Screena – Screena (LiMuPic Records)

Was haben wir denn hier? Eine kleine silberne Scheibe. Ein Deko-Artikel? Riesenohrringe für Krocha-Ladys? Nein! Ein kleiner Silberling, dessen Bestimmung es scheinbar ist, in ein passendes Gegenstück gelegt zu werden. Was könnte dies nur sein? Ich habe eine Idee, mein Computer hat irgendwo so ein Ding, das bei Knopfdruck ausfährt. Normalerweise verwende ich vorher Genanntes dazu, mein Kaffeehäferl abzustellen – echt praktisch so ein Teil. Nun versuch ich es aber doch und leg die Scheibe dort hinein. Ich drück mal auf den Knopf, der mir vorhin schon zum Ausfahren meines Häferlabstellers behilflich war. Nichts passiert. Mhm. Spielt vielleicht die Lage des Dings eine Rolle. Noch mal von vorne: Ausfahren, Scheibe umdrehen, einfahren und schon tut sich was. Mein Computer fragt mich, ob ich kopieren, abspielen und was weiß ich noch alles will. Nachdem ich ja kein Raubkopierer bin drücke ich brav auf Abspielen und schon geht‘s los. Ich höre Stimmen und sie singen mir was vor. „Back to the start“ heißt es da, aber noch mal von vorne beginnen möchte ich jetzt nicht, die Prozedur bis hierher hat mir schon einiges abverlangt. Ignorieren und weiterhören.
Interessant klingt das, es heißt ja, Screena tragen das Erbe der Neunziger ins neue Jahrtausend, das sich mittlerweile auch schon wieder im achten Jahr befindet. Persönlich waren für mich die Neunziger ja hauptsächlich Eurodance im Mainstream und Grunge im alternativen Bereich. Screena reiht sich hier bei letzterem ein und klingt sehr nach Bush, erste Assoziation – von einer Kopie zu sprechen ist aber weit gefehlt. Alternative wird laut Christoph Prenner (u.a. Evolver) hier als emotionaler „State of Mind“ aufgefasst, und genauso klingen sie auch. Melodienschwangere Songs, geprägt von viel Gitarre und eingängigen Texten. Dass die Band aus Niederösterreich kommt, kann man ja fast nicht glauben, so schön international klingt sie! Wenn mir jemand sagt, es handelt sich um die neueste Entdeckung der amerikanischen Musikjournalisten … Ich würde es glauben, sofort, und so viele andere bestimmt auch. Sänger Michael Gacksch versteht es einfach zu singen, seine charismatische Stimme und seine Songwriterqualitäten prägen einfach den Sound von Screena. Hinzu kommt die ewig treibende Kraft an Drums und Bass, und zu guter Letzt eine zweite Gitarre, die lieblich herumtänzelt – somit werden die Songs zu einer Mixtur, die sich hören lassen kann. Das namenlose Album findet seinen Höhepunkt in der Mitte, bei Tracks wie Strange Eyes oder Summer. Den Ausklang bilden zwei eher ruhige Songs, bei denen man schon vom Titel weiß, woran man ist: Quiet und Stay sprechen für sich. Der Opener könnte ruhig zum Schluss stehen, denn Back to the start und noch mal Play drücken ist hier beim Hörer mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit der Fall. Wer nicht glaubt, dass gute Musik aus Österreich kommen kann, kann sich mit Screena vom Gegenteil überzeugen!

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