Wassernot in Ankara

Ankara ist eine 4,5 Millionen Stadt, die in den letzten zwei Jahren große Wasserversorgungsprobleme hatte. Aktuell wurde das Thema vor allem letzten Sommer, da dieser extrem heiß war und ohne einen Tropfen Regen verging.

Die Stadt wird über 5 Stauwerke versorgt, die eine Speicherkapazität von 1 Milliarde 470 Millionen Kubikmeter haben. Allerdings waren dieses Jahr nur 400 Millionen Kubikmeter gespeichert. Der Wasserverbrauch liegt jährlich bei etwa 420 Millionen Kubikmeter. Klare Rechnung: ist zu wenig. Diesen Sommer würden zwangsläufig Versorgungsengpässe entstehen.

Zum Vergleich, Österreich mit doppelt so vielen Einwohnern hat eine Wasserkapazität von 84 Milliarden Kubikmeter, jährlich werden nur 3 Prozent davon, ca. 2,6 Milliarden Kubikmeter verbraucht.

Das Problem war also wohlbekannt und die Wasserproblematik wird nicht nur von der Erderwärmung und von den trockenen geographischen Bedingungen verursacht. Der Bürgermeister von Ankara hat seit Jahren eher mit dem Ausbau von Strassen und Brücken gepunktet, anstatt das Wasserversorgungsproblem anzugehen. Plötzlich, als es so eng wurde, hatte er eine Lösung gefunden, „Zwei Tage Wasser und zwei Tage keines“ hieß es. Somit wurden die Bezirke abwechselnd zwei Tage durchgehend mit Fließwasser versorgt und dann gab es ebenso lange kein Wasser, was dazu führte, dass der Wasserkontainerverkauf explodierte. Diese Kanister waren überall ausverkauft und dann gab es sie wieder, zum dreifachen Preis von zuvor, zu kaufen. Die Bewohner von Ankara füllten das Wasser in Kanister ab, um die zwei wasserlosen Tage damit auszukommen. So wurde nichts gespart und die leeren Wasserröhren explodierten durch den Überdruck, als das Wasser dann wieder eingeleitet wurde. Somit hat das ganze nur zu zusätzlichen Kosten und verzögerter Wasserversorgung geführt.

Dann hieß es, die Bewohner von Ankara verbrauchten eben zu viel Wasser, man müsse sparen. Doch die einzige Idee, wie man dies verwirk­lichen könne, war die Empfehlung Ankara, wenn möglich, zu verlassen. Wer also ein Sommerhaus hat, solle einfach Urlaub machen, oder man könne ja gute alte Bekannte besuchen, vorausgesetzt sie wohnten in anderen Städten. Für viele Beruftstätige war das natürlich keine Option, doch da gerade Schulferien waren, folgten viele Menschen der Empfehlung und flüchteten aus der Stadt. Die Lage besserte sich daraufhin ein wenig. Doch in Wirklichkeit hat die Bevölkerung nicht gelernt, wie sie mit dem Problem umgehen könnte, und gleich nach Schulbeginn war die Situation wieder bedrohlich geworden.

Jetzt wird versucht, so schnell wie möglich von Kizilirmak (mit 1355 km Länge der längste, ausschließlich durch die Türkei fließende Strom) das Wasser in die Stadt zu leiten, obwohl viele Wissenschaftler warnen, dass dieses Wasser als Trinkwasser nicht geeignet ist und man es zuerst reinigen müsste, was wiederum hohe Kosten verursachen würde.

Warum der Bürgermeister so fest davon überzeugt war, dass die Stadt kein Wasserproblem habe, bleibt unklar. Finanzielle Gründe und Kurzsichtigkeit liegen nahe. Auch wenn seine Chancen auf eine Wiederwahl nun erheblich gesunken sind, hinterlassen wird er jedenfalls ein lebensbedrohliches Problem.

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