Vom unbefleckten Empfangen und jungfräulichen Gebären

Kritische Überlegungen zur Bedeutung der Mutter des Allmächtigen in der römisch-katholischen Kirche und über Freiheit und Verstehen im Glauben.

Eine Schwangerschaft kann schon ganz schön verwirren. Es fängt mit einem Blick in den Kalender an: Hierzulande feiert man am 8. Dezember ein Fest namens „Mariä Empfängnis“. Würde für sich genommen ja noch niemanden vom Hocker reißen, wenn da nicht der 24. desselben Monats wäre. Da war doch…richtig: die Geburt ihres Sohnes! Ja Kruzifix, wie soll sich denn das ausgehen? Eine solche Frühgeburt würde wohl noch heute im Guinness Buch der Rekorde ihren Platz haben. Wie so oft stopft jedoch Wikipedia eine Bildungslücke und klärt auf: Tippt man „Mariä Empfängnis“ ein, so gelangt man zu einer Informationsseite über „unbefleckte Empfängnis“ und erfährt: „Die unbefleckte Empfängnis […] ist ein römisch-katholisches Glaubensdogma, das nicht mit der Jungfrauengeburt verwechselt werden darf.“ Bei dieser Empfängnis handelt es sich um das Ereignis, bei dem die Gottesmutter selbst (von einer gewissen Anna) in Empfang genommen wurde. Zu klären gilt es jetzt, warum diese Empfängnis keine Flecken hinterlassen haben soll und wie sich Jungfräulichkeit mit Mutterschaft vereinen lässt.

Sich Dogmen bewusst werden

Maria Von Neugier getränkt dringen wir gleich mal in den katholischen Glaubensdschungel ein. Was Herr oder Frau KatholikIn so alles glaubt, findet sich in einem Bekenntnis wieder, welches man als fleißigeR KirchgängerIn häufig von sich gibt. Dieses Glaubensbekenntnis ist umfassend beschrieben und begründet in einem Kirchendokument namens „Katechismus der katholischen Kirche“, welches jedes Schäfchen auf der Vatikanhomepage (www.vatican.va) einsehen kann. Gesagt, getan; preschen wir gleich vor zum ersten Teil/zweiter Abschnitt/zweites Kapitel/Artikel 3/Absatz 2: „…Empfangen durch den heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria“. Unter 491 finden wir, dass der Kirche im Laufe der Jahrhunderte „bewusst“ wurde, dass Maria „schon bei ihrer Empfängnis erlöst worden ist“. Hinter dem „Dogma von der unbefleckten Empfängnis“, welches 1854 von Papst Pius IX. verkündigt wurde, steckt also die Befreiung von jeglicher Schuld – einschließlich der Erbsünde. Die makellose Maria soll auch Zeit ihres Lebens „frei von jeder persönlichen Sünde“ (Kat. 493) gewesen sein. Wenn bereits bei der Geburt eines Menschen die Befreiung von jeglicher Schuld und Sünde festgelegt ist, dann stellt sich jedenfalls die Frage, ob dieser dann überhaupt die Freiheit hat, eine Sünde zu begehen (So wie Adam und Eva die Freiheit hatten, Äpfel zu verspeisen). Makellosigkeit würde so ihren Stellenwert verlieren. Oder wurde Maria im wortwörtlichen Sinne im Vorhinein von Schuld befreit? Ein Freibrief zum ungestraften Verbrechen?

Gehorsame Freiheit

„Gott hat seinen Sohn gesandt. Um aber diesem einen Leib zu bereiten, sollte nach seinem Willen ein Geschöpf in Freiheit mitwirken“ (Kat. 488). Wie es um Marias Freiheit bei ihrer Berufung bestellt war, lässt sich im Lukasevangelium nachvollziehen: Unter „Die Verheißung der Geburt Jesu“ (Lk 1,26-38) wird erläutert, wie der Engel Gabriel Maria erscheint, ihr zunächst einen Schrecken einjagt und sie anschließend darüber aufklärt, dass sie einen nicht unbedeutenden Menschen gebären wird. Maria darauf: „Ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast.“ Klingt wie eine resignative Zustimmung zu einem Ultimatum. Freiheit ohne die Möglichkeit, Nein zu sagen? Bei näherer Betrachtung wird klar, dass bei dieser Freiheit die gehorsame Freiheit gemeint ist. „Auf die Ankündigung […] antwortete Maria im Gehorsam des Glaubens“ (Kat. 494). Abgesehen davon, dass Gehorsamkeit blind macht und an sich so seine negativen Seiten hat (Stanley Milgram lässt grüßen), kann diese – im Sinne der Unterordnung unter jemandes anderen Willen – keine Freiheit beinhalten. Als ChristIn kann man sich zwar in Freiheit zum Gehorsam des Glaubens entscheiden, hat man dies vollzogen, gibt es allerdings im Glauben keine Freiheit mehr. Im Gehorsam ist Freiheit nicht möglich – gehorsame Freiheit ist ein logischer Widerspruch, ist gar keine Freiheit.

Glauben und Verstehen

Eine ödipale Denksportaufgabe: Laut dem Verständnis der katholischen Kirche war Maria die Mutter von Jesus, dem Sohn Gottes. Sie empfing ihren Sohn vom heiligen Geist, der in der Dreifaltigkeit wiederum mit Gott (und seinem eigenen Sohn) identisch ist. Der wiederum ist bekanntlich der Schöpfer, der die Welt und die Geschöpfe erschaffen hat (also scheinbar auch seine eigene Mutter). Als wäre es nicht schon verwirrend genug: Wen auch immer jetzt Maria empfangen hat, es geschah nicht auf natürlichem Wege. Nein, keine In-Vitro-Fertilisation, sondern durch pure „Kraft des heiligen Geistes […], ohne einen Mann zu erkennen“ (Kat. 494). Wie auch immer man diese jungfräuliche Empfängnis und deren Zustandekommen zu verstehen versucht: Es geht „über jedes menschliche Verständnis und Vermögen hinaus“ (Kat. 497). Desillusioniert nehmen wir zur Kenntnis, dass jedes Nachdenken über das oben genannte von vornherein zum Scheitern verurteilt ist. Zwischen Glauben und (rationalem) Verstehen besteht eine Diskrepanz, die aber anscheinend überwunden werden kann, wie uns die katholische Kirche verspricht: „Der Sinn dieses Geschehens ist nur für den Glauben erfassbar.“ (Kat. 498). Unerklärliches wird im Glauben also zu Erklär- und Verstehbarem. In diesem Begriffsverständnis wird das Verstehen zu einem subjektiven Erfassen, dessen einzige Bedingung der Wille zum Glauben ist. Man kann vieles glauben und dadurch alles verstehen, wenn man nur glauben (und verstehen) will. Dazu ein Zitat der weißen Königin aus „Alice im Wunderland“: „Unmögliches zu glauben ist nur eine Frage der Übung“

Quellen:
http://www.vatican.va/archive/DEU0035/_INDEX.htm
http://de.wikipedia.org/wiki/Unbefleckte_Empf%C3%A4ngnis
Die Bibel, Einheitsübersetzung (Schulausgabe)

Kommentare

ich glaube jeden tag vor

ich glaube jeden tag vor dem frühstück drei unmögliche sachen ;-)

Ich glaube vor dem

Ich glaube vor dem Frühstück teilweise bis zu sechs unmögliche Dinge. - Gott ist nicht darunter.

ach ja, kleines Beispiel:
Kann ein allmächtiges Wesen einen Gegenstand erschaffen, den es selbst nicht zu Bewegen imstande ist? - Solche und viele weiteren Widersprüche können mit viel Übung überwunden werden.

oder

Kann Gott ein Burrito in der Mikrowelle so heiß machen, dass er es selbst nicht zu essen vermag? - Laut Flanders kann er (soweit ich mich richtig erinnere). selbstverständlich sogar.

naja, das kann ja

naja, das kann ja eigentlich jeder. genauso wie ich ein beliebiges gericht so scharf würzen kann, daß es nachher keiner mehr essen kann, ich auch nicht.

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