Raumkapitän Sed‘s Logbuch

Der mysteriöse Nebel (Teil 7)

Raumkapitän Sed befindet sich mit seinem schnellen Sternenkreuzer Echo in den unendlichen Weiten und Längen von Zeit und Raum auf der Suche nach Swesda Klubniku, einem – der Überlieferung nach – paradiesischen Planeten. Wir erinnern uns: Die Erde wurde durch einen hinterlistigen Schlag des düsteren Lord Zozwo unbewohnbar. Nur ein kleiner Teil der Menschheit konnte sich auf Raumarchen in Sicherheit bringen. Sed und seine Crew wurden ausgeschickt, um ein neues Zuhause für die Überlebenden zu finden. In der letzten Folge überschlugen sich einmal mehr die Ereignisse: Die Echo entkommt in letzter Sekunde dem schwarzen Wirbel von Golgomoth und entdeckt im Schatten desselben einen merkwürdigen Sternennebel, während auf Noah 5, der Arche, auf welcher sich Seds hochschwangere Verlobte Aptica befindet, eine Meuterei im Gange ist.

„Ziemlich dicht, was?“, knurrt Grep und schraubt an einem Oszilloskop. Sed starrt stumm durch die Scheibe der Steuerkanzel in den fluoreszierenden Nebel, der sich vor ihrem Schiff ausbreitet. Schließlich macht er eine lässige Handbewegung in Richtung des Sensorscreens und sagt: „Schon, aber nur hinsichtlich der Optik. Irgendetwas passt hier nicht. Wie kann etwas von derart geringer physikalischer Dichte so viel Licht emittieren?“
„Ich verstehe nicht viel von diesen Dingen, bin ja nur ein Navigator, aber wie kommst du darauf, dass es dieser Nebel ist, der das Licht aussendet? Kann nicht dahinter irgendetwas Leuchtendes sein und das Licht bricht sich nur am Sternenstaub, oder so ähnlich?“, fragt Grep.
Der Astro-Kapitän wiegt seinen Kopf bedächtig zwischen den hoch dekorierten Schultern, schiebt die Unterlippe zweimal vor und zurück. Dann geht ein Ruck durch seinen Körper und die Augen beginnen mit der Kraft der Entschlossenheit zu leuchten, welche ihm in vielen gefährlichen Missionen das uneingeschränkte Vertrauen seines Teams eingebracht hatte. „Es gibt nur einen Weg es herauszufinden. Die ganze Besatzung an die Geräte, sofort! Wir fliegen da hinein!“
Wenige Augenblicke später ist die kleine Crew vollzählig und hantiert emsig an den unzähligen Konsolen, Hebeln, Schaltern und Rädchen, die sich im Cockpit der Echo befinden. Cat, der linke Arm der Maschinistin ist nach ihrem kleinen Unfall auf Yogda noch immer bandagiert, gibt schließlich das letzte OK und Sed setzt den Metagravitationsantrieb auf 3,5 Kubiksekundenmeter. Langsam setzt sich der Kreuzer in Bewegung und taucht in die Nebelwand ein, welche sich – gleich einem Vorhang – hinter ihm schließt.

Vorsichtig richtet sich Aptica in ihrer Schlafkoje auf. Es ist ruhig, die peruanischen Zwillinge, mit denen sie das kleine Zimmer teilt, schlafen noch. Auch von den Gängen hört man nur mehr gelegentlich das sanfte Schnaufen der hydraulischen Schleusen. Sie würde gern wissen, wer nun das Kommando über die Noah 5 hat. Aber in ihrem Zustand wäre es unvernünftig, die sichere Kabine zu verlassen, und im Bordticker gab es auch keine Nachrichten mehr, seitdem die Unruhen auf dem Schiff begannen. Wäre nur Sed bei ihr. Schon seit vier Tagen gab es keinen Kontakt mehr zur Echo. Auch wenn Aptica spürt, dass ihr Geliebter wohlauf ist, würde sie gern seine Stimme hören. In dieser ewigen Nacht des Alls schmerzt die Einsamkeit noch mehr.

Staunen macht sich in den Gesichtern der Echo-Crew breit. Sogar Sed, der schon so manches gesehen hat, braucht eine Sekunde, bis er die Szenerie, die sich ihnen plötzlich auftut, realisieren kann. Bei dem vermeintlichen Nebel handelt es sich, wie es nun offenkundig wird, vielmehr um eine gigantische Blase, in deren Innerem ein eigenes Planetensystem versteckt ist. „Wo kommt das denn alles her?“, murmelt Moc, der Raumschiffsjunge. „Das war schon alles hier – wahrscheinlich – nur unsere Geräte haben das alles nicht erkannt“, schlaumeiert Grep, der als Einziger noch immer durch die Scheibe stiert, während der Rest der Besatzung bereits versucht einen Schluss aus den verrückt spielenden Armaturen zu ziehen.
„Jetzt wird es interessant“, meint Sed schließlich, „wir versuchen auf einem der kleinen Zwillingsmonde zu landen“ und deutet in Richtung des nächstgelegenen Planeten.
Grep, inzwischen wieder an seinem Steuerpult, schüttelt den Kopf, schraubt nach einem für Uneingeweihte nicht ersichtlichen System an der Unzahl von Reglern und Schaltern, die sein Schaltbrett überziehen, und diagnostiziert gedankenverloren: „Da gibt es keinen Planeten und keine zwei Monde. Keine Gravitation messbar. Egal welche Wellen ich losschicke, da wird nichts reflektiert …“
Sed, der mehr seinen durch viele Abenteuer geschärften Sinnen als der Technik traut, wendet ein: „Und wieso können wir dann alle sehen, dass da etwas ist?“
„Vielleicht ist es nur eine Halluzination, eine Projektion in unseren Hirnen?“
„Dann dürftest du, lieber Grep, all dies nicht wahrnehmen. Wie soll man in einen leeren Raum etwas projezieren?“, wirft Cat schnippisch ein.
„Jetzt ist nicht die Zeit für solche Kindereien. Wir landen da und sehen uns das aus der Nähe an!“, beendet Sed entschlossen die Diskussion.
Wenige Minuten später hat die Echo die paar Lichtsekunden zurückgelegt und geht in den Anflug. Wegen den ungewöhnlichen Bedingungen übernimmt Sed diesmal das Landemanöver persönlich. Weich setzt das Schiff auf und der Kapitän gibt ein aufmunterndes „Na, wer sagt’s denn“ von sich, während er bereits seinen Ionenrevolver aufladet und die Handschuhe seines Raumanzugs hervorkramt. Auch Cat und Moc machen sich für einen Ausstieg bereit, doch Sed appeliert vorsichtig zu sein: „Solange wir nicht wissen, wo und auf was wir sind, verlässt niemand außer mir das Schiff!“
„Aber Käpt’n, wenn Sie nicht zurückkommen, sind wir ja auch verloren, da können wir doch gleich mitgehen“, versucht der abenteuerlustige Moc ihn umzustimmen.
„Ich bin noch immer zurückgekommen!“, lacht Sed und öffnet die Luke zur Luftschleuse, um die Tasche mit seiner Überlebensausrüstung hinauszuwuchten. Mitten in der Bewegung erstarrt er plötzlich und stammelt: „Kommt schnell, da ist etwas in der Schleuse.“

_Wird Sed seine Fassung sogleich wiederfinden? Welche Überraschung wartet auf unsere tapfere Crew? Wird der verschollen geglaubte Bordkoch Dmitri wieder auftauchen? Welches Schicksal erwartet Aptica und wird sie ihren Sed jemalswieder sehen? Auf welche finstere Machenschaften von Zozwo müssen wir als nächstes gefasst sein?
Die Antwort auf diese und viele andere spannende Fragen vielleicht schon in der Nächsten Folge „Sternenschatten ohne Licht“._

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