Parkwächter Harlekin – Liebe (Problembär 2010)

parkwächterHipHop?

Der Soundtrack meiner frühen Jugend hat fast ausschließlich aus HipHop bestanden. Auch heute noch hör ich beispielsweise Lootpack, den frühen Busta Rhymes und die erste Eins Zwo-EP sehr gern. Das kam alles zwischen 1996 und 1999 raus. Vielleicht bilde ich mir das auch nur ein, aber retrospektiv würde ich sagen: Danach war erst mal die Luft raus, aus dem HipHop. Plötzlich konnte man mit dieser Spielart, die bis dahin zumindest teilweise als innovativ eingestuft werden mußte, sehr, sehr viel Geld machen, und das hat genau die auf den Plan gerufen, die es eigentlich nicht gebraucht hätte.

Freilich kann man das so pauschal nicht sagen und ja: ich bin schon ein gutes Zeiterl raus aus dieser Szene, aber ganz falsch werd ich damit auch nicht liegen. In der Zwischenzeit haben immerhin die Kinderzimmer Productions die Fackel des deutschsprachigen Hip-Hop durch die Nuller-Jahre getragen. Die haben aber bekanntlich den Laden dicht gemacht. Und jetzt? Jetzt gibt es Parkwächter Harlekin!

Er macht das schon eine ganze Weile. Das erste Album mit dem schönen Titel „Yoghurt“ ist von 2002. Da war er 19, und wenn man das heute hört, weiß man auch, warum er 8 Jahre lang von der HipHop-Szene ignoriert worden ist: zu advanced. Experimentierfreudiger, behirnter und aufrichtiger HipHop ist zwar nicht per se neu, aber in Österreich hat sich meines Wissens noch keiner so weit vorgewagt. Nein, auch nicht annäherungsweise. Herr Lenes hat sich in der Zwischenzeit mit anderen Leidensgenossen sporadisch zu den „4 lustigen 3“ formiert und hat dann 2009 das zweite Soloalbum „To meet friend chicken“ auf seine Homepage (www.bornabirdinstead.net) gestellt. Und jetzt liegt mit „Liebe“ also endlich das erste reguläre Album vor, und es ist alles, wirklich alles, nur keine „schmierige Schmuse-Schmatze“ – auch dann nicht, wenn er über die Liebe zu seiner kleinen Tochter singt. Es finden sich aneinandergereihte Wortkreationen allererster Güteklasse eingeflochten in oft sehr gewagte Klangstrukturen, die den Rahmen, der bisher HipHop umrissen hat, um ein vielfaches sprengen. Das hält ihn aber nicht davon ab, mit „Exil“ einen waschechten Indie-Hit zu kredenzen, der sich trotz seiner Radiotauglichkeit keinen Millimeter verbiegen muß. „Wir bitten Sie um die Verwendung von Verben, die aufgrund ihrer üblicheren nominalen Form aus dem Sprachgebrauch herausdriften. Zum Beispiel: polizieren.“ Nein, keine Kabinenparty.

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