Schlechte Autobahnen

HC Strache erklärte mit sarkastischem Unterton vor gut einem Jahr in der ORF-Pressestunde, was alles schlecht an der Zeit des Nationalsozialismus gewesen ist: „Der Erste Mai, die Kirchensteuer, VW-Produktion, Autobahnbauten, das war alles entsetzlich.“

Bezüglich VW-Produktion und Autobahnen hat er zumindest nicht unrecht, wenn er schlechte Leistung meint: Unter der Naziherrschaft konnte sich VW lediglich mit Rüstungsaufträgen am wirtschaftlichen Leben erhalten, und das 12,5 km lange Stück Autobähnchen in der „Ostmark“ vom Walserberg bis Eugendorf bzw. die vernachlässigbare Tauern-„Autobahn“ vom jetzigen Autobahndreieck Salzburg bis zur Ausfahrt Salzburg-Süd bezeugen nicht gerade von großem Erfolg. Dessen ungeachtet wissen wir natürlich um die Intention, die hinter der obigen Bemerkung steckt. Die Fragestellung, mit der man schneller am Glatteis landet als gedacht, lautet: War denn wirklich alles schlecht am Nationalsozialismus, und zwar im moralischen Sinne? Bevor ich ausrutsche: Ja, und zwar ausnahmslos – denn ein verwerflicher Zweck diabolisiert die Mittel. In einem totalitären System, wo alles einem sozialdarwinistischen Ziel untergeordnet war, können die systemimmanenten Mittel nicht gutgeheißen werden – auch wenn einzelne Bestandteile des Systems für die heutige Zeit nützliche (gute??) Auswirkungen haben sollten (dabei reicht allerdings die Palette von medizinischen Erkenntnissen aus bestialischen Humanexperimenten bis hin zu den wohl vergleichsweise harmlosen Autobahnen). Eine andere Frage stellt aber nun folgende in rhetorischer Weise dar: War bei uns während der Zeit des Nationalsozialismus alles schlecht? Wenn ja, wären auch Widerstandsbewegungen schlecht gewesen. Und man kann wohl schwerlich einem Edelweiß etwas vorwerfen, das während der Nazizeit sein Dasein fristete. Ungeachtet der vermeintlichen Polemik dahinter geht es jedoch bei der Frage, was „am Nationalsozialismus“ gut war (FPÖ-Abgeordneter Zanger: „Natürlich hat es gute Seiten am Nationalsozialismus gegeben“), um das System selbst. Am Nationalsozialismus kann, ausgestattet mit einem Mindestmaß an Menschlichkeit, nichts Gutes gefunden werden. Anzumerken ist, dass es in dieser Diskussion vor allem auf eine verständlicherweise tief liegende Sensibilitätslatte ankommt (die möglicherweise auch d.Verf. überspringt?). Wer demnach „am“ sagt, aber „während der Zeit“ meint: Selbst schuld, kein Mitleid. Wer „während der Zeit“ sagt, und auch „während der Zeit“ meint, der begibt sich zumindest in Gefahr, aus Gründen mangelnder Sensibilität Kritik zu ernten. Wer jedoch allen Ernstes „am“ sagt und auch „am Nationalsozialismus“ meint, dem sei nur eins empfohlen: Geschichte lernen und schamvoll Buße tun.

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