Von berühmten Enten und solchen, die’s gerne werden wollen

EnteAußerdem: Was sie schon immer über die seltsamen Sexualpraktiken männlicher Enten wissen wollten. Ein Sammelsurium an Skurrilitäten und Wissenswertem rund um die Ente.

Eigentlich habe ich keinen besonderen Bezug zu Enten. Immerhin esse ich sie nicht, was mich aus Sicht der Enten doch ziemlich sympathisch machen sollte. Falls Enten so etwas wie Sympathie überhaupt empfinden können …
Vielleicht hätte ich in meinen Kindheitstagen doch nicht so exzessiv Lassie und Flipper sehen sollen. Würde ich dann weniger oft und unbewusst menschliche Eigenschaften auf wehrlose Tiere übertragen? Höchstwahrscheinlich nicht.

Denn selbst Universum-Tierdokumentationen kommen nicht ohne die eine oder andere tierische Vermenschlichung aus, ganz abgesehen von allgegenwärtigen TV-Tier-Werbespots, man denke nur an das sprechende Ja!Natürlich Ferkel. Immerhin droht den Billa-Werbe-Ferkeln nicht der übliche Weg ihrer Artgenossen: Die Schweinchen-Babe-Imitate dürfen eines natürlichen Todes sterben, fernab von Schlachthöfen. Werbung als Artenschutz, auch eine Möglichkeit. Aber zurück zu den Enten. Auch die sind werbemäßig stark vertreten: Noch heute sieht man eine Ente durchs Bild watscheln, während im Hintergrund ein Toilettenreinigungsmittel angepriesen wird. Der lange Hals der Ente war offensichtlich Inspirationsquelle für einen findigen WC-Reinigungsmittelhersteller: gebogener Flaschen­hals, der „überall hinkommt“ – die WC-Ente. Bei der Namensgebung war er oder sie dann doch weniger fantasievoll. Schade, dass Enten nicht auf Rufschädigung klagen können.

Auch Museen machen erfinderisch

Vielleicht würden sie dann auch jenen holländischen „Forscher“ verklagen, der 2003 in einer Studie bei Erpeln angeblich homosexuelle und nekrophile Sexualvorlieben entdeckt haben soll. Der Museumskurator war gerade an seinem Arbeitsplatz, als eine männliche Stockente gegen die Glasscheibe des Naturgeschichtlichen Museums Rotterdam krachte. Kurz darauf kam ein anderer Enterich, um den toten Erpel ganze 75 Minuten lang zu begatten, so die Aufzeichnungen von Kees Moeliker. Nachforschungen ließen ihn zu dem Ergebnis kommen, dass bis zu 20 Prozent aller Entenpaarungen homosexuell ablaufen. Zumindest hat ihm seine Studie über „homosexuelle Nekrophilie bei Stockenten“ den Ig (=ignoble)-Nobelpreis eingebracht – der Anti-Nobelpreis, verliehen von der Harvard-Universität für besonders skurrile, unnütze oder unwichtige wissenschaftliche Arbeiten.

Wo Enten wohnen

In Entenhausen geht es da schon gesitteter zu. Dort ist es auch, wo jene Ente wohnt, die sich zu der kleinen Gruppe der Superreichen zählen darf: Dagobert Duck – die wohl einzige Ente, die regelmäßig ein Geldbad nimmt.
EnteSein Neffe Donald Duck dagegen ist mit sagenhaftem Ungeschick gesegnet. Lahme Enten sind die beiden auf keinen Fall, der Ausdruck passt schon eher zum 1948 erstmals präsentierten Kleinwagen Citroëns, dem 2CV, oder hierzulande besser bekannt unter „Ente“. Ursprünglich als praktisches Nutzfahrzeug konzipiert, damit „zwei Bauern in Stiefeln und 50 Kilo Kartoffeln Platz haben“, entpuppte sich der zwei Pferdestärken „Starke“ (oder auf französisch: deux chevaux) als beliebtes Vehikel, um damit der eigenen Faszination für frankophilen Lebensstil Ausdruck zu verleihen.
Apropos Frankreich: Angeblich soll aus dem französischen Begriff donner des canards, was soviel bedeutet wie „Enten geben“, die Zeitungsente entlehnt sein. Böse Mundwerke sagen den Enten ja unzuverlässige Brüterei nach – ebenso wie man sich auf die Glaubwürdigkeit von so manchem Zeitungsartikel nur sehr bedingt verlassen kann. Die Theorien zur sprachlichen Herkunft der Zeitungsente sind genauso vielfältig wie Zeitungsenten selbst: Sehr häufig wird behauptet, das lateinische non testatum („nicht geprüft“) gilt als Namensgeber der Zeitungsente. Seit dem 17. Jahrhundert wurde die entsprechende Abkürzung n.t. an Zeitungsmeldungen angefügt, deren Quelle nicht bestätigt werden konnte. In Deutsch gelesen ähnelt die Abkürzung unmissverständlich dem gleichnamigen Schwimmvogel. Also doch nur eine phonetische Ableitung?
So oder so, von Hitlers Tagebüchern bis zu Qualtingers Täuschungsmanövern, eines ist sicher: Zeitungsenten können auf jeden Fall nicht schwimmen. Dafür können sie gehörige Verwirrung stiften, so wie jene nachahmungswürdige Finte des eben erwähnten Helmut Qualtinger:

Ente im Pelzmantel

Am 3. Juli 1951 wartete eine Horde von Journalis­tInnen am Wiener Westbahnhof geduldig auf die Ankunft des berühmten Eskimo-Dichters namens Kobuk. 1889 sei der Autor in Ivikut (Grönland) geboren, so hieß es in einer Presseaussendung. Weit über seine Heimat hinaus bekannt und allseits Entebeliebt durch seine Romane „Brennende Arktis“ und „Kolchoz“. Seine grönländische Trilogie „Nordlicht über Iviktut“ soll sogar von Metro-Goldwin-Mayer unter dem Titel „Song of an Iceman“ in Technicolor verfilmt werden. Gründe genug, den berühmten Schriftsteller von weither gastfreundlich und ehrerbietig in Empfang zu nehmen. Der Zug fährt ein. Ein Mann steigt aus. Beleibt, ausstaffiert mit Pelzmantel und -mütze. Ein Radioreporter fragt nach seinem ersten Eindruck von Wien. Der Dichter darauf: „Haaß is.“
Helmut Qualtinger hat es wieder einmal geschafft. Wie heißt es so schön im Werbeslogan eines bekannten WC-Reinigungsmittelherstellers? „Ente gut – alles gut.“

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