja derzeit von einem gut gehenden Nahversorgungskonzern missbraucht), dass Prophylaxe billiger kommt als Behandlung? Warum darf man bei Wahlkampfveranstaltungen noch immer Freibier an unterentwickelte Provinzburschen ausschenken?
Wann begreift man, dass Österreich, ja Europa! deshalb von Negern, Spinnern und Tschuschen überlaufen wird, weil diese nichts zum Beißen haben, obwohl die Wirtschaftsleistung der Welt ausreichen müsste, um jedem Erdenbürger ein artgerechtes (sozusagen „Bio-“) Leben zu ermöglichen (am Ende könnte man mit derlei auch noch Geld verdienen). Oder sie haben Krieg und/oder Korruption am Hals, was selbsterklärend immer mit Reichtum und Macht zusammenhängt – und wo fällt die Rekrutierung für den Kampf gegen das Böse auf fruchtbaren Boden, wenn nicht in den kargen Minenfeldern Afghanistans? Wann hört man auf, die Marktpreise für Rohstoffe und Nahrungsmittel zu ruinieren, sodass ganze Nationen ihrer Existenzgrundlage beraubt werden? Wann denkt man zur Abwechslung einmal an andere? Warum beträgt die Lebenserwartung in Simbabwe nur etwa 30 Jahre? Wieso denkt der so genannte zivilisierte Mensch in Quartalen statt in Generationen? Warum reden alle von Veränderung, aber keiner tut was? Ist das die Welt des 21. Jahrhunderts?
Die Lösung des Problems ist klar – wir brauchen mehr Science Fiction!

Okay, der Schluss ist schwach.
Dann eben: Lernen Sie Geschichte!

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