Manchmal genügt es, sich zu wiederholen, um etwas ganz anderes zu sagen

Albert Sànchez Piñol – Die Zweite

Pandora im Kongo Anfang Juli dieses Jahres erschien der zweite Roman des Katalanischen Autors, dem bereits in der letzten Ausgabe viele Zeichen gewidmet waren. „Pandora im Kongo“ ist auf den ersten Blick ein eigenartiges Buch, vor allem für diejenigen, die „Im Rausch der Stille“ in einer Nacht ver­schlungen haben. Beim Lesen des neuen Werks hält man schon nach kurzer Zeit inne, fragt sich, ob es sich denn nicht, schon wegen des Anstands, geziemen würde, mit einem neuen Buch auch eine neue Geschichte zu erfinden. Doch die Parallelen zu Piñols erstem Werk sind so offensichtlich, so unverschämt zahlreich, dass bloße Unorginalität des Rätsels Lösung wohl nicht sein kann.
Der junge Schriftsteller Thomas Thomson verdient sich seinen Unterhalt als „literarischer Neger“ (ich bitte den Ausdruck an dieser Stelle zu entschuldigen, doch in England war dies zu Beginn des letzten Jahrhunderts tatsächlich eine, wohl inoffizielle, Berufsbezeichnung). Thomas schreibt schlechte Auftragsgeschichten für wenig Geld, Groschenromane, die immer nach demselben Prinzip funktionieren, bis eine neue Aufgabe den Enthusiasmus des jungen Geschichtenerzählers hervorruft. Ein Strafverteidiger heuert ihn an, die Erlebnisse seines des Mordes beschuldigten Mandanten niederzuschreiben. Das bewegte Leben des Zigeuners Marcus Garvey nahm seine wohl tragischste Wendung im Kongo, den Piñol diesmal zum Schauplatz seiner unheimlichen und unglaublichen Begebenheiten erklärt. Plötzlich findet man sich in einer vertrauten Erzählung wieder und man grübelt.
Was Piñol im ersten Roman angedeutet hat, breitet er hier auf den Schlachtfeldern des Ersten Weltkriegs aus und im undurchdringlichen Baumgeflecht des Kongos.

Der Weg der durch Überlegenheitswahn und Gier angetriebenen Abenteurergesellschaft zieht sich wie eine Wunde durch das unbekannte Terrain. Die Liebe findet sich dort, wo man sie am wenigsten vermuten würde, diesmal unter der Erde, doch diese Geschichte kennt man schon, denkt man. Piñol spielt mit dem Leser, verkauft subtil das Offensichtliche. Wenn man endlich merkt, was er sonst noch erzählen mag, ist man ihm schon auf den Leim gegangen. Worum also geht’s in „Pandora im Kongo“? Vielleicht um das Lesen selbst und unser Bedürfnis nach großen Geschichten.

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