Sonst noch was?

Wenn sie alles andere in dieser Ausgabe des Baggers gelesen, ein großzügiges Förderabo abgeschlossen und dann immer noch Zeit (oder auch nur Geld) übrig haben, dann sind Sie herzlichst eingeladen, auch diesen Text zu lesen. Vorher nicht.

Als Schreiber bei einem kleinen Zeitungsprojekt werde ich immer wieder einmal darauf angesprochen, dass ich doch bestimmt dieses oder jenes Magazin kenne. Meistens muss ich solche Annahmen dann enttäuschen – nur aus dem Faktum der Mitarbeit bei einem solchen Projekt ergibt sich offensichtlich noch lange nicht zwingend ein Interesse an Gleichartigem (auch wenn es, um ehrlich zu sein, schön langsam erwacht). Allerdings ist es nicht zu verhindern, dass einem im Laufe der Tätigkeit dennoch ähnliche Unternehmungen bekannt wurden, und um nicht der bösen Geisteskrankheit des Konkurrenzdenkens zu obliegen, werd ich mich nun der heilsamen Übung widmen, über solche nahen Verwandten des Baggers zu berichten.

Dabei möchte ich mich auf die engere Umgebung, also Wien, beschränken, mit Schwierigerem, Ernsterem beginnen und nach und nach, während die Aufmerksamkeit des Leseres zu ermüden droht, zu Leichterem und Lustigerem übergehen.

Wissenswertes

Den Anfang machen somit die Streifzüge, das älteste (seit 1996 am Markt) und wohl auch ernsthafteste der vorgestellten Medien. Herausgegeben vom Kritischen Kreis – Verein für gesellschaftliche Transformationskunde bezeichnet es sich als wertkritisches Magazin. unsachlich wertlos jenseits und lässt doch recht deutlich einen gewissen marxistischen Nährboden durchschimmern. Die Texte wirken durchwegs hoch qualitativ, intellektuell anspruchsvoll und bei aufmerksamer Lektüre durchwegs bereichernd. Die Texte kommen teilweise von fixen Redaktionsmitgliedern, zum überwiegenden Teil aber von freien Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen. Eindrucksvoll sind durchaus häufige lange Artikel, die sich oft über mehrere Ausgaben ziehen und ihre Themen wirklich ausführlich und tiefschürfend behandeln. Wem also der Bagger bisher zu wenig ernsthaft oder auch zu seicht war, dem sei ein kleiner Streifzug in diese Gefilde sehr empfohlen. Die Homepage bietet vermittels einiger Online-Texte einen ausführlichen Einblick und die Möglichkeit einer Abonnement-Bestellung.

Nicht ganz so trocken aber auch in langen Geschichten erzählt Rokko von seinen Abenteuern. Drei dicke Ausgaben gibt es inzwischen von dem zweimal im Jahr erscheinenden Magazin Rokko’s Adventures – eine davon sogar mit beigelegter Musik-Kompilation. Menschen, Tiere, Sensationen sind die Themenfelder, die hier Ausgabe für Ausgabe nach Skurrilitäten, Faszinosa und Abscheulichkeiten durchforstet und für Leser und Leserinnen liebevoll aufbereitet werden. Inbesondere die hingebungsvoll durchgeführten Interviews sind stets lesenswert. Liebevoll gemacht wirkt auch die Gesamte äußere Erscheinung der einzelnen Hefte. So zierte z.B. jedes Exemplar der ersten Ausgabe ein eigens entwickeltes und aufgeklebtes Photo. Der zweiten Ausgeburt aus Rokkos Hexenküche war neben der erwähnten CD auch ein in Blut (wohl vom Schwein) getunktes Stückchen Stoff angeheftet. Inzwischen ist die dritte Ausgabe auf dem Markt und erzählt von Zombies, UFOs, Proto-Punk aus Österreich und vielem mehr.
Zu erwerben ist das gute Stück an einigen ausgewählten Verkaufsstellen in Wien, Linz, Graz, Berlin und einigen anderen Metropolen oder per Kontaktaufnahme und Abonnement über die Homepage, auf der es auch einige Probetexte zu lesen gibt.

Schönes

Ebenso stilvoll und auf Äusseres genauso bedacht wie auf Inneres zeigen sich keine delikatessen – Bühne für SchriftBilder. Wir bewegen uns weiter fort vom informativ Erzählerischem und betreten nun auch den lyrischen Bereich der Sprache. Die Literaturzeitschrift bietet halbjährlich frische Delikatessen aus Literatur, Wissenschaft, Bild und Bühne, wobei der Schwerpunkt deutlich auf Dichtung und Prosatexten liegt, die durch Interviews, Portraits, Reportagen, Rezensionen und Bilder aufgelockert und zu einem schönen Ganzen gefügt werden.
Die stets um ein vorgegebenes Thema angesiedelten Texte stammen entweder von festen Redaktionsmitgliedern oder sie werden von freien Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen eingesandt – Aufgabenstellung und Einsendeschluss werden stets im Vorheft und auf der Homepage, über die die Zeitschrift auch abonniert werden kann, veröffentlicht.

Fast dasselbe Konzept betreibt der Verein ALSO – Anno Literatur Sonntag mit seinem charmanten, querformatigen Heft & Radieschen. Viermal im Jahr werden Themen ausgegeben zu denen Dichtung und Prosa eingeschickt werden darf. In Folge entstehen Hefte mit so netten Namen wie an und für sich & Radieschen, Pech und Prosa & Radieschen, still und heimlich & Radieschen oder zuletzt Inseln und Illusionen & Radieschen. In diesen sind neben den erwähnten Textgattungen auch Rezensionenen, Kolumnen und die Anweisungen für eine Beteiligung am nächsten Radieschen enthalten. Im gemütlichen Cafe Anno in der Lerchenfelderstraße, wo die Hefte erhältlich sind, organisiert der Verein ausserdem auch den Anno Literatur Sonntag, wo es bei freiem Eintritt einmal wöchentlich Prosa, Lyrik & Radieschen zu hören gibt.

und Lustiges

Um etwas ganz anderes geht es hingegen in der Hydra – Österreichs erstem Magazin für Populärkultur, Ironie und Kontraproduktionen; fast könnte man sagen, sie ist das einzige österreichische Satiremagazin …
Die Hydra erscheint seit 2007 schätzungsweise zwei Mal im Jahr, in Zukunft vielleicht auch öfter, und beinhaltet neben satirischen Abhandlungen zu Themen aus Politik, Kultur und Gesellschaft einen guten Anteil an ebenfalls humoristisch gehaltenen Literatur-, Film- und Musikrezensionen, auch durchwegs ganz ernsthaften Artikeln sowie Interviews mit Menschen wie dem Kabarettisten Alf Poier oder dem Lokalbetreiber Herbie Molin (Rhiz) und einen anspruchsvollen Fortsetzungsroman für’s Gemüt.
Erhältlich ist das gute Blatt in einigen ausgewählten Trafiken und über die eigene Homepage, die neben vielen Artikeln aus den Printausgaben (in pdf-Form) auch Blogs der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, verschiedenste Empfehlungen und tagespolitische Kommentare liefert.

Wem das alles noch nicht lustig genug ist, dem sei die Krönung der österreichischen Satire ans Herz gelegt: In unnachahmlicher Weise karikiert dieses Blatt seit Ewigkeiten tagein tagaus mit viel Biss und Virtuosität die österreichische Volksseele, bringt sie zum lachen, weinen oder einfach nur nach- oder gar umdenken. Kein Medium beherrscht das humorvolle Nachäffen der dümmlichen Einstellungen, Überlegungen und Handlungen einer ganzen Nation so perfekt wie dieses. Kein Wunder dass sich neben dieser tagtäglichen Zusammenstellung journalistischer Glanzleistungen bisher kein anderes Satiremagazin etablieren konnte.
Jedes Wochenende können Sie sich dieses Feuerwerk an Sarkasmus, Ironie und Böswilligkeit gratis mit nach Hause nehmen. Einfach auf einen dieser Zeitungsständer mit majestätischer roter Aufschrift zusteuern und ein Exemplar der Kronenzeitung mitgehen lassen!

Informationen zu den einzelnen Medien:

Streifzüge – wertkritisches Magazin. unsachlich wertlos jenseits
http://www.streifzuege.org
Herausgeber: Kritischer Kreis. Verein für gesellschaftl. Transformationskunde
Erscheinungsweise: dreimal jährlich
Einzelausgabe: 5 Euro
Abo: 14 Euro (für ein Jahr, 3 Ausgaben)

Rokko‘ Adventures – Menschen, Tiere Sensationen
http://www.myspace.com/rokkosadventures
Herausgeber: Rokko’s Adventures
Erscheinungsweise: zweimal jahrlich
Einzelausgabe: verschieden, bisher zwischen 3 und 6 Euro, je nach Ausstattung)
Abo: ab 10 Euro (für 2 Ausgaben)

keine delikatessen – Bühne für SchriftBilder
http://www.keinedelikatessen.at
Herausgeber: Verein Keine Delikatessen – Bühne für Schriftbilder
Erscheinungsweise: zweimal jährlich
Einzelausgabe: 4 Euro
Abo: ab 7 Euro (für 2 Ausgaben)

& Radieschen – zeitschrift für literatur
http://www.radieschen.at
Herausgeber: Verein „ALSO – Anno Literatur Sonntag“
Erscheinungsweise: viermal jährlich
Einzelausgabe: 3,50 Euro (kein Versand)
Abo: 14 Euro (für 4 Ausgaben)

Hydra – Populärkultur, Ironie, Zitrone
http://www.hydrazine.at
Herausgeber: Kulturverein “Hydra” zur Förderung von Humor, Ironie und Satire
Erscheinungsweise: ca. zweimal im Jahr
Einzelheft: 1,50 Euro (mit Versand: 2, 50)
Abo: 10 Euro (für 4 Ausgaben)

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