Takis Antoniou: Die Apokalypse

(dahlemer Verlagsanstalt, 2000)

die Apokalypse Ein schmaler Band provoziert einen Haufen Fragen: Warum eine zweite kaum klarer formulierte, kaum konkretere Apokalypse als das Original der Bibel lesen? Warum eine eigenartige Anlehnung ans Original demselben vorziehen, das Glossar ist voll mit Verweisen auf Referenzstellen bei Johannes – was bringt Antoniou Neues? Was bezweckt Antoniou denn mit diesem Bändchen, das leider unkommentiert Dürer-Stiche mit aufnimmt und so den Versen zum Untergang der Welt wohl besonderes Gewicht verleihen will? Apokalyptische Literatur als worst case scenario kommt in der Regel episch daher – das lyrische Wagnis lässt aufmerken: doch was sagt es?

Der intellektualistische Klappentext schwadroniert von diagnostischen Schreckensbildern, die aus Verzweiflung über die allgemeine Indolenz und kapitalistische Idolaterie erwüchsen. Nimmt man das dem Büchlein ab? Wer profitiert von Antonious Bildern? Wendungen, die besonders gelungen sind, gibt es wenige, akzeptabel ist: „Ehebrecherische Erde, die Zeit hat das All modern lassen/ die Geräte deiner Weisen rauben/ den Engeln die Erinnerung/ und schrauben sie in ihren Verstand./ Und eines nicht mehr fernen Tages wird Chemie/ den Geist Göttern und Menschen rauben,/ den Engeln die Erinnerung./ Dann werden alle Götter meineidig,/ falsche Propheten und wahnsinnig.“. Allgemeiner: was bringen solche Weltuntergangs-Szenarien? Das Medium sei einmal nebensächlich – der Faktor Unterhaltung ist beim filmischen Aufbereiten a la „The day after tomorrow“ freilich am ehesten gegeben. Also zu welchem Zweck verfasst man Apokalypsen? Ist es die gewollte Besserung der Welt, die erhoffte (rechtzeitige) Läuterung (auf dass das gedachte Schreckensbild niemals Wirklichkeit werde)? Bedient man sich deshalb des Prinzips Angst? Aber wer nimmt dieser Tage Apokalypsen ernst? Wissenschaftliche oder lyrische – über welche Untergänge theoretisiert es sich lustvoller? Unernster? Ist der Strafgott nicht nur ein hilfloses Rache-Phantasiechen, das der Kulturpessimist und der Menschenfeind als Selbsttröstung lebendig halten? Oder ist er Fanal für unausgelebte Instandsetzungswünsche der Weltguten? Das Thema ist ergiebig. Was Takis Antoniou daraus macht leider nicht. Wissenschaftlich, schöner, nähert sich übrigens Gerhard Henschel dem Thema: „Menetekel- 3000 Jahre Untergang des Abendlandes“ – erschienen 2010 bei Eichborn.

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