Sich bedeckt halten

Achtsamen Lesern wird aufgefallen sein, daß die Bagger-Frösche fast öfter vom Wetterberichten als vom Wetter berichten. Das hat sokratische Gründe: Wir wissen einfach, daß wir nicht wissen, wie morgen das Wetter wird.
Die Frösche im Nachbarteich wissen das zwar auch. Der Unterschied ist nur: die haben ein Budget. Wenn sie einfach nur nichts voraussagen, was ja niemals falsch sein kann, oder sagen “Morgen wird es so wie heute” (stimmt bekanntlich in über 60% der Fälle), oder sie prophezeien alle Arten von Wetter auf einmal, so daß irgendetwas davon sicher stimmt – dann brauchen sie ihr Budget niemals auf, und es ist schade ums Geld. Deswegen müssen sie Zubehör bestellen, möglichst solches, das sein Geld wert ist. Die schärfsten Windmesser aus Edelstahl, mit Silbergriff und Perlmutteinlage. Nicht nur ein Barometer, sondern gleich eine meterlange Bar. Einen Vorrat vom edelsten schottischen Whisky – mit dem kann man nicht nur die Thermometersäule befüllen, sondern auch auf dem Etikett den Feuchtigkeitsgrad in Prozent ablesen. Heute zum Beispiel hat es 43% – hicks. Fangfrische Hechtleber erster Güte, oder wahlweise Austern und Räucherlachs. Eine Truppe von bildschönen Jungs und Mädels in geschmackvoller, aber textilarmer Dienstkleidung, die beim Instrumente ablesen helfen und die Wetterkarte halten.
Natürlich muß man dann auch eine Wettervorhersage liefern, die sich einigermaßen nach etwas anhört, sonst fühlt sich der Geldgeber gefrotzelt. Also mindestens Regenwahrscheinlichkeiten für jede Stunde des Tages, Temperatur auf Zehntelgrad genau, exakte Beschreibung jedes Wolkenschwädchens und Windgeschwindigkeiten, daß es nur so rauscht. Inspiration hat man ja.

Im leeren Gurkenglas bei Tümpelwasser und Stubenfliegen reicht es dagegen gerade mal zum Philosophieren. Zwischendurch hüpft man fallweise in die Kaffeesatzleserbude hinüber, ein Kreuzlein machen – für eine Kleinpartei, die der Europäischen Union völlig ablehnend gegenüber steht, trotzdem gern ihren eigenen Lobbyisten in Brüssel sitzen hätte, aber mangels Wählern keinen kriegen wird. Wir Kyniker haben schon immer absurde Sachen gemacht, so auch heute.
Immerhin schön, daß in den nächsten Tagen die vielen ekligen Plakate mit den Fratzen der Dampfplauderer, Neon-Bazis und Nadelstreif-Sozis von den Straßen verschwinden werden. Wobei, die Grünfrau hat ja wenigstens noch ihre Verbundenheit mit dem Wetter demonstriert, durch Schwingen einer Regenbogenfahne.

Schnapp, sprach der Frosch, und fing sich eine EU-Schnake. Langer Saugrüssel, kein Blut drin.

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