Wasserspiele fürs Leben

karusellÜber eine Milliarde Menschen hat heute keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. PlayPumps International versucht bislang erfolgreich dieses und andere Probleme spielerisch zu lösen.

Vor knapp 20 Jahren entdeckte der südafrikanische Werbeunternehmer Trevor Fields auf einem Markt eine Bewässerungspumpe, die durch ein kleines Kinderkarussell angetrieben wurde. Eine hübsche Idee, die er in seinem Kopf weiterentwickelte. Er dachte sich daneben noch einen kleinen Wasserturm, umhüllte diesen mit Plakatwänden, und schloss daran einen Wasserhahn an. Und weil die Idee so bestechend wie einfach war, redete er mit Kollegen darüber, suchte Unterstützung bei verschiedenen Unternehmen und Institutionen, lizenzierte das ursprüngliche Pumpensystem und ließ es weiterentwickeln. Die ersten zwei Systeme konnten schließlich 1994 installiert werden und in den nächsten drei Jahren stieg ihre Anzahl auf 20. Neben der Versorgung der Bevölkerung mit trinkbarem Grundwasser erfüllten die Anlagen auch eine aufklärerische Funktion, denn zwei der vier Plakatwände waren für loveLife, die südafrikanische HIV-Präventionskampagne, reserviert. Finanziert wurde die Errichtung durch Spenden, für die Wartungskosten sorgten die Werbeeinnahmen, der Betrieb wurde durch spielende Kinder gewährleistet. Ein nettes, innovatives Entwicklungshilfeprojekt.

Und dann ging es plötzlich schnell: im Jahre 1999 besuchte Nelson Mandela die Eröffnung einer Anlage und im Jahr darauf gewann das Projekt den Development Marketplace Award der Weltbank, was für größere internationale Aufmerksamkeit und damit auch Mittel sorgte. Inzwischen sind über 1.000 PlayPumps installiert, das Operationsgebiet wurde von Südafrika auf Mosambik, Swasiland und Sambia ausgedehnt. Bis zum nächsten Jahr sollen sechs weitere Länder südlich der Sahara von diesem Projekt profitieren. Das ambitionierte Ziel lautet insgesamt 10 Millionen Menschen mittels 4.000 Anlagen zu versorgen, und letztes Jahr verkündete First Lady Laura Bush und Bill Clinton, dieses Vorhaben mit amerikanischen Entwicklungshilfegeldern zu unterstützen. Derzeit stellen neben direkten Spenden von diversen Stiftungen, Einzelpersonen und Unternehmen, darunter etwa Unilever, Coca-Cola oder Anheuser-Busch, Einnahmen aus dem Verkauf von Mineralwasser mit Solidaritätsaufschlag, wie es beispielsweise One Water in Großbritannien erfolgreich vormacht, die bedeutendste Finanzquelle dar. Die Wartung wird nach Angaben von PlayPumps International, inzwischen eine in den USA eingetragene non-profit Organisation, nach wie vor durch die Einnahmen aus der Werbeflächenvermietung bestritten. Kurzum eine beispielhafte Geschichte für das Zusammenspiel von NPOs, NGOs, Unternehmen, Regierungsstellen und Gemeinden im Entwicklungshilfesektor. Gerade so, wie es die Weltbank gerne als einzigen richtigen Weg propagiert.

Friede, Freude, Wasserhahn?

Was an diesem Projekt zu Recht begeistert, ist die Einfachheit der Technik. Eine Idee, bei der man sich wundert, wieso nicht früher jemand darauf kommen konnte. Das Schema Bohrloch mit Kreiselpumpe, Hochbehälter und einer zentralen Wasserabgabestelle ist schon seit längerem der Standard für leistungsfähige Wasserversorgungssysteme in Entwicklungsländern. Das bisherige Problem war der Antrieb der Pumpe. Sowohl Strom als auch Diesel sind in Dörfern oft nicht zu haben, wenn doch, ist die Versorgung unzuverlässig und der Preis meist zu hoch. Photovoltaik ist teuer und noch unausgereift, Windkraft meist zu unzuverlässig. Also Ringelspiel auf das Bohrloch gesetzt, Gestänge zur Pumpe und schon sprudelt das Nass aus Tiefen bis zu 100 Metern in den 2.500 Liter fassenden Hochbehälter.
Die Simplizität der Idee wird allerdings nicht dem gesamten Thema gerecht. Denn Wasserversorgung kann nicht durch ein Expertenteam gewährleistet werden, welches einmal kommt, den Untergrund sondiert und eine technische Anlage hochzieht. Wasserversorgung heißt für eine Dorfgemeinschaft auch über wasserbürtige Krankheiten, über Hygiene und Abwasserentsorgung zu wissen, im Stande zu sein, das System in Gang zu halten und Entscheidungen darüber zu treffen, gegebenenfalls den Zugang zu limitieren oder auch Tarife festzusetzen. Und gerade über diese Aspekte wird bei PlayPumps International wenig gesprochen. Es wird zwar verlautbart, man lege Wert auf Einbindung der Gemeinden, Ausbildung lokaler Arbeiter und beginne Bauarbeiten immer im Einverständnis mit den Entscheidungsträgern auf unterster Ebene, doch sind all diese Bemühungen kaum ausreichend, um die Projekte als partizipativ einzustufen. Dazu müsste von einer Gemeinde selbst der Wunsch nach einer Änderung der bisherigen Wasserversorgung laut werden, Alternativen diskutiert und evaluiert werden, um sich schließlich für die Lösung zu entscheiden, welche den Ansprüchen in der Gemeinde am ehesten gerecht wird. Auch ist es der Nachhaltigkeit eines solchen Projektes meist zuträglich, wenn die Benutzer des Systems sich für dieses verantwortlich fühlen. Das heißt, dass es ihnen tatsächlich gehört, sie unter Umständen einen Teil der Errichtungskosten tragen und auch für den laufenden Betrieb und Wartung aufkommen. Wird hier die Verantwortung auf eine externe Organisation abgeschoben, entsteht ein Abhängigkeitsverhältnis und kann im schlimmsten Fall zu einem Verlust der Errungenschaften führen.
Auch könnte man bekritteln, dass durch PlayPumps Kinder als Arbeitskraft missbraucht werden. Allerdings sieht die Ausgangssituation meist so aus, dass es Aufgabe der Frauen und Mädchen ist, das Wasser ins Haus zu schaffen. Da die Wege zu natürlichen Wasservorkommen mitunter mehrere Stunden in Anspruch nehmen, kommt es zu einer Schlechterstellung der Mädchen, da ihnen so der Schulbesuch erschwert oder gar unmöglich gemacht wird. Durch eine günstig situierte Wasserabgabestelle in einem Dorf dürfte es also so eher zu einer Verbesserung der Situation der Kinder, insbesondere der weiblichen, kommen. Wobei diese Wegersparnis auch ihre Schattenseiten mit sich bringen kann: In patriarchalisch geprägten Gemeinschaften ist eine entlegene Wasserstelle oft der einzige Ort, an dem Frauen der Aufsicht der Männer entwischen und unter sich sein können. Wird nun im Dorf ein Brunnen errichtet, fällt diese Möglichkeit des sozialen Austausches weg oder wird erschwert. Dies ist natürlich keine spezielle Schwäche der PlayPump, sondern von vielen Entwicklungshilfeprojekten, bei denen zu wenig auf die Bedürfnisse der Beglückten eingegangen wird.
Es gibt viele Meinungen, wie Wasserversorgung in Entwicklungsländern funktionieren sollte. Traurige Tatsache ist, dass es nirgends flächendeckend wirklich funktioniert, auch wenn es einige viel versprechende Ansätze gibt. Die PlayPump weiß zwar zum Organisatorischen wenig neues, bringt jedoch eine effiziente und günstige Lösung für die technische Seite ins Spiel. Es ist zu hoffen, dass sich diese längerfristig bewährt und Trevor Fields noch viele Karusselle aufstellen kann.

Offizielle Website: http://www.playpumps.org/

Neuen Kommentar schreiben

Plain text

  • Keine HTML-Tags erlaubt.
  • Internet- und E-Mail-Adressen werden automatisch umgewandelt.
  • HTML - Zeilenumbrüche und Absätze werden automatisch erzeugt.
By submitting this form, you accept the Mollom privacy policy.