Zurück in die Zukunft!

Illusorisch, unfinanzierbar, weltfremd … das sind Schlagworte, mit denen die Forderungen der Bildungsprotest-Bewegung regelmäßig stigmatisiert wird.
Dass dies völliger Unsinn ist, zeigt ein kurzer Blick auf die maßgeblichen Veränderungen im Universitätsbereich in den letzten zehn Jahren. Die zentralen Anliegen betreffen nämlich durchgehend alte bildungspolitische Errungenschaften, die zuletzt einer ignoranten, arroganten und bildungsfeindlichen Politik zum Opfer gefallen sind.

Der geforderte freie Hochschulzugang wurde erst 2001 durch Einführung der Studiengebühren massiv eingeschränkt und die Zahl der Studierenden um 20% gesenkt. Interne Hürden wie die Studieneingangsphase hat erst in den letzten Jahren die Umsetzung des Bolognaprozesses sowie das Universitätsgesetz von 2002 eingeführt. Im selben Aufwasch ist auch die Möglichkeit zu einem verhältnismäßig freien und selbstbestimmten Studium durch die Einschränkung bzw. Abschaffung von Individuellen Diplomstudien, Fächerkombinationen und freien Wahlfächern beseitigt und durch verschulte Studienpläne, ein rigides Modulsystem sowie Abhängigkeitsketten bei Lehrveranstaltungen ersetzt worden. Nebenbei wurde sukzessive die Mitbestimmung wesentlicher Teile der Universität (bes. Studierende, Mittelbau) eingeschränkt oder beseitigt, die Struktur entdemokratisiert, hierarchisiert und Kompetenzen wurden nach oben (vor allem ins Rektorat) oder aus der Uni heraus (Universitätsrat, Ministerium) verlagert.
Die Studierendenzahlen sind heute wieder ungefähr auf dem Niveau, das sie vor der Einführung der Studiengebühren hatten, und trotzdem funktioniert es vorne und hinten nicht, weil die Finanzmittel zurückgegangen sind bzw. gut funktionierende Strukturen zerstört und durch teure Verwaltungsapparate ersetzt wurden.
Lösungsansätze:

  • Die Hornochsen in den entsprechenden Rektoraten und Ministerien zum Teufel jagen.
  • Vertretern der Wirtschaft die Möglichkeit der Einflussnahme nehmen (Uniräte abschaffen!). Die sollen von mir aus über Informationsveranstaltungen an Schulen auf die Studienwahl einwirken, aber nicht mir ihren systemfremden Vorstellungen von Unternehmensführung Bildungseinrichtungen zerstören.
  • Doppelt so viel Geld reinstecken (mindestens).
  • Rücknahme der Reformen der letzten zehn Jahre bzw. eine umfassende Reform des Universitätsgesetzes.
  • Durchführung der dringend notwendigen Schulreform.
  • Eine effiziente Studienberatung in den Schulen installieren.

Und nur wenn diese Punkte erfüllt sind und immer noch in manchen Fächern Platzmangel herrscht, macht es vielleicht Sinn, über punktuelle Zugangskontrollen zu sprechen.

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