Magie zum Kubik

MengeWas ein 2 × 2 × 2 Meter großer Ausschnitt der Wirklichkeit im sechsten Hieb mit dem Opernball, Punschkrapferl und Sachertorte zu tun hat – und warum es sich manchmal rechnet, es mit mathematischen Gleichungen nicht allzu genau zu nehmen.

Wäre es eine hochkomplexe mathematische Gleichung, wäre wohl nicht mal Manu überrascht, dass nicht das rausgekommen ist, was man davon erwarten hätte können – nämlich Nichts oder nicht viel, wie das bei verrückten Ideen eben manchmal so ist. So ist der gelernte Ethnologe es aber doch auch ein wenig: Denn die Formel lautet nur 43 – und dennoch ist das wohl schrägste Theater Wiens rausgekommen, was ja nicht Nichts ist.

Seit Februar veranstalten das Team des Vereins „Hausbank“, im Kern bestehend aus Manuel Schmaranzer, Susanne Maier und Bibi Lukitsch, im Büro befreundeter Architekten in Wien-Mariahilf das 4 Kubik-Theater: Zu diesem Zweck schieben sie einmal im Monat Reißbrett und Zirkel beiseite, um eine 2 × 2 × 2 Meter große Theaterbühne hervorzuräumen – womit das „4 Kubik“ streng genommen in die nächsthöhere Kategorie der „8 Kubik-Theater“ fiele, doch so genau nimmt es hier kaum eineR. Man konzentriert sich lieber auf die Bretter, die zwar nicht die Welt bedeuten mögen, aber immerhin einen 4 (bzw. 8) Kubikmeter großen Ausschnitt derselben. Dieser jedoch wird in aller bisherigen Regel auf derart charmante Art und Weise inszeniert – bisweilen auch: improvisiert –, dass man nach der Vorstellung gerne was ins aufgestellte „Gagentelefon“ wirft, um die meist sehr kurzfristig für den Abend engagierten KünstlerInnen zumindest für ihren Aufwand zu entschädigen.4 Der Eintritt ist nämlich „frei, aber nicht umsonst“. Schließlich ist es nichts weniger als Magie, die hier zu entstehen pflegt – oder besser gesagt passiert, aber eben mit schöner Regelmäßigkeit. Bühne und Zuschauerraum sind kaum mehr als symbolisch voneinander getrennt, PerformerInnen und Publikum sind einander zu nah, um nicht aneinander zu knistern oder sich zumindest gelegentlich auf die Zehen zu steigen. Die Idee ist verrückt genug, um gerade deshalb schon wieder zu funktionieren. Und die Bandbreite dessen, was die Hausbank regelmäßig aus dem Hut zaubert, reicht von „Clowneskem über dramatische Intermezzi und Musik für den spezielleren Geschmack zu literarischen Kostbarkeiten – oder der Kombination aus alledem“, ergänzt durch „Susi’s Café“, das das Publikum mit Punschkrapferl, Bier und türkischem Kaffee versorgt. So erhält „betörend und verstörend Neues“ eine Bühne: Zuletzt interpretierte etwa die Kabarettistin Susanne Pöchhacker einen Ratgeber für gutes Benehmen von Opernball-„Lady“ Desiré Treichl-Stürgkh – „Erfolg mit Stil“ – auf ihre Art, worauf eine Lesung aus dem Prosawerk „Was sie im Norden der Insel als Mond anbeten, kommt bei uns hier im Süden in die Sachertorte“ von Johannes Witek folgte – kongenial arrangiert in Kombination mit Sitar und Kontrabass. Solche Dinge passieren hier aber eher – Magie eben, die ja auch nicht Nichts ist.

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