Von Kino und Fäkalien

Wer kennt sie nicht, die berühmte Zithermusik von Anton Karas zu einer der wohl herausragendsten Filmproduktionen der Geschichte? Wer sich die Titelmelodie zu sowie Filmausschnitte aus „Der dritte Mann“ an einem für audiovisuelle Genüsse eher ungewöhnlichen Ort zu Gemüte führen will, dem sei eine Führung im Wiener Kanalisationssystem empfohlen.

Beim Esperantopark in der Nähe der Secession steigt man in den größten Kanalknoten Wiens hinab und begibt sich zu Originaldrehorten des Films und somit auf die Spuren der Fluchtwege Harry Limes durch die Kanalisation. Die Führung beinhaltet Wissenswertes über die Geschichte des Wiener Kanalisationssystems, die harte Drecksarbeit, die ca. 300 Gemeindebedienstete der MA 30 dort zu verrichten haben, sowie über die höchst erfolgreiche Kinoproduktion von Carol Reed im Wien der Nachkriegszeit. Wer eine längere Tour in dem insgesamt über 2000 km langen Kanalwegnetz erwartet, wird diesbezüglich zwar enttäuscht, dafür werden jedoch während der Führung auf 2 installierten Leinwänden Videodokumentationen zur Kanalarbeit und über den „dritten Mann“ geboten, welche ein etwas ungewöhnliches Kinofeeling aufkommen lassen. Leider kommen auch Abenteuerlustige, die gerne durch Fäkalien waten, eine Kanufahrt am Abwasser unternehmen, oder Verhaltensforschung an Kanalratten durchführen würden, nicht auf ihre Kosten. Alles in allem ist das Gebotene also zwar nichts herausragendes, hat sich aber mit Sicherheit ein „ganz nett“ verdient.

Der dritte Mann – Kanaltour
Führungen Mai – Oktober, DO – SO 10.00 – 20.00 Uhr (zu jeder Stunde)
Adresse: Karlsplatz / Esperantopark, 1010 Wien
vis-à-vis Friedrichstraße 6
Kosten: 7,00 EUR / ermäßigt 5,50 EUR
Nähere Infos: Dritte Mann Tour

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