The Net

The Net (1995) thematisierte vor vierzehn Jahren bis heute diskutierte Fragen von Internetsicherheit, Softwaremonopolen, Datenschutz und digitaler Identität. Leider wurde generell zu wenig Liebe zum Detail und insbesondere im Bereich Körperhygiene kein bisschen Mut bewiesen.

US-amerikanisches Breitenkino zeichnet sich unter anderem durch impertinentes Typecasting aus. Meg Ryan hat die Liebeskomödien-Arschkarte gezogen, Sandra Bullock’s AgentInnen sahen in ihr offenbar eine geborene Thriller-Schönheit. So kam es, dass die sympathische Nebenrollenheldin aus dem Actionstreifen Speed, kaum aus dem Bus gestiegen, schon ins nächste Abenteuer stolperte. In The Net verkörpert Frau Bullock eine in Isolation lebende Hackerin, die Einladungen zum Abendessen kategorisch ausschlägt und lieber Pizza bestellt – über das Internet.

Sie vertreibt sich die Zeit mit Ego-Shootern, trinkt Martini mit eingelegten Jungzwiebeln und besucht bisweilen ihre an Alzheimer erkrankte Mutter, um mit ihr das Piano zu streicheln. Ihren Chat-Freunden erklärt sie, wie sie sich ihren Traummann vorstellt, während im Hintergrund Goldkehle Annie Lennox A Whiter Shade of Pale ächzt. Selbst ihren ArbeitskollegInnen ist Angela Bennett, wie die nerdige Protagonistin heißt, lediglich über ihre bezaubernde Stimme, Bits und Bytes bekannt. Mit der Software Firma, bei der sie beschäftigt ist, hat sie nur telefonischen und elektronischen (bzw. telefonisch moduliert-demodulierten) Kontakt – Teleworking schon Mitte der Neunziger. Die erste Krux des Films ist somit bedauerlicherweise die Besetzung. Bikiniszenen-Sandra als geekige Stubenhockerin ist so glaubwürdig wie ein Eddie Murphy in A Beautiful Mind. Wenn schon Hollywood-Kino, warum nicht wenigstens ein paar Klischees bedienen und der Angela Shampoo, Zahnbürste und Nagelzwicker vorenthalten?

Die zweite Krux ist die sehr oberflächliche Auseinandersetzung mit dem Stoff selbst. Im Trailer zum Film heißt es konspirativ „We live in the age of information. Every trace of our existance is computerized. Everything about us is encoded somewhere.“ So bemüht sich Regisseur Irwin Winkler, regelmäßig kleine digitale Brotkrümel zu legen; der FedEx Kerl hat ein verdächtiges, piepsendes Gerät, das er an das Paket hält, und selbst Apotheker hantieren unbesonnen mit roten Lichtstrahlen und kryptischen Strichcodes. Einem einmotorigen Kleinflugzeug und seinem Insassen wird die digitale Höhenanzeige zum Verhängnis, einem Psychiater gleich zwei medizinisch missliche Computerfehler. Unglücklicherweise fehlen der Verschwörung aber jegliche Substanz und Konsistenz. In The Net wird mit unlauteren Mitteln aus der Ahnungslosigkeit des damaligen Publikums (Unterstellung des Autors) Profit geschlagen. „Noticing anything unusual?“ „No, … except for that little Icon an the bottom at the screen“ – so be­zeichnet Computerfreak Angela Bennett das griechische Symbol Pi – „Click on it and press Control Shift“. Eine kleine grüne Diskette und ein darauf verstecktes Programm öffnet Tür und Tor für Manipulationen an Krankenhauscomputern, Datenbanken des Außenministeriums und Polizeiakten. Die BösewichtInnen rund um den Softwaremonopolisten Bergstrom heißen in diesem Film übrigens Pretorians und auch Sandra Bullock wird immer öfter in Liebeskomödien gesehen.

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