Reime vor dem Sturm

Abendland statt Hausverstand. Hatz-Doktrin statt Muezzin. Drei Bier trinken geh’n statt Türkisch versteh’n. Soziale Wärme statt Luft im Gedärme. Tatü, tata, Finanzmafjá. Reime sind total in – ich glaub’, ich spinn’.

Die auffälligsten Reime sind zur Zeit natürlich die des „Baba und fall net“-Plakatfeldzugs der AUWA (Austriakische Unfug-Wersifizierungs-Anstalt). Deren Stilmittel ist klar: Auf die Nase gefallene Reime sollen dem Passanten Angst vor demselben Schicksal machen. „Ist die Leiter nicht intakt, es dich auf den Buckel prackt.“ „Pracken“ findet man nicht einmal im Österreichischen Wörterbuch. „Sind die Blicke abgelenkt, stürzt man schneller, als man denkt.“ Ich weiß zwar nicht, wie langsam manche Leute vielleicht denken, aber daß die Fallgeschwindigkeit eines Hans-guck-in-die-Luft die Gedankenschnelle noch übertreffen soll, scheint mir doch eine kühne Behauptung. „Ist das Loch im Boden offen, kann man nur auf Wunder hoffen.“ Hoffentlich hört das der Erzbischof nicht, sonst besteht demnächst der Boden im Stephansdom nur noch aus Löchern, damit die Gläubigen hoffen lernen. Und dann gar: „Hoch hinaus kommst du mitnichten, willst auf Leitern du verzichten?“ Das Gegenteil ist richtig: Hoch hinaus kommst du mit Neffen, die öfters wen in Brüssel treffen. „Wenn das Gerüst nicht sicher steht, hilft nur noch ein Stoßgebet?“ So ein Gerüst aus Reimen – bricht’s, hilft selbst ein Stoß Gebete nichts.

Der Polit-Reimer der Nation – gemeint ist nicht Wolferl Martini (das heißt, wer weiß? Vielleicht hat der die Wahlplakate gedichtet, gegen viel Geld natürlich) – hat sich vor allem den einen AUWA-Reim zu Herzen genommen, der ursprünglich für Lastwagenfahrer gedacht war, nicht für braungebrannte Zahntechniker: „Springt man aus dem Führerhaus, geht die Gschicht oft böse aus.“ Er hat ihn beim Gebisse reparieren weitergedacht und à la Stille Post immer wieder ein bißchen verändert, bis rauskam: „Sitzt du auf dem Führer-Stand, sieht deinen A…. das Vaterland.“ Da hatte er seinen Lieblingsreim gefunden und brauchte zur Illustration nur noch ein Holzkreuz. (Es blieb auch sein bester – je weniger man dem zustimmt, was man da reimt, desto weniger glatt werden die Reime bekanntlich, siehe oben… und der mit der Mafia – zweisilbig und endbetont – ist ja wohl unter aller Sau.)
Kürzlich bin ich ja aus Versehen in eine seiner Last-Minute-Wahlkundgebungen reingestolpert. Oh jemine. Willst du erhob’ne Rechte seh’n, dann mußt du zum Dentisten geh’n. Es waren aber schon auch Leute dort, die hatten die Hände nicht erhoben, nur die Stimmen. Die haben einen Reim gesungen, da ging es um Bazis, oder sowas Ähnliches. Leider waren die Lautsprecher so laut, daß man den Reim nicht ganz verstehen konnte. „Bazis verdrängen – S…che h…en!“ Hören? Halten? Heißen? Heilen, holen? Hassen, oder gar hauen? Ich komm’ echt nicht drauf.

P.S.: Ach ja – das wahre Festival der schlechten Reime gibt’s hier.

Kommentare

Die Fallgeschwindigkeit

Die Fallgeschwindigkeit eines Sturzes einer menschlichen Person erreicht je nach Körperteil und Fallkonfiguration etwa 2-4 m/s. (Und ich freu mich, dass meine Diplomarbeit endlich einen Sinn bekommt ;-)

Nervenreizleitung ist da meist schon ein bisschen schneller (bis zu 150 m/s), aber man kann halt auch lange Nachdenken. Und meistens denkt man glaub ich länger über etwas nach, als ein Sturz an Zeit benötigt. (Außer es ist ein Sturz aus großer Höhe, aber das würde jetzt zu weit - oder zu hoch - führen).

Neuen Kommentar schreiben

Plain text

  • Keine HTML-Tags erlaubt.
  • Internet- und E-Mail-Adressen werden automatisch umgewandelt.
  • HTML - Zeilenumbrüche und Absätze werden automatisch erzeugt.
By submitting this form, you accept the Mollom privacy policy.