Vom Erstinken
Sinneseindrücke mögen zwar eine rein subjektive Angelegenheit darstellen,es gibt aber doch gesellschaftliche Übereinkünfte, die dazu beitragen, wie solche empfunden werden. Dies dürfte besonders auf den Geruchssinn zutreffen: Denkt man etwa nach einer ergiebigen Toilettensitzung in gutmütiger Manier an das Wohlergehen der Mitmenschen, welche ebenso gewissen Bedürfnissen unterliegen, so bietet sich beispielsweise ein – laut Gesellschaft wohlriechender – AXEL Deospray (Name von der Redaktion geändert, Anm.) an, um das Leben der zukünftigen Besucher des stillen Örtchens erträglicher zu gestalten.
Die Erfahrung lehrt jedoch, dass es schon einer gehörigen Portion Zweckoptimismus bedarf, um den angeblichen Wohlgeruch besser als die Wurz’n allen Übels zu bewerten. Dessen ungeachtet ist es auch die menschliche Sprache, die unseren ungeliebten Hinterlassenschaften negative Bewertung verleiht. So werden gewisse Gerüche unverhehlt mit moralischen Verfehlungen gleichgesetzt – was etwa erlogen wurde, wurde auch sprichwörtlich erstunken. Paradoxerweise stellt sich dabei die Frage, ob nicht eine das Erstinken selbst betreffende Redewendung zu langen Nasen führen könnte.
Denn „erfroren sind schon viele, erstunken ist noch niemand“, spricht der Volksmund, wenn etwa darmgasgesättigte Innenluft und tiefwinterliche Außenluft einander konkurrieren. Ein solch unrühmliches, weil gestankbedingtes Ableben wünscht man sicher niemandem, wobei die Wahrscheinlichkeit dafür doch von Null verschieden sein dürfte. Chemisch betrachtet finden sich etwa in entfleuchten Winden mitunter sehr unliebsame Verbindungen – allen voran das überaus gefährliche Atemgift Kohlenmonoxid. Man überlege sich also zweimal, ob man bei akuter Erstinkungsgefahr nicht doch klirrende Kälte in Kauf nehmen sollte – auch wenn der Klimawandel durch das in die Atmosphäre gelangende Methan begünstigt werden könnte. Aber das würde jetzt zu weit führen; und die Wahrheit liegt ohnehin – wie so oft – in der Nase des Betrachters.



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