#2 - Rauch, Mai 07

RauchUnd weiter wälzt sich der Bagger auf seiner Reise durch erforschtes und unerforschtes Gebiet. An einer Stelle gräbt er diesmal tiefer: Diese Ausgabe wird sich schwerpunktmäßig um das Thema Rauch dre­hen. Angelehnt an den flüchtigen Cha­rak­ter dieser Substanz wollen wir aber frei und fröhlich von da aus weiter assoziieren und einen Bogen von der Rauchverbotsdebatte über Gedanken zu Klimaschutz und Industrie bis hin zu geheimnisvollen Rauch­waren spannen. Weiters hat sich zwischen den Kettengliedern des Baggers einiges angesammelt, was wir der geneigten Leserschaft nicht vorenthalten wol­len: So wird es u.a. um Coltan, um Ballett, um kostenlos konsumierbare Musik gehen, und schließlich wird auch noch die Unendlichkeit gestreift. Des Weiteren versucht sich der Bagger erstmals im Rezensieren von Büchern, Filmen und Musik. Und beliebte Elemente, die bereits von der ersten Ausgabe bekannt sind, dürfen natürlich auch nicht fehlen: Mischmaschine, Baggerdelle, Hoch- & Tiefbau und tiefe Einblicke ins Maurerdekolleté sorgen wieder für charmantes Baustellenflair.

Klein, groß, unendlich, größer, ...

Unendliche Mengen und das Fürstentum Monaco

Wer meint, eine Menge mit unendlich vielen Elementen sei schon verdammt groß und nicht mehr fassbar, und wer nicht bereit ist, von diesem Standpunkt abzurücken, dem sei empfohlen, die un­selige Unternehmung der Lektüre dieses Bei­trages sofort zu beenden und sich anderen niveauvollen und informativen Artikeln dieser hoch­interessanten Zeitschrift zuzuwenden.

Da in der Mathematik Mengen von Zahlen aufgrund ihrer schönen Eigenschaften jederzeit als willkommenes Beispiel dienen (damit ist ihre Aufgabe aber auch schon erschöpft), wollen wir kurz an einige dieser Mengen erinnern:

Den Rest des Artikels lesen Sie im angefügten pdf.

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Allerleirauh - neutsch

„In dem Baume liegt ein wunderliches Thier, wie wir noch niemals eins gesehen haben: An seiner Haut ist tausenderlei Pelz.“

Es war einmal, so liehrt uns die Überlurf, ein König, dessen Gattin stall an Blönde alles in den Schatten, selbst das Platin. Als sie aber erkronk und ihr uhn, sie sön.ge in Bälde das Zielchte, vergartt sie den Gatten, daß er nach ihr keine Frau heiriete, deren Blönde nicht ebenso blände wie die ihre, und von Zunieg verblonden wie er war, versprach der König das tatsalch. Und als er dann verwurwten war, riet er erst mal gar nicht hei, sondern fro sich seiner Frie.

Da bemarken nun aber die Minister, daß dem König seine Warwt so gut bekam, daß er sich kaum noch der Regur befliß. Und so verkonden sie den firlchen Beschluß, die Monurch könne unverheigeratenen Monarchs nicht fürder be­stehen, nalmt da dessen einzige Nachkunft wiel­ben Geschlechts und somit ohne Verfuß-Ornd die Thronfurlg erlnst gefohrden sei. Ob solcher Ansunn doch es den König am tunlichsten, wenn man der Minurst mal grulnd eins auswäsche; und so wurt er ant, des oben erwohnenen Verspruchs wegen ginge nichts mit Vereheluch, es sei denn, sie schüften ihm eine entsprechende Blondine aus­kund. Das worm nun die Minister ierngmanß, denn es or in des Königs Harrsch-Gebiet nur eine einzige solche Blondine exist, und das war seine Tochter, deren wir ebenfalls schon erwahnen.

Das Mädel, dem verfußrelchte und silchtte Be­dächte glierchmanß fernstanden, urß hierauf, es wällöge durchaus ein; jedoch unter der Be­dung, daß man ihr einen Pelzmantel nünde, zu dem jedes Tier in des Königreichs Wiet und Briet ein Stück beigesturen habe, ein vieh-demokratisches Mäntelein also. Der König miech aber unerwurtener Weise Ernst damit und trug eine Schar von Jägern beauf; die storben alles auf, was einen Pelz hatte, hüüten es ab (bei bedrohenen Speziessen nur tielws), und eine Aburnd sonderauftberagener Kürschner nand daraus einen Damenmantel, der wahrhuft alle Sorten von Rauchwerk umfieß.

Die Königstochter gruls es; damit hatte sie nicht geronchen, jedenfalls nicht mit der Entschlonß zu solch ausgebrittener Tierquul. Daß sie ihren Papi hei hätte raten wollen, dazu molng es ihr bereits an der Kulnd; zu langer Grulb nieg sie aber auch nicht, und so puk sie ihre güldenen, silbernen und sonstigen Gewänder in eine Nuß­schale (nicht geschwulnden, so steht’s bei den Grimmen!), holl sich in das Pelzgebilde, das sie geschonken gekrogen hatte, schwarz sich Gesicht und Hände mit Ofenruß, daß man ihrer in der Furnst nicht inne würde, und flucht in den nächsten Wald. Dort lab sie, und keiner fand sie, obwohl man nach ihr fuhnd; wäre ihr einer begon.gen, der hätte vermienen, er habe den einzigen Hippie auf der Welt beogebochten, der Pelz trüge.

Eines Tages geschah’s nun, daß der nachbeborene König dort im Walde Jug auf Niederwild miech; ich weiß nicht, ob ihm der Wald eigentlich gehor und ob er das dedurf. Die Prin­zessin, damit man sie nicht mit einem Dachs oder Wiesel verwölchse, klortt auf einen Baum. Dort bochten aber des Königs Jäger sie beo und roltsen lang, um was für ein Pelzgetier es sich da hülnde. Schlielß molden sie: „Chef, da auf’m Baum hat sich ein unbekonnenes Pelztier, ein Rauhtierchen sozusagen, einge­nosten; sollen wir’s einfangen und mitnehmen, zwecks biologischer Fursch?“ „Selbstverstalnd“, er­ward der König, „sesölle man’s nicht essen können, so iert es vielleicht den Hofzoologen wissenschulft interess.“ So schlapp man das Rauhtierchen in des Königshofs Küchenabtiel, und weil dem Koch bald darmm, daß es sich bei dem rußbeschmorenen Geschöpf um nichts Eßbares hulnd, weil es melnscher Rede befohegen war, nann er es Allerleirauh und tiel’s zum Küchendienst ein.

Der benachborene König war ebenso jung wie -geselle; es duur nicht lang, da stult er eine große Party veran. Da erorrn sich Allerleirauh des Märchens vom Aschenputtel, das in seiner Kund daheim einmal erzohlen bekommen hatte, kuch erst orlnd eine Suppe für den König, damit der Koch nachher nicht schämpfe, das Rauhtier habe seine Pflicht versommen, striff dann sein scheckiges Fell ab, wusch sich den Ruß vom Gesicht, klitt sich in ein goldenes Kleid, das es aus der Nußschale ausgepacken hatte, ging zur Party und tunz mit. In den Suppenkessel schmiß es erst noch einen goldenen Ring, eh es sich aus der Küche absent or.
Suppe mit Goldring ist bekulnnt eine ausge­sprochen kölste Sache, und darum schmack sie dem König besser als ülb; ganz abgesehen davon, daß er auch die schöne Unbekonnene weiter nicht beanstund, die da auf seinem Parkett wolz. Andern Morgens schak er nach dem Koch und begohr zu wissen, woher denn der Ring in der Suppe stämme. Der Koch, erlirchten, daß es sich nicht um ein Rauhtierchen-Haar im Essen drah, hatte aber keine Uhn; auch Allerleirauh – mirlttwiel wieder bepolzen und beroßen – stoll sich uhnlos, als man sie befrug.

Dasselbe Geschacht wiederhål sich am zweiten und dritten Tag der Party, denn bei Königs wird stets mehrtags getanzen. Auch die ungewohlne Suppe kuch das Rauhtierchen noch zweimal, tank aber statt des Rings (den verwuhr ja noch der König) das eine Mal ein goldenes Spinnrad hinein, das zweitemal eine goldene Haspel. (Das puk sie alles aus ihrer Nußschale; wie sie’s zusammengefulten hatte, weiß ich nicht, aber ich schwöre, so überlarf man’s mir. Was ist ielngt eine Haspel?) Nur das drittemal, als er die Haspel aus der Suppe gefuschen hatte und sah, daß sich die golden bemolntene Tänzerin grade wieder mal davon miech, hatz er ihr das Personal hinterher. Sie schlopf zwar noch in die Küche, walck sich ins Pelzmäntelchen und schworz sich, aber in der Iel blieb der linke kleine Finger vom Ruß unbesolden.

Am ungeschworzenen Finger – wem liüchte das nicht ein? – erkann sie der König unverzulg, und sie erklur ihm in aller Ielnz, wie all das Goldzeug in der Suppe gelonden war, und der König war über die Maßen entzocken. Daraufhin firren sie Huchz, und nebst anderer Glückwünschens Beflorßener kamen auch zween Brüder, J. und W. Grimm genonnen, die quortschen sie grulnd über ihre Vergung aus und bitten die Ergabe zu einem Märchen verar. Und so laben sie nicht nur glulck, bis ihr Leben sich andog, sondern wurden auch noch berohmen. Zumindest Allerleirauh.

P.S.: Wenn Sie kein Märchenbuch zu Hause haben – die langweilige Fassung von „Allerleirauh“ gibt’s hier und Informationen zu neutsch bei der Gesellschaft zur Stärkung der Verben

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Horoskop - Mai - Juli 2007

Nichtraucher

NichtraucherDa reden alle vom Nichtraucherschutz und Rauchverboten, und dann geschieht nichts. Kellner lassen heimlich ihre selbstauferlegten grünen Nichtraucherschildchen verschwinden, wenn eine aus den Mäulern stinkende Rauchermeute auftaucht, und mir nichts dir nichts sitzen Sie wieder im Qualm. Es wäre jedoch gefährlich, dafür die Obrigkeit zu beschuldigen: Verantwortlich dafür ist nämlich eigentlich der ungünstige Einfluss des Quäsars 3C273 auf Beamtengemüter. Es bleibt Ihnen also nichts übrig, als mit Arietis Hilfe weiterhin gegen das übelriechende Raucherpack zu wettern; oder Sie üben sich in Toleranz und der Kunst des Passivrauchens. Die dritte und einfachste Möglichkeit: Beginnen Sie selbst zu rauchen. Dieses Entgegenkommen kann Ihnen reich abgegolten werden durch neue Bekanntschaften und berufliche Anerkennung – oder aber Ihr/e (Ehe)-PartnerIn verlässt Sie, Sie werden depressiv und verlieren Ihren Job. Ein weiterer Nachteil: Dieser Schritt ist nur unter erschwerten Bedingungen reversibel.

Raucher

RaucherIn letzter Zeit beschleicht Sie immer häufiger das Gefühl, dass sich die Zeiten geändert haben – mit Recht! Früher war Rauchen noch cool und der Staat stolz auf seine zahlenden Raucher, heute spricht man allerorts von Rauchverboten und Nichtraucherschutz. Saturn gibt Ihnen und der Lobby Kraft, diese zunehmende Stigmatisierung zu ertragen. Bleiben Sie also ruhig und ignorieren Sie weiterhin alle schwarzumrahmten Warnschildchen. Ihre Pläne, das Laster aufzugeben, werden ohnehin vereitelt (Venus-Einfluss). Empfohlene Vorgangsweise: die Flucht nach vorne. Präsentieren Sie stolz ihre nikotingelben Fingernägel bei wichtigen Konferenzen und hauchen Sie der/dem Liebsten vergnügt den Rauch ins Gesicht (vielleicht bei einem romantischen Dinner?); bringen Sie Ihre Kinder mit Ihrem morgendlichen Raucherhusten zum Lachen! In Zukunft sollten Sie allerdings vermehrt auf Ihre Finanzen achten: Mdme Crystals Granitkugel (sie arbeitet grundsätzlich mit schwerem Gestein) kann weitere drastische Erhöhungen der Tabaksteuer nicht ausschließen.

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Allerlei Rauch

Wie man durch konsequente Grimm-Lektüre zu Geld hätte kommen können. Modernes Märchen ohne Zwischentitel.

Wir schreiben den 2. Februar 2007. In der be­liebten Quiz-Sendung eines deutschen Pri­vat­senders wird einem Kandidaten für 32 000 € die Frage vorgelegt: „Was versteht man unter Rauchwaren? A: Tropenhölzer, B: Edelsteine, C: Kaffee, D: Pelze.“ Der Kandidat ist ahnungslos. Der Moderator Günther J., dessen Name sich (nebenbei bemerkt) auf Rauch reimt, rät zu einem Telephonjoker; der Angerufene hat genauso wenig Ahnung.
Eine schwierige Frage, gewiß. Tropenhölzer, wenn man sie verbrennt, würden ganz bestimmt rauchen, namentlich wenn sie frisch geschlägert sind. Aber ist das ihre eigentliche Bestimmung? Man entsinnt sich der zentralasiatischen Pa­­ra­bel vom Holzfäller, der einen teuren Sandel­holzbaum zu Kohle brannte und dann für ein paar lächerliche Groschen auf dem Wochenmarkt losschlug; ein prophetisches Bild moderner Bil­dungs­politik. Kaffee dagegen muß man erst brennen, damit er genießbar wird, und das ge­schieht unter Rauchentwicklung; auch erfährt man in der Edelsteinkunde vom Rauchquarz und vom Rauchtopas. Pelze aber, nein, die rauchen nicht; höchstens manchmal die Personen, die sich in Pelze hüllen. So gesehen kämen drei der Antworten in Frage, nur „D: Pelze“ wären auszuschließen.

Man beachte die Bosheit der Fragenredaktion, die darin liegt, daß geflissentlich die Havanna­zigarren weggelassen wurden. Wären sie da­gestanden, oder wenigstens Pfeifentabak, hätte ein naiver Kandidat sofort zugegriffen und dem Sender damit Geld erspart; ein Gewitzterer hätte gedacht, so einfach könne es nicht sein, und das Rauchbare sofort ausgeschlossen, um die Gewinnwahrscheinlichkeit bei bloßem Raten auf ein Drittel zu steigern. So aber wird die Qual der Wahl in die Länge gezogen und auf die Spitze getrieben; die reine Psychofolter. Da raucht noch mehreres andere; zum Beispiel die Köpfe, oder auch die Daumen der Fernsehzuschauer beim angestrengten Lexikonblättern.

Da findet man nun, wie es die alphabetische Ordnung mit sich bringt, völlig Heterogenes auf derselben Doppelseite zusammengedrängt. Ehe es Wörterbücher gab, mußten sich die Leute mit den bedenklichsten Surrogaten zufriedengeben, wenn sie mit geringem Blätter- und keinerlei Marschaufwand einen raschen Blick in die Fülle der ganzen Welt tun wollten: In der Spätantike etwa griff der Gebildete zu seiner Homer-Gesamtausgabe, schlug sie aufs Geratwohl auf und tippte mit geschlossenen Augen auf einen Vers, in dem er dann eine Deutung seiner augenblicklichen Lebenslage zu erspähen suchte. Noch später, sehr zum Unmut der Beichtväter, fielen die Christen in ähnlicher Weise über ihre Bibeln her, namentlich über die Apokalypse oder das Buch der Psalmen.

Es ist leicht einzusehen, daß jeder Erzähl­zusammenhang (ob vom Brand Trojas die Rede ist oder vom Auszug aus Ägypten) dem Text in höchst unerwünschtem Ausmaß die Zufälligkeit raubt. Selbst das Wettern des Propheten, die Verzückung des Psalmisten, ja sogar bewußtes Verschleiern des Textinhalts, wie es Joyce in Finnegans Wake sogar sich selbst gegenüber versuchte, bringt in die Worte, die auf einer Seite stehen, noch immer wesentlich mehr Ordnung, als der Mensch jemals der Totalität seiner Alltagssituation zu ent­nehmen vermag. Seiten, auf denen nichts steht, oder nur Buchstabenkombinationen, die in keiner bekannten Sprache Sinn ergeben, befriedigen das Bedürfnis nach völliger Unordnung aber auch nur schein­bar; ihnen fehlt der Anschein der Vertrautheit. Denn schließlich leben wir in einer Welt, in der wir die Gegenstände zu kennen meinen und ihre Verhältnisse zueinander, ihr Verhalten sogar als vorhersagbar ansehen; erst sehr bewußter Analyse erschließt sich, daß wir schon nicht wissen, woraus der Teekannendeckel eigentlich besteht, und daß erst recht der Tisch, an dem wir täglich sitzen, genauso wie wir selbst jeden Tag ein anderer ist.

Was dem klassischen Erzähler ebenso mißlingt wie dem Dadaismus – ein treues Abbild der Fülle des Tatsächlichen – gelingt dem nach ABC sortierten Lexikon: Es haucht seinem Leser eine Informationswolke ins Gesicht, von der ihm die Augen tränen, und sobald es ihm gelungen ist, sich darin zu orientieren, dämmert ihm, daß er tatsächlich mitten im Qualm steht. Zum Beispiel, wenn er es unter dem Stichwort „Rauch“ aufschlägt.
Rauchzeichen kennen Sie, vom Indianerspielen her. Rauchgas auch, und Rauchschwaden. Wenn Sie auf dem Gebiet der EU leben, ganz gewiß auch das Rauchverbot. Wann aber haben Sie zuletzt ein Rauchopfer dargebracht oder ein Rauchfaß geschwenkt? Haben Sie Fenster aus Rauchglas? Trinken Sie manchmal Bamberger Rauchbier? Nisten Rauchschwalben unter Ihrem Dachsims – oder haben Sie gar keinen Dachsims? Haben Sie eine Rauchfahne? Steht Ihnen neben dem Rauchfleisch auch das Raucherbein vor Augen – oder noch schlimmer, wollen Sie gar nicht, daß es da steht? Das Wörterbuch ist unerbittlich. Dabei suchen Sie doch nur Rauchwaren.

Sehr, sehr weit müssen Sie blättern, bis Sie auf eine Notiz des Germanisten Jakob Grimm stoßen, die lautet: „Allerlei Rauch“. Ihm selbst gefiel sie so nicht: Im Inhaltsverzeichnis seiner (und seines Bruders Wilhelm) 1812 erstmals erschienenen Kinder- und Hausmärchen veränderte er den Titel zu „Allerleirauh“. Und unter diesem finden wir die wundersame Geschichte einer Prinzessin, die sich einen Pelzmantel wünschte – nicht irgend­einen, sondern einen aus allen, wirklich allen Arten von Pelz. In den hüllte sie sich, um den amourösen Nachstellungen ihres Vaters zu entgehen – auch das kann unangenehm aktuell anmuten, eine in Hamburg ins Leben gerufene Anlaufstelle für sexuell mißbrauchte Kinder hat ihren Namen von dem Märchen entlehnt.

Die Kunterbuntheit des bewußten Mäntelchens veranlaßte Grimms Kollegen H. M. Enzensberger, eine Sammlung internationaler Kinderreime, die er 1961 herausgab, liebevoll Allerleirauh zu be­titeln; ein anderer Kollege seligen Angedenkens, H. C. Artmann, persiflierte das Büchlein 1967 in gewohnter Respektlosigkeit unter dem Namen allerleirausch (der Titel spricht für des Dichters Inspirationsquelle). Beide Bändchen, die wir somit gefunden haben, ohne sie zu suchen, können wir abschließend aufschlagen und etwa lesen: „auf dem berge ararat / wohnt der schneider drakulat, / seine frau, die nosfretete, / saß am särgelein und nähte“. Oder hören wir lieber die Stimme der Vernunft: „Ich möchte für tausend Taler nicht, / daß mir der Kopf ab wäre: / sonst lief ich mit dem Rumpf herum / und wüßt nicht, wo ich wäre.“

P. S.: Das Grimm’sche Märchen von Allerleirauh, in leicht veränderter, aber dem Inhalt darum nicht minder adäquater Sprachform finden Sie hier.

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Tschik und Bier

Sie suchen nach einem erlesenen Schmankerl für Ihre Freunde? Ihre Schwiegereltern haben sich kurzfristig zum Essen angekündigt? Eines Ihrer Kinder feiert Geburtstag? Sie haben Ihre Nachbarn zum Brunch eingeladen?
Situationen, die einen immer wieder vor die gleiche Frage stellen. Was soll ich kochen, das schnell und einfach geht, aber doch eine gewisse Exklusivität vermittelt und garantiert ein Erfolg bei Jung und Alt wird?
Eine Erfolg versprechende Variante für alle diese Gelegenheiten, ein bewährtes und beliebtes Rezept soll heute vorgestellt werden:

Tschik und Bier (für 4–5 Personen)

Zutaten: 2–3 Kisten (Paletten) Bier
5 Packungen Zigaretten
1–3 Feuerzeuge (Packungen Zündhölzer)
1 Flaschenöffner (optional)

Zubereitung:

AschenbecherDie Flaschen (oder Dosen) Bier müssen bereits etwa eine Stunde vor Eintreffen der Gäste in den Kühlschrank gelegt werden. Optional können sie jedoch auch für etwa 15 Minuten im Gefrierschrank deponiert werden, dabei muss jedoch darauf geachtet werden, dass die Flaschen (Dosen) rechtzeitig wieder entnommen werden. Im Falle der Verwendung von Flaschen ist ein Öffner notwendig, jedoch kann optional auch zum Öffnen der Flaschen das Feuerzeug verwendet werden (ein bisschen Übung im Vorfeld garantiert den Erfolg). Die Zigaretten sollten von den Gästen in regelmäßigen Intervallen selbst entzündet werden, als galanter Gastgeber empfiehlt es sich aber, ab und zu „Feuer zu geben“ (vor allem bei Damen sehr beliebt). Zu beachten ist noch, dass bei jeder Bierentnahme aus dem Kühlschrank eine Flasche (Dose) nachgelegt wird, um ungebrochenen Genuss zu gewährleisten.

Somit bleibt nur noch gutes Gelingen zu wünschen und

Guten Appetit!

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Achtung: Heiß und fettig!

Der Weg zum Steinkohlekraftwerk führt uns mitten durch das Ruhr­gebiet. Bochum, Gelsen­kir­chen, Recklinghausen lassen wir hinter uns, um wenig später nach Herne zu kommen. Bereits einige Kilometer vor Herne ist das Kraftwerk mit seinem 300 Meter hohen Schlot nicht mehr zu übersehen. Je näher wir kommen, desto mehr dominieren Kohlehalden und Industrieanlagen die Umgebung direkt am Rhein-Herne-Kanal.

Strom für zweimal Wien

Vor Ort im Kraftwerk werden wir zu allererst in einen klimatisierten Seminarraum geführt und von Herrn Mohnheim, dem Technikchef des Kraftwerks, begrüßt. Voller Elan erklärt uns der Mittfünfziger mit Schnauzer und rot-braunem Haar die grundlegenden Infos zum Steinkohlekraftwerk in Herne. Bereits seit 1962 wird demnach in den beiden ersten Heizblöcken je bis zu 150 MW an Strom pro Stunde erzeugt. 1966 folgte der doppelt so große dritte Block, dies­mal auch mit gekoppelter Wärmeerzeugung. 1989 kam zuletzt der vierte und heutzutage modernste Block im Kraftwerk dazu, und im Zuge dessen wurde der erste, veraltete Block geschlossen.
Wie wir in einem Informationsvideo erfahren besitzt das Kraftwerk heute insgesamt eine Gesamtkapazität von 950 MW und vermag damit immerhin eine Stadt mit beinahe 3 Mio. Einwohnern für ein Jahr mit Strom zu versorgen. Während der rund 20 Minuten werden uns die Abläufe im Kraftwerk vor Augen geführt. Unserem Gastgeber merkt man dennoch mehrmals deutlich an, dass er dem Video noch an derselben Stelle viel mehr hinzuzufügen hätte. So behält er es zwar vorerst für sich, um uns gleich nach Ende des Videos einzuweihen, dass man als richtiger Kraftwerker niemals von „Emissionen“ spricht, sondern immer nur von Rauchgasen.

Die Tradition der Kraftwerker

Überhaupt liegt Hrn. Mohnheim einiges am traditionellen Berufsstand der Kraftwerker, den eigentlichen Künstlern, die ein Kraftwerk am Laufen halten. Umso mehr betrübt es, dass die Auswirkungen der Öffnung der europäischen Strommärkte nicht immer positiv für Kraftwerker waren. Wo früher an die 600 Mitarbeiter gear­beitet haben, gibt es seit einigen Jahren nur mehr 250 Arbeiter und Angestellte, die den ordnungsgemäßen Ablauf garantieren. Mit einem Augenzwinkern gesteht er ein, dass „früher nicht jeder immer viel zu tun hatte“. Dennoch kann es jetzt schon manchmal knapp werden, wenn pro 8-stündiger Schicht statt der früher üblichen 6–8 Arbeitern heutzutage nur mehr allerhöchstens 2–3 Kraftwerker, Leittechniker oder Schlosser ein Auge auf den Heizblock haben. Zusätzlich stehen noch Elektrotechniker auf Abruf bereit, besonders in Krankheitsfällen können aber durchaus Engpässe entstehen. Da ist es durchaus eine Ironie des Schicksals, dass ob der jahrelangen Aufnahmestopps neuer, jun­ger Mitarbeiter in naher Zukunft sogar die Ge­fahr besteht, nicht einmal mehr diese wenigen Stellen adäquat besetzen zu können.

Simpsons-Feeling in der Schalt­zentrale

DampfkesselDie wirkliche Tour durchs Kraftwerk beginnt dann mit dem Gang zum Heizblock und dem Verteilen des für alle vorgeschriebenen Kopfschutzes sowie der eindringlichen Bitte „auch wirklich nichts anzufassen“, schließlich kann hier jedes Teil im schlimmsten Fall heiß sein oder zumindest schmutzig machen. Gerade Letzteres wird sich im Laufe der nächsten 1,5 Stunden noch das eine oder andere Mal bestätigen.
Spätestens im Aufzug wird dann deutlich, dass in Kraftwerken in gänzlich anderen Dimensionen gedacht wird. Vergeblich sucht man nach einer gleichmäßig aufsteigenden Stockwerksangabe, stattdessen wird hier alles in Metern über null an­gegeben. Entsprechend führt uns die Fahrt ins „Hirn“ des Kraftwerks nicht in Stock 3, 5 oder 8, sondern vielmehr auf 14m über null. Dort angekommen zwängen wir uns in die Schalt­zentrale des Kraftwerks, von wo beide Blöcke 3 und 4 gesteuert und hunderte ihrer Messwerte verfolgt werden. Der Anblick der drei gemächlich von Monitor zu Monitor blickenden Kraftwerker lässt unbewusst Erinnerungen an die Simpsons hochkommen.
Wenige Meter weiter betreten wir den eigent­lichen Entstehungsort des Stroms, wo der im Kessel auf bis zu 530° erhitzte Dampf die Blätter der überdimensionalen Dampfturbine mit mehr als 3.000 Umdrehungen in der Minute antreibt. Dieser Druck hält die Turbinenwelle in Bewegung, welche schließlich den Generator antreibt. Um einen Eindruck zu bekommen, wie viel Energie im Generator umgewandelt wird, reicht es bereits, nur neben Dampfturbine und Generator zu stehen.
Schnell wird klar, warum dies der einzige Raum ist, vor dessen Eingang ein offensichtlicher Man­gel an den sonst im Überfluss verfügbaren gelben Ohrstöpseln herrscht. Ein ohrenbe­täubendes Surren und künstliches gelbes Licht dominieren die Halle, zuletzt sorgen das fühlbare Vibrieren der Turbine sowie eine Innentemperatur von konstant 35 Grad für ein wenig angenehmes Arbeitsklima. Ein bis zu 150 Tonnen tragfähiger Kran lauert still über unseren Köpfen und wartet darauf, irgendwann einmal wieder die Turbine zu bewegen.

Ein Blick von oben auf den Kessel

Zurück im Aufzug geht es dieses Mal bis in die höchste Etage auf 110 Meter. An dieser Stelle ist der Heizkessel des 4. Heizblocks aufgehängt, mit unzähligen Schrauben von mehreren Zentimetern Durchmesser befestigt. Aufgehängt nicht zuletzt deshalb, weil sich Kessel dieser Größenordnung bei Betriebstemperatur um mehr als 1 Meter ausdehnen. Lediglich durch die Aufhängung kann der Kessel problemlos nach unten wachsen, wenn die getrocknete und zu Staub zermahlte Kohle mit Druckluft in den Kessel eingeblasen und dort bei Temperaturen von bis zu 1.400° C verbrannt wird. Dabei gilt, je kleiner der Kohlestaub, desto größer ist die Oberfläche und umso effektiver und umweltverträglicher geht die Verbrennung vonstatten. Kilometerlange, mit Wasser gefüllte Schläuche innerhalb des Kessels werden durch die bei der Verbrennung entstehenden Rauchgase erhitzt und leiten den Dampf zur Strom­erzeugung in die Dampfturbine.
Kurz vor Ende unserer Tour führt uns dann der Weg über Stiegen aufs Dach des Heizblocks in eine Höhe von 120 Metern. Obwohl der Blick vom schlechten Wetter leicht getrübt ist, bietet sich uns ein perfekter Rundblick auf die umliegenden Kohlehalden, andere Kraftwerke und weite Teile des Ruhrgebiets inklusive der neuen Fußball-Arena „Auf Schalke“.

Der Umwelt zuliebe

Auf dem langen Weg zurück zum Ausgangs- und zugleich Endpunkt der Tour kommen wir an den sieben alten, pilzförmigen Kühltürmen vorbei, von denen heutzutage nur mehr zwei in Betrieb sind. In den unten herum offenen Türmen fällt das im Kondensator des Heizblocks erhitzte Wasser aus rund 30 Meter Höhe herunter und kühlt dabei wieder auf rund 20° C ab. Etwa 6% des Wassers verdampfen durch die obere Öffnung des Kühlturms und werden in der Folge mit jähr­lich 11 Mio. Kubikmetern Was­ser aus dem angrenzenden Rhein-Herne-Kanal ersetzt.
Direkt neben den Kühl­tür­­men befinden sich die Produktionsstätten für jene Endprodukte, die ursprünglich nicht immer erwünscht waren, heutzutage aber für einen nicht zu vernachlässigenden Teil am Ergebnis eines Kraft­werks teilhaben. Neben Strom und der aus dem Dampf ge­wonnenen Fernwärme müssen im Steinkohlekraftwerk auf­grund von Umweltschutz­be­­­stimmungen die in den Rauch­gasen enthaltenen Asche- und Staub­teilchen, Stickoxide und Schwefeldioxid entsorgt und weiterverarbeitet werden. Während die Stickoxide in der so genannten DENOX-Anlage mit Ammoniak reagieren und dabei zu Stickstoff und Wasser­dampf umgewandelt werden, bleiben die Asche­teilchen an Elektrofiltern haften und werden dort sprichwörtlich abgeklopft und auf diese Weise gesammelt. Die Schwefeldioxide werden in einer Rauchgasentschwefelungsanlage her­aus­­gewaschen, wobei Schwefeldioxid mit Kalkmilch reagiert und reiner ungefährlicher Gips entsteht.
Alle diese aus den Rauchgasen gewonnenen Reststoffe können bereits im Kraftwerk unschädlich gemacht werden und sogar noch einer weiteren nützlichen Verwendung zugeführt werden. Insgesamt werden neben der Stromerzeugung jährlich 242.000 Tonnen Filterasche produziert, 153.000 Tonnen Granulat für die umweltschonende Salzstreuung und rund 86.000 Tonnen Gips.
Aussicht

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Tiefbau: Rauchen

Ich finde Rauchen ja prinzipiell gut. Trotzdem gibt es daran eine Sache, die sehr ärgerlich ist: die Rauchverbotsdebatte. Man möge mir Vergesslichkeit vorwerfen, aber ich kann mich nicht erinnern, wann zuletzt im öffentlichen Diskurs eine derart un­ehr­liche Argumentation geführt wurde. Mir scheint, die stärksten Be­für­worter eines solchen Verbotes sind einerseits willensschwache Rau­cher, die seit ewigen Zeiten das Auf­hörenwollen nicht umzusetzen ver­mögen, und auf der anderen Seite Menschen, die ohnehin einen Lebenswandel pflegen, der sie nicht allzu oft in die Verlegenheit bringt, dass das Atmen mit Passiv­rauchen verbunden werden muss.
Im Gegenlager tummeln sich die erstaunlich schwa­chen Lobby­isten der Ta­bakindustrie, die ir­­gend­was von Freiheit und Men­schenrechten er­zählen.
Hätte sich nie jemand eine Zigarette angesteckt, wir hätten mehr Muße für notwendigere Diskussionen und man müsste sich das ganze aufgeregte Geschnatter nicht anhören. Außerdem wäre die Luft in Lokalen besser, aber das ist wieder ein anderes Thema.

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Hochbau: Rauchen

Die Römer saßen gemeinsam auf ihren Latrinen und unterhielten sich während der Verrichtung ihres Geschäftes. Unvorstellbare Sitten, und der Gestank, eine Beleidigung der Sinne! Noch bis in die Mitte des vorigen Jahrhunderts war es undenkbar, ohne Hut auf die Straße zu gehen, eine barhäuptige Gesellschaft im öffentlichen Raum wäre als inak­zeptabel und als Beleidigung für das Auge angesehen worden. Hätten Sie gerne einen Hirn-vom-lebenden-Affen-Verspeiser am Nebentisch? Alkohol im öffentlichen Raum? Bei uns: Ohne 16er-Blech bin i’s ned. In den USA: Pfuiteufel!

Und der Rauch? Um die vorletzte Jahr­hun­dertwende symbolisierten ver­rauch­te Räumlichkeiten die At­mo­sphäre des intellektuellen Bür­gertums. Einen Hauch von Welt(mannstum), einen Lebensstil, Wohlstand und An­sehen. Niemand wäre auf die Idee ge­kommen, zu hüsteln, die „tränenden“ Augen zu verdrehen oder die Kleider nach der Abendunterhaltung chemisch rei­nigen zu lassen.

Politik beeinflußt die Sinne! Weil uns weis­­gemacht wird, daß Rauchen ge­sund­heits­schädlich ist, stinkt Rauch plötz­lich, wer­­den rauchfreie Zonen gefordert, sind ver­rauchte Kleidungsstücke plötzlich nicht mehr tragbar. So wie die römischen Latrinen für uns Nichtgemeinsamscheißer stinken, stoßen sich die Nichtraucher plötzlich am blauen Dunst. Der Weg zurück: verbaut! Es ist viel leichter, jemanden glauben zu machen, daß ihn etwas stört, als umgekehrt.

So erweisen sich gerade die Gelüste der Nichtraucher als gesellschaftlich beeinflußt, ein Phänomen, das immer wieder gerne den Rauchern, vor allem im jugend­lichen Alter, nachgesagt wird. Sind wir wirklich so un­eigenständig, daß wir uns von der Politik unsere sinnliche Wahrnehmung vorschreiben lassen müssen?

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Netzwerkgeschichten

Was ein nicht mehr wegzudenkender Alltagsgegenstand mit Armut und Bürgerkriegen in Afrika zu tun hat.

Netze verbinden

Zugegeben, ein Handy ist schon was Praktisches. Vielleicht sind es gerade diese Dinger, die das soziale Leben in den 90er-Jahren am stärksten verändert haben. Das gesamte Leben lässt sich bei Weitem flexibler und einfacher gestalten. Ist mau zum Beispiel über drei Ecken zu einer tollen Party eingeladen, hat aber, weil das alles so kompliziert war, vergessen, die genaue Adres­se zu erfragen, dann genügt – wenn mau ori­en­­tierungslos an der U-Bahn-Station steht – ein Anruf und schon wird einem der Weg zum Ort des Geschehens bis ins letzte Detail erklärt. Steht mau dann vor der Haustür und bemerkt durch das schon freundlich und einladend auf die Straße dringende lustige Ge­lärme, dass es sehr wohl die richtige ist, aller­dings keine Ahnung von der Türnummer hat – wieder derselbe Lösungs­weg:

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Satyagraha!

Mahatma Gandhi hat vielleicht gewisse Fehler gemacht und der von ihm vorgeschriebene Weg führt wohl auch nicht in jeder Situation und zu jeder Zeit zu einem glücklichen Ende. Nicht einmal in Südasien war er damals völlig erfolgreich, da er zwar die Unabhängigkeit von Großbritannien herbeiführte, aber die Aufteilung der Kronkolonie in einen muslimischen Staat Pakistan und den Hindustaat Indien, die Massenflüchte, Massaker und einige Kriege hervorrief , nicht verhindern konnte.

Eine zentrale Idee aber – das wohl wichtigste Element im Unabhängigkeitskampf – könnte, würde sie heute sowohl in der Politik als auch im persönlichen Bereich selbstbewusst angewendet werden, durchaus nach wie vor für alle von Vorteil sein: Das Festhalten an der Wahrhaftigkeit (Sanskrit: satyagraha). Dabei geht es nicht um puren Populismus, Stamm­tischreden oder darum, dem Volk aufs Maul zu schauen, sondern darum, die Situation analytisch zu untersuchen und ohne Umwege aufrichtig darauf zu reagieren – sozusagen ein Handeln nach bestem Wissen und Gewissen gegenüber sich selbst und der Gesellschaft.
Dazu muss man/frau nicht unheimlich weise oder erfahren sein, es geht nur darum, sich nicht selbst zu betrügen, darum, sich nicht einzulullen und einzuschläfern. Darum, nicht den ganzen Tag missmutig zu sein, unzufrieden mit dem Leben, der Arbeit, der Politik und was uns sonst noch alles betrifft, und dann am Abend am Stammtisch oder beim Telephonat mit FreundInnen darüber zu jammern, schimpfen und revoltieren.
Es geht um eine innere Revolution, darum, das zu machen, was man/frau denkt.
Warum müssen wir 40 Stunden arbeiten, wenn wir an allen Enden und Ecken einen Überschuss erwirtschaften, der dann nicht einmal Mittelloseren zugute kommt? Wozu brauchen wir ein Wirtschaftswachstum, das unsere „Lebensqualität“ erhöht, wenn Leute, denen es materiell überdurchschnittlich gut geht, statt natürlichen Gebrechen Zivilisationskrankheiten wie Depression oder Allergien entwickeln? Warum leisten wir uns den Luxus einer überdimensionierten und ineffektiven Infrastruktur, wenn wir genau wissen, dass das auf Kosten zukünftiger Jahrzehnte und Generationen geschieht?
Warum, verdammt noch mal, leben wir nicht ein bisschen ehrlicher?
Satyagraha jetzt!
va

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RSS - #2 - Rauch, Mai 07 abonnieren