Was bisher geschah

Nach zwei Jahren eifrigen Grabens ist es nun an der Zeit, einmal durchzuschnaufen, kurz innezuhalten und das Ergebnis zu begutachten. Der Bagger blickt zurück und analysiert sich selbst.

Titelblatt Am Anfang stand, wie meistens bei solchen Ideen, Appetit auf ein Experimentchen, eine Portion Unwissenheit und ein Gläschen Optimismus, das durchaus nicht die gesamte Mahlzeit hindurch ganz voll sein sollte. Gleich zu Beginn winkte uns der Erfolg, personifiziert durch Herrn Baumeister Lugner, der uns – wohl dank des hervorragend gewählten Namens unseres Zeitungsprojekts – gleich für die Erstausgabe ein Interview gewährte. „Das schaffts ihr schon!“, meinte er aufmunternd auf unsere Zweifel hin. Und tatsächlich, ein paar Wochen später war unser erster Streich vollbracht – auch wenn uns Lugner nicht finanziell unter die Arme greifen wollte – z.B. wie von uns vorgeschlagen mit einem kleinen Werbeinserat für sein wohlbekanntes Kaufhaus am Gürtel.

Was hätten wir daraus lernen können? Aus wem was wird, der schaut auf’s Geld.
Titelblatt Machten wir aber nicht, sondern scheuten weder Kosten noch Mühen, unsere zweite Ausgabe herauszubringen, die viel Staub, nein Rauch aufwirbeln sollte. Die Klimaerwärmung war ein großes Thema damals. Alle dachten, wenn das so weitergeht, würden wir unweigerlich den Wärmetod (vgl. Ausgabe 5) sterben. Heute sind wir da klüger; nicht zuletzt dank des Baggers tiefschürfender Recherche haben wir diese Angst überwunden und nun Zeit, uns auf die nächste Eiszeit vorzubereiten. Nachdem sich der Rauch verzogen hatte, machte sich Leere breit und wurde dementsprechend in Ausgabe 3 behandelt. Titelblatt Die buddhistischen Lehren wurden auf Lösungsansätze hin untersucht. Ansonsten war Nichts los, über das wir schreiben konnten. Und das taten wir auch: Nichts in der Philosophie, Nichts in der Physik, Nichts im Kreutzwortzrätzel und nirgendwo viel Spannendes zu berichten, weder in Leer noch in Laa an der Thaya. Bewusst nicht weiter eingegangen sind wir auf den schwelenden Konflikt zwischen Äthiopien und Somalia, die Basketball-Europameisterschaft in Granada, den Ausbau des Panamakanals, das ökumenische Treffen von christlichen Kirchenvertretern in Sibiu in Rumänien, auf vermutlich durch Festnahmen verhinderte Anschläge in Deutschland, die Regierungsauflösung in Polen, eine neue Videonachricht von Osama Bin Laden, die fristlose Entlassung der Fernsehmoderatorin Eva Herman, den US-Open-Sieg von Roger Federer (zum 4. Mal!), den unverbindlichen Apell zum Klimaschutz beim Treffen der Apec in Sydney, den 6. Jahrestag des 11. Septembers 2001, die Festnahme von 3 Mitgliedern der GIMF (Globale Islamische Medienfront) in Wien, den Einschlag eines dubiosen Meteoriten in Peru, die UNO-Klimakonferenz in Montreal und so weiter und so fort. Wir hoffen, Sie nehmen uns das nicht übel.
Titelblatt Beschlossen wurde das Jahr mit einer beschaulichen Ausgabe zum Thema Weihnachten und Geburt. Zu dieser Zeit bemerkten wir erstmals, dass unsere Bemühungen offensichtlich auch LeserInnen finden: Die damals veröffentlichten Umfrageergebnisse belegen weit verbreitetes Interesse.

Mit heißen Themen und hitzigen Artikeln wurde das neue Jahr begrüßt. Während Malta und Zypern den Euro einführen, weisen wir auf die Nachteile des neuen Europas hin, während Israel im Gazastreifen ein Kraftwerk bombardiert, befassen wir uns mit den Vorzügen und Nachteilen der Atomkraft, während Österreich den wärmsten je gemessenen Winter erlebt, informieren wir über Fernkälte, während sich (wie schon länger) an allen Ecken und Enden Leute unter religiösem Vorwand Worte, Fäuste und Bomben an den Kopf werfen, sagen wir den Religionen, wo’s lang geht. Während PalästinenserInnen die Grenzbefestigung zu Ägypten sprengen, erinnern wir an die Eroberung von Ofen und während in China ein starker Wintereinbruch weite Landesteile in ein Schneechaos stürzt, informieren wir gleich über den Wärmetod des ganzen Universums.Titelblatt Die Börsen legen weltweit einen fiebrigen Kurs an den Tag, der Bagger hingegen untersucht die Grundlagen des Fiebers. In Ghana beginnt die 26. Fußball-Afrikameisterschaft und wir begeben uns auf eine Exkursion in die Tropen. Aus Finnland gibt’s – wie meistens – nichts Neues, deshalb bringen wir einen, nein gleich zwei Artikel über Altbewährtes aus diesem Land: Saunas nämlich. Schlussendlich weisen wir noch auf die ungünstigen Folgen eines möglichen Atomkriegs hin.
Wer weiß, vielleicht hat gerade das die Welt nochmal gerettet und uns die Möglichkeit gegeben, ohnehin bald wertloses Geld in eine weitere Baggerausgabe zu verpulvern. Und weil die Zeiten gar so trist aussehen, der Globus von Kultur- und Wirtschaftskriegen erschüttert wird, eine weltweite Finanzkrise vor der Tür steht und sich Klimaerwärmung und soziale Kälte einen Wettkampf darum liefern, wer die Menschheit zuerst ausrotten darf, lassen wir in weiser Voraussicht gleich einmal ein paar Knochenmänner spielerisch übers Titelblatt tanzen.Titelblatt Die Lethargie, mit der die Menschheit all den genannten Problemen gegenübersteht, bekämpfen wir mit Artikeln über den freien Willen, die Problematik des Wählens und des Nichtwählens und Ideen aus der Entwicklungshilfe. Leute, die die Lage als allzu ernst beurteilen, finden wohl Ablenkung und Erheiterung in unseren Texten zu Kasperltheater und Rollenspielen oder auch Erlösung durch die Anwendung unseres mordsmäßig lustigen Kochrezeptes: Russisches Omelette. Wer sich da aber noch nicht so ganz sicher ist, sollte vielleicht doch nochmal vorher mit Madame Crystal die Sterne befragen, ganz egal unter welchem Zeichen er oder sie geboren ist.
Sollten Sie diese Ausgabe überlebt haben und zufällig auch noch Fördermitglied des Baggers sein oder eine ganz spezielle, exquisite Veranstaltung besucht haben, dann könnten Sie auch in den Genuss gekommen sein, unsere Sonderedition „Wegweiser“ erhascht zu haben. Um dieses Erlebnis aber ganz und gar diesen Auserwählten zu lassen, wollen wir auch hier nicht weiter davon berichten. Nur so viel: Allen anderen ist etwas Großes entgangen. Das Finale nämlich.

Denn nachdem am 10. September der große Hadron Colliders (LHC) in Genf der Klimaerwärmung zuvorgekommen ist und mit einem kleinen schwarzen Loch sich selbst und als Nachspeise die ganze Welt verzehrt hat, konnten die armen Teufel nicht mit der geplanten, bislang dicksten Ausgabe das Baggers entschädigt werden. Neunzehn große, vollgestopfte Seiten zum Thema Straße hätten uns den weiteren Weg gewiesen.Titelblatt Der Herbst wäre inzwischen ins Land gezogen. Während alle Welt vor einer neuen Weltwirtschaftskrise gezittert hätte, und von schwarzen Montagen, Freitagen, Katzen und was sonst noch alles schlimm klingt palavert hätte, würde der Bagger unverdrossen weitergegraben haben. Aber auch Positives hätte passieren können: Finanzhilfepakete für die notleidenden Banken wären geschnürt worden. Ein neuer, besserer Präsident der USA, der die Welt mit Wohlstand und Weltfrieden überzieht, hätte gewählt werden können. Im österreichischen Parlament hätten ausnahmsweise endlich einmal freie Kräfte spielen können – und zwar gleich am 12. September. (Schade. In dieser Sache hätten Sie sich schon längst ein Vorbild an unserer Arbeitsweise nehmen können, die sogenannten Kräfte dort!) Das hätte aber ohnehin nicht viel Effekt gehabt, denn gleich danach wär wieder gewählt worden, sicher so wie schon zuvor, nur halt ein bisschen schlimmer, damit’s auch weiterhin was zu Lamentieren und Schwarzmalen gibt. Dank dem schwarzen Loch ist das aber gar nicht mehr nötig.

Wie? Sie glauben das alles nicht? Sie sitzen grad hier und lesen das alles? Der LHC wurde wegen technischen Problemen wieder abgeschalten?
Ach, machen Sie sich doch nichts vor! Alles Lüge!
Die Finanzkrise steht ganz real vor Ihrer Haustüre? Die Hälfte Ihrer Aktien hat sich soeben in Nichts aufgelöst?
Eben, da haben Sie den Beweis! Aber keine Angst, wir haben die Lösung! Wir schaffen Ihnen Ihre eigene kleine fiktive Welt, in der Sie sich sicher und zu Hause fühlen werden. Dazu brauchen Sie nur den Bagger abonnieren und alle zukünftigen Ausgaben aufmerksam lesen.

PS: Ab sofort gibt es auch die Möglichkeit, alte Ausgaben einzeln nachzubestellen: http://www.derbagger.org/nachbestellung

Neuen Kommentar schreiben

Plain text

  • Keine HTML-Tags erlaubt.
  • Internet- und E-Mail-Adressen werden automatisch umgewandelt.
  • HTML - Zeilenumbrüche und Absätze werden automatisch erzeugt.
By submitting this form, you accept the Mollom privacy policy.