#2 - Rauch, Mai 07

RauchUnd weiter wälzt sich der Bagger auf seiner Reise durch erforschtes und unerforschtes Gebiet. An einer Stelle gräbt er diesmal tiefer: Diese Ausgabe wird sich schwerpunktmäßig um das Thema Rauch dre­hen. Angelehnt an den flüchtigen Cha­rak­ter dieser Substanz wollen wir aber frei und fröhlich von da aus weiter assoziieren und einen Bogen von der Rauchverbotsdebatte über Gedanken zu Klimaschutz und Industrie bis hin zu geheimnisvollen Rauch­waren spannen. Weiters hat sich zwischen den Kettengliedern des Baggers einiges angesammelt, was wir der geneigten Leserschaft nicht vorenthalten wol­len: So wird es u.a. um Coltan, um Ballett, um kostenlos konsumierbare Musik gehen, und schließlich wird auch noch die Unendlichkeit gestreift. Des Weiteren versucht sich der Bagger erstmals im Rezensieren von Büchern, Filmen und Musik. Und beliebte Elemente, die bereits von der ersten Ausgabe bekannt sind, dürfen natürlich auch nicht fehlen: Mischmaschine, Baggerdelle, Hoch- & Tiefbau und tiefe Einblicke ins Maurerdekolleté sorgen wieder für charmantes Baustellenflair.

Global Warming Swindle

Rauch und Dampf überall – auch auf dem Mars.

Kopfnote: Was heißt MIR? Wir müssen mit Zeichen sparen, schon wieder teurer geworden! Deswegen: statt Urquellangaben: für Mehr Infos Recherchieret!!

kurze Beschreibung
Vergangenheit

Wie viele Katastrophen haben wir schon über­lebt! Statistisch gesehen war der Schwarze Tod Mitte des 14. Jahrhunderts die schlimmste: Ein bis zwei Drittel von uns waren in Europa und in Asien tot. Gleich vor der glorreichen Renaissance. Kein Vergleich jedoch mit den ma­kabren Katastrophen, die wir in den letzten Jahr­zehnten überstanden haben. Meistens waren sie mit einem Gutenberg‘schen Bündel ver­knüpft.

Schon 1946 haben WissenschafterInnen katas­tro­phische Dürreperioden vorhergesagt. 1972 ist der Knüller Die Grenzen des Wachstums erschienen: Darin steht, dass uns innerhalb von 20 Jahren Rohstoffe wie Zinn, Zink, Gold und Öl einfach ausgehen. 1977 sagte der amerikanische Präsident Jimmy Diktatorenküsser Carter, dass wir in 10 Jahren kaum Öl haben werden. Paul Ehrlich (The Population Bomb) wusste schon im Jahre 1968, dass innerhalb von 10 bis 20 Jahren fürchterliche Hungersnöte ausbrechen werden. Lowell Ponte (The Cooling) wusste im Jahre 1976 über eine neue schreckliche Eiszeit Bescheid. MIR

Wir überlebten das alles – und es geht uns immer besser. Ein Teil von Europa hat noch vor 20 Jahren hinter Stacheldraht, Mauer und Kalaschnikow von Maturareise, McDonalds und Bagger nur traurig geträumt – jetzt spenden diese freien, langsam reich werdenden Menschen gar nicht wenig für die Tsunami-Opfer und fahren bessere Autos als Trabis, die ein Umweltverbrechen waren. Auch in den ärmsten Ländern der Welt haben sich die Lebensbedingungen deutlich verbessert, mit einer bösen Ausnahme: AIDS droht Millionen Menschen südlich der Sahara zu töten. Kinderarbeit in den ärmeren Ländern sank in den Jahren 1975 bis 2003 von 34,9% auf 16,4%, Kindersterblichkeit von 147 auf 52 pro 1000 Kinder und die Lebenserwartung stieg von 49.2 auf 58 Jahre. MIR.

Gegenwart

Über Katastrophen schreiben die MSM, die Mainstream-Media, gerne. Seit Jahren nähert sich bedrohlich die Dicke Bertha unter den Katastrophen, die Globale Erwärmung (GE). Einige Folgen von South Park sind der GE gewidmet, zum Beispiel Two Days Before the Day After Tomorrow. Und hört: Ein Prophet kam, mit der Dicken Bertha kam ein schweres Geschütz, der Schwere Gustav, auch Albert Arnold Gore genannt. Einen Film ließ er drehen, eine Wahrheit, eine ungemütliche.

Al Gore hat gedreht – und in seinem Film vieles verdreht oder „vergessen“. Zum Beispiel die GE vor ca. 1000 Jahren. Manche behaupten gar, dass der Meeresspiegel seit ca. 9000 Jahren steigt, um 1.5 mm jährlich. Oder dass der Spiegel vor ca. 10000 Jahren um 120 Meter tiefer war. Britannia hätte damals keine splendid isolation gehabt, da mit dem Kontinent verbunden. Napoleons Horden oder Guderians Panzer hätten babyleichtes Eroberungsspiel gehabt.

Streng klingt der Satz, dass wir fürchterliche 70 Millionen Tonnen CO2 täglich produzieren. Einen Atme-Nix-Tag also einführen, weil wir nur durch Atmen gute 6 Mille Tonnen täglich auspusten. SportlerInnen mehr, faule Säcke weniger. Zum Vergleich: Der tägliche Austausch von CO2 zwischen Festland und Atmosphäre beträgt ca. 3000 Mille Tonnen. MIR
Der Schwere Gustav suggeriert uns, dass alle WissenschafterInnen seiner Meinung sind. Das stimmt nicht: Es gibt viele OptimistInnen, die das Wachstum bejahen. Nur sind diese Leute we­niger bekannt. Herman Kahn oder John L. Daly, Autor des Buches The Greenhouse Trap, N. Scafetta, B. J. West, Roy W. Spencer, Ro­bert C. Balling, Bjørn Lomborg, oder Nor­man Borlaug, der Mann mit der Grünen Re­volution, der Ehrlichs Pläne mit uns ohne viel Wirbel kom­plett durchkreuzt hat. Manche denken auch, dass das Anwachsen von CO2 ein Resultat und nicht eine Ursache der GE ist. Andere wiederum vermuten, dass auch mit einem Han­deln gemäß Kyoto das Resultat nach 100 Jahren eine Temperatursenkung um 0,05 Grad wäre. Auf dem Mars findet jetzt auch eine GE statt. Ist die Sonne schuld? Vielmehr unsere WohlstandtouristInnen, vor allem aus den USA, die dort in ihren SUVs herumrasen. MIR

OpportunistInnen

KlimatologInnen sind normale Menschen: Die Industrie hat die Tendenz, die Daten zu beschönigen und Kritik zu ignorieren, und die WissenschafterInnen wissen, dass Über­treiben = (mehr Forschungsknödel) = (viele hübsche Sachen) = (IpodsFürDieKids + Sei­dengardinenFürDiePartnerInnen). Und wer von uns ist schon einE KlimatologIn, um das alles nachzuprüfen? Manchmal sind wir Men­schen aber wirklich schuld: Warum haben die Franzosen New Orleans nicht wie die alten Ägypter Memphis oberhalb vom Flussdöta (österr. für Delta), sondern direkt in das Döta geknallt?

Und Al Gore: Jetzt haben irgendwelche Frechlinge rausgekriegt, dass des Grünen Gores Bude im letzten Jahr 221.000 kWh verschlang – 20 mal mehr als die Nicht-Gores in Amerika verbrauchen. Sein Haus hat acht Badezimmer, seien wir doch nicht so kleinlich. Seine zahlreichen Reisen in spritfressenden Privatflugzeugen sollten wir ihm auch nicht verübeln: Ein Fast-Ex-Präsident wird doch nicht mit einem Airliner reisen, wenn er die hohe Botschaft zu verbreiten hat. Er wehrt sich, dass er „CO2-neutral“ ist, weil er „carbon offsets“ kauft, jetzt halt – von einer Firma, die er teilweise selbst besitzt. Dialektische Einheit: Der Käufer und Einkäufer sind eins.

Zukunft

Wir können auch anders: Lomborg warnt vor Überbetonung des GE. Es gibt echte Millionenkiller, sagt er: Kein Zugang zu sau­berem Wasser oder Luftvergiftung innerhalb des Hauses, wenn Arme mit Abfall heizen und kochen. Lomborg empfiehlt sogar, in Afrika kleine Mengen von dem Insektizid DDT zu erlauben, weil dort Malaria Millionen von Menschen tötete, nachdem dieser Stoff verboten wurde.
Bush hat im Dezember 2006 ein offizielles Papier unterschrieben, in dem steht: „Dr. Borlaug has saved more lives than any other person who has ever lived, and likely has saved more lives in the Islamic world than any other human being in history“. Eine schöne Medaille war dabei.
Der Stern-Report und die IPCC-Be­rich­te der UNO sind das Werk der Büro­kratInnen (laut Mike Hulme) und Men­schen, die schon vorher wussten, welche Resultate sie präsentieren wollen (pre-conceived agen­das laut Christopher Landsea). MIR

Sollen wir das Wachstum Öko-Chimären opfern? Vor 150 Jahren waren die meisten unserer VorfahrInnen in Europa arme Bauern. Der Wohlstand hat sich hier vielleicht ver­hundertfacht. In Indien und China wächst das erste Mal in der Geschichte des Pla­neten eine Mittelschicht, Menschen, die aus der ärgsten Armut draußen sind. Wenn AfrikanerInnen Com­puter produzieren wer­den, werden wir sie kaufen und sie werden reicher; jetzt kaufen wir sie aus China und die ChinesInnen werden reicher. Westliche Schuldgefühle können Schaden zufügen: Die Nach­frage nach Mais-Alkohol als Spritzutat in den USA steigt (von oben verordnet), die Mais­bauern und -bäuerinnen erzielen Gewinne, aber die Armen in Mexiko leiden unter den steigenden Preisen von Tortillas.
Umweltschutz und Energiesparen sind sehr wichtig – für uns privat sollten sie selbst­verständlich sein. Der „kleine“ Umwelt­schutz wird dem „großen“ geopfert. Dann haben wir keine Zeit, Abfall zu trennen oder die Heizung (in der Arbeit oder auf der Uni) abzudrehen; zu Hause vergessen wir das nie. Es ist einfacher, die PolitikerInnen oder die Reichen zu beschimpfen.

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Ka Zaster fürs Laster? Basta Gfrasta!

Ist es möglich, eine vor sich selbst flüchtende Gesellschaft per Gesetzesdschungel auf den rechten Weg zu diktieren, oder ist es doch nur eine Alibi-Aktion von Politikern, damit alle merken, wie fleißig sie sind? Entsteht in einem Wirtshaus Ambiente durch Rauchen oder zerstört es eben dieses? Ist es ein Eingriff in die Privatsphäre oder die lang ersehnte Erlösung von einer geldgierigen Sucht­industrie für die geplagte Nichtraucherseele? Fragen, die wohl jeder und jede für sich selbst zu beantworten hat. Hintergrundinformationen, Anekdoten und Gedanken zu einem Thema, das die einen dämonisieren und die anderen bagatellisieren.

AschenbecherGeschichtlich betrachtet ist dies schon eine ältere Diskussion, als mensch vielleicht zu wissen glaubt. Ursprünglich stammt die Pflanze vom amerikanischen Kontinent und wurde von den Ureinwohnern je nach Region und Zeit bei verschiedensten Ritualen, wie Regen- oder Kriegszauber oder zu Heilungszwecken in unterschiedlichen Formen, wie Kauen oder Inhalieren aus einer entfachten Glut, ver­wen­det. Eine spätestens seit Karl May bei uns über­aus bekannte Form ist das schöne Bild der Friedenspfeife.
Auch in Europa zuerst als Heilpflanze ange­priesen, breitete sich Tabak im Zuge des Dreißig­jährigen Krieges über den ganzen Kontinent als Genussmittel aus. Dies führte so weit, dass beispielsweise in Lüneburg bis 1692 oder in Russland unter Zar Michael Romanow die Todes­strafe auf Rauchen stand, während andernorts die Tabaksteuer eingeführt wurde.
Umgekehrt focht mancher 1848er-Revolutionär für die Abschaffung des Rauchverbotes im Berliner Tiergarten. Hitler wiederum sah im Tabak die Rache des roten Mannes an der weißen Rasse für den Alkohol und dämonisierte den blauen Dunst. Dies hinderte jedoch die SA nicht daran, sich selbst auch durch Zigaretten zu finanzieren. Außerdem wurde und wird es im Krieg für die Moral der Soldaten als vergleichbar schlimm angesehen, wenn diese nichts zu essen oder keine Zigaretten haben. So ereignete sich der geradezu unglaubliche Fall des Oberleutnants Lehmann, der 3 Fallschirmjäger seiner eigenen Kompanie hinterrücks erschießen ließ, weil sie Zigaretten entwendet hatten.
Eine richtiggehende Wiedergeburt erfuhr das Rauchen in der Nachkriegszeit von Amerika kom­mend vorallem durch Hollywood als Ausdruck von Überlegenheit und Gelassenheit. Dieses Bild wurde natürlich von der Tabakindustrie wo nur möglich gefördert. Einer weiteren An­ek­dote zufolge deckte sich John F. Kennedy mit Beständen seiner geliebten Havanna Zi­garren ein, bevor er mit der Seeblockade gegen Kuba die Welt an den Rand des Unterganges manövrierte.

Momentane Situation

Mit Anfang 2005 trat ein striktes Nichtrauchergesetz für öffentliche Räume auch in der Alpenrepublik ein, das dezidiert das Gastgewerbe und gewisse Arbeitsplätze ausnimmt. Nur die Speisebetriebe verpflichte­ten sich in der Folge zu einer freiwilligen Selbst­beschränkung und sind seither durchaus be­müht, wenngleich mit zahlreichen Ausnahmen, abgeteilte Nichtraucherzonen mit mindestens 40% der Sitzplätze einzuführen. Leider stößt dies allzu oft aufgrund architektonischer Gegeben­heiten auf unlösbare Schwierigkeiten, weshalb Nichtraucher weiterhin neben Rauchern spei­sen. An den Arbeitsplätzen gilt laut Rechtslage grundsätzlicher Nichtraucherschutz, was et­was vereinfacht bedeutet, dass neben Nichtrauchern, außer in speziell dafür vorgesehenen Räumen, nicht geraucht werden darf. Ausnahmen hierbei sind Fabrikhallen und, wie schon erwähnt, die Gastronomie.
Diese Gesetzeslage ist im Vergleich zur EU sehr locker, doch trotz der gelegentlich rauchenden Gesundheitsministerin ist nach der anstehenden Evaluierung mit einer Verschärfung der allgemeinen Gesetzeslage im Sinne der EU-Richt­linien zu rechnen, zumal sich SPÖ und ÖVP im Dezember in den Koali­tionsverhandlungen schon auf ein generelles Rauchverbot in der Gastro­nomie geeinigt haben, auch wenn die EU-Parlamentarier im Hohen Haus das allgemeine Rauchverbot selbst torpedierten und somit zu Fall brachten. Diese Anekdote lässt mich im Zusammenhang mit den schon wieder wesentlich lascher gehand­habten Gesetzen in Italien oder Spanien (sehr strenge Bestimmungen mit 2200 Euro Strafe für den Wirt in Italien) einen Ausblick auf ein in typisch österreichischer Manier zahn­loses Gesetz mit einem großen „Se­kkierpotenzial“ gegen unliebsame Örtlichkeiten und unwirksamen, dafür aber ge­norm­ten und sündhaft teu­ren Nichtraucherschildern über un­seren verrauchten Köpfen wagen.

Ziele:

Wir sehen also, wir haben ein schon seit Jahrhunderten hochemotionales Thema vor uns. Wen wundert es da, dass sich auch heute daran die Geister scheiden. Die von der Regierung genannten Ziele sind jedenfalls einfach:

• Brandschutz
• Religiöse Motive
• Verkehrssicherheit im Straßenverkehr
• Schutz vor Passivrauchen
• Jugendschutz
• Vermeidung von Verschmutzung
• Volkswirtschaftliche Motive

AschenbecherDoch kaum stehen diese lieblichen Worte vor uns, beginnen wir in guter alter Tradition schon daran herumzunörgeln.
Ob wirklich weniger brennt, zumal mensch im Bett und im Wald weiter munter pofeln wird, darf in Frage gestellt werden, religiöse Motive haben seit der Trennung von Politik und Kirche in der Politik nichts mehr zu suchen, und zur Verkehrssicherheit lässt sich natürlich fragen, ob ein gepflegter Streit oder das Fummeln am Radio nicht ebenso verboten werden sollte, womit wir bei der eigentlichen Fragestellung angekommen wären.
Ist es möglich, eine vor sich selbst flüchtende Gesellschaft, eine Gesellschaft, die sich nicht in den Spiegel zu sehen vermag, per Gesetz auf den rechten Weg zu diktieren? Oder ist es doch nur eine Alibi-Aktion von Politikern, damit alle merken wie fleißig sie sind, ein Ab­lenkungsmanöver von zu heißen Brocken durch ein hochemotionales Thema?
Ist Verbieten – noch mehr Paragraphen im auch so schon völlig undurchsichtigen Gesetzesdschungel – überhaupt ein möglicher Weg? Kann der Staat also den Selbstmörder vor dem Sprung von der Brücke hindern, oder stellt er gar das Tuch, das den Leib vorm Aufprall fängt, bereit, oder ist es nur die sicherste Methode, um etwas ohnehin Sterbendes am Leben zu erhalten?
Ist dies also nur der nächste Schritt der gesellschaftlichen Entwöhnung, oder entwöhnt sich die Gesellschaft des Rauchens ohnehin?
Ist es ein Eingriff in die Privatsphäre, wenn der Einzelne in Lokalen, am Arbeitsplatz, womöglich bald auch im Privaten nicht mehr rauchen darf? Wo ist Schluss mit staatlicher Einflussnahme? George Orwells Vision folgt unseren Fragen dicht auf den Fersen. Will mensch den Menschen vor sich selbst schützen, seine Kinder oder doch nur die Tapeten, oder ist es die langersehnte Erlösung von Zigarettenwerbung voll Coolheits-Suggestion? Ist es die Befreiung von skrupellosen Kapitalisten, die Gerüchten zufolge unglaubliche Ausgaben für Forschung und Werbung tätigen, um unsere Abhängigkeit zu fördern, und die ihr Geld mit dem Leid anderer Menschen ver­dienen?
Solcherlei Fragen kann keine Wissenschaft be­antworten, sondern sollte jeder Mensch für sich selbst lösen. Die gesellschaftliche Akzeptanz rigoroser Gesetze jedenfalls ist im Großen auch bei uns gegeben, höchstens in Cafés oder Wirts­häusern fürchtet mensch um das Am­biente, auch wenn das Beispiel Irland zeigt, dass zweieinhalb Jahre nach Einführung der scharfen Gesetzeslage sogar 80% der Raucher diese befürworten, wie der Standard am 15. November 2006 schrieb und mir ein Einheimischer flüs­terte, dass sich die Zigarette vor dem Pub als Renner beim An­bandeln erwiesen hat.
Wie schädlich ist Passivrauchen wir­klich? Oder fallen wir hier allesamt der Propaganda ver­härmter Exraucher anheim?

Aber um den Raucher selbst geht es ohnehin nicht, sondern um dessen Umfeld, vor allem um die Passiv­raucher und die Jugend, doch auch hier verwickeln sich die Studien schnell in Widersprüche. So verlautbart Beda M. Stadler im Standard vom 02. Februar 2007 in Bezug auf die größte jemals gemachte Forschungsreihe sogar einen inversen Zusammenhang gefunden zu haben. Doch gehen Studien im Allgemeinen von einem etwa 20 bis 30% höheren Lungenkrebsrisiko aus. Dieses er­höhte Risiko wird nun gerne unter Berufung auf die geringe Lungen­krebsrate unter Nicht­­rauchern unter den Tisch gekehrt. Wenn mensch aller­dings die Zahlen einer Unter­such­ung der Stanford-Uni­versität unter Stu­dien­­­leiterin Heather Wakelee zugrunde legt, ergeben sich durch Passiv­­rauchen immer­­hin etwa 900 Lungen­krebspatienten pro Jahr in Österreich, von den üblicherweise als gefährlicher einge­stuf­ten Folgen für Herz und Kreislauf oder anderen ne­ga­tiven Begleit­erscheinungen gar nicht zu sprechen.

Folgen für die Umwelt

Die Zerstörung der Umwelt durch Zigaretten ist sicherlich enorm. Die Zahlen jedoch divergieren selbst in diversen UNO-Berichten zwischen 200 000 ha und 1,2 Millionen ha (zum überwiegenden Teil Tropenholz), die für Tabaktrocknung jährlich gerodet werden, und diverse Um­welt­organisationen sprechen unter Berufung auf die UNO von weltweit sogar mehr als jedem dritten Baum. Ähnlich verhält es sich mit der Abbau­zeit für Zigarettenstummel, die je nach Studie zwischen 2 und 20 Jahren liegt, oder der durch einen Stummel verschmutzten Wassermenge. Doch mensch versuche sich nur einmal die Mengen an Tschik­stummel welt­weit vor­zu­­stellen, die irgendwo achtlos in der Natur landen, um das Aus­­maß möglicher Entlastungen zu erahnen – ohne noch lange auf Themen wie Pestizidbelastung durch Tabakmonokulturen oder den CO2-Ausstoß des Zigarettentransportes rund um den Globus herumzureiten. Wie weit ein schärferes Tabakgesetz hier wirklich helfen kann, bleibt allerdings fraglich.

Gesundheitskosten und Umwelt­kosten gegen Existenzgrundlagen und Takaksteuereinahmen?

AschenbecherWenn wir berücksichtigen, wie viele Menschen arbeiten müssen, um das Kraut zu ernten, trocknen, schnei­den, produzieren, transportieren, vertei­len und zu verkaufen, um schließlich mit dem Abfall uns selbst und die Um­welt zu vermüllen mit all den Folgekosten, ergibt sich daraus ein irrer gesamtgesellschaftlicher Aufwand, nur um uns krank zu machen.
Auch Tabaksteuern, oft beinahe als Retter des Staatshaushaltes ge­priesen, sind bestenfalls eine politische Umschichtung von Geld­mengen, im Allge­meinen, wie so oft, von eher ärmeren Bevölkerungsschichten hin zu reicheren, was uns auf den Punkt bringt. Beide so oft gebrauchten Argumente im Sinne einer volkswirtschaftlichen Be­trachtungsweise kehren sich bei genauerem Hinsehen schnell gegen sich selbst und ließen sich durch Lösung der weltweiten Ver­teilungsprobleme des Reich­­tums auch ohne Verluste irgendeiner Le­bens­­qualität oder Existenzgrundlage mit enormen Gewinnen für uns alle intelligenter be­handeln.

Es ist höchste Zeit, dem Rauchen den Kampf anzusagen

Ist dieses Kratzen, Husten, die led­rige Haut, der gelbe Teint und der Rauchgestank wirklich so gut, oder ist es doch die Sucht nach dem Tode, welche aus uns in Sätzen wie „... aber es schmeckt mir doch!”, nach dem Überleben schreit.
Ein Vermögen verbrannt und damit die Bron­chien geteert. Ist uns das wirklich die Freiheit wert? Wollen wir uns wei­ter von Kapitalbonzen der skrupelloses­ten Art mit für sich sprechenden Namen wie „Sportsman“ aus Tansania, „Life“ aus Südamerika (darunter steht etwas kleiner „Smoking may kill“) oder auch „Smart“ bei uns, um nur einige aus der gewaltigen Palette zu nen­nen, verhöhnen lassen? Für eine Sucht, die eine innere Un­ruhe zu beruhigen sucht, die sich kaum für die Zeit einer Zigarette beruhi­gen lässt, um sofort danach mit dem sinken­den Nikotin­spiegel uns verstärkt zu quälen? Doch einmal mehr. Sind Gesetze der geeignete Weg?

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Smog

Ich find das ja ziemlich arg, mit dem CO2 und so. Sollte man unbedingt thematisieren, find ich. Es ist Zeit, in den Medien drauf aufmerksam zu machen, dass das so nicht weitergehen kann. Geht ja völlig unter, weil alle immer nur an Profit denken. Wegen der ganzen Profitgier leidet unsere Umwelt.
Überhaupt jetzt, wenn das Wetter so trocken ist, der ganze Feinstaub! Und das Ozon und so! Wenn das so weitergeht, hat das CO2 sicher bald das ganze Ozon aufgefressen und dann fällt uns allen das Ozonloch auf den Kopf.
Aber das ist ja wieder einmal allen wurscht. Hauptsache, alle haben zwei Autos in der Garage stehn ... und eine Klimaanlage! In Amerika ist das ja alles noch viel schlimmer als bei uns. Die halten sich ja nicht einmal an das ... dieses Tokyo-Protokoll!
Ich find, irgendwie müsst da ganz dringend was gemacht werden, dagegen.
Weil das ist ja ein Wahnsinn! Hey, es ist fünf vor 12. Wenn alle weiter so warten und nix tun, dann zerstören wir unsere ganze Umwelt. Und was kann die dafür?

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Die unerträgliche ersterbende Leichtigkeit des Seins

Eifmans Ballett „Anna Karenina“ reüssiert auf den Brettern der Volksoper Wien

Wien. Mit frenetischem Applaus und fünf Vor­hängen endet eine herausragende Ballett­ins­zenierung. Strahlende Gesichter, Jubel aller­­orten. Olga Esina, die die Anna tanzte, ver­­abschiedet sich mit Tränen – ihre Partner Kirill Kourlaev (Karenin) und Vladimir Shiskov (Wronski) geben sich durch den Erfolg, den die Petersburger seit der Uraufführung 2005 auf russischem Boden, in Amerika und Europa feiern, abgeklärter. David Levi, der sein Orchester souverän führte, trug mit berührenden, die Handlung tragenden Tschaikowskiklängen viel zum genuin russischen Abend bei. Auch Sinowi Margolins reduziertes Bühnenbild tat dem Stück gut, Slawa Okunews kontrastiv klassische Kostümierung war für das Verstehen hilfreich und lenkte die Aufmerksamkeit auf die in den Bewegungen offenbarten Gefühlszustände des Trios. Weite wallende Kleider in elegischen Anna-Szenen, enge schwarze Leibchen für den befangenen Karenin und eine eigenwillig grüne militärische Eleganz für den Verführer Wronski. Gleb Flischtinskis Beleuchtung war gekonnt leitmotivisch und machte das Fehlen der Sprache Tolstois wiederum wett.

Der Wagnischarakter dieser Ballettaufführung muss betont werden. Was in Russland aufgrund einer literarischen Schulkanonik kein Problem zu werden droht, hätte das Publikum auf ferneren Brettern überfordern können: Wer kennt Lew Tolstois „Anna Karenina“ und muss man diesen psychologisch meisterhaften Frauenroman des 19. Jahrhunderts (der in der „Madame Bovary“ eines Flaubert und Fontanes „Effi Briest“ seine nationalen Pendants findet) zum Verstehen der Bühnenhandlung gelesen haben? Die be­ruhigende Antwort lautet: nein. Denn Eifman orientiert sich zwar an der Romanhandlung, macht jedoch mehr aus ihr, als eine textnahe theatrale Bühnenadaption ermöglicht hätte. Ihm gelingt eine physisch nahe gehende Studie über die ewigen Topoi menschlicher Existenz mit den Ausdrucksmitteln der Körper- und Musiksprache.

Wagners Anspruch vom Gesamtkunstwerk kann dem textkundigen Zuschauer eingelöst werden – aber selbst der Tolstoi-Novize spürt den Zauber und die Kraft des zugrunde gelegten Werkes – wo die Sprache aufhört, beginnt eine unerhörte Tiefe des Erlebens.

Die unglücklich verheiratete Mutter Anna zieht ihre Lebensfreude weder aus Karenins ge­­sellschaftlichen Lustbarkeiten noch seinen sexuellen, nur schwer ertragbaren Über­griffen am gefängnisstabartigen Gitterbett – nein, hier erschlafft die gewährende Anna auf der Bühne spürbar und ist dem inneren Tod nah. Wronski versteht sie zu beleben, Sehnsucht nach dem viel Versprechenden dominiert nun ihr Streben. In meisterhafter Bewegung – eines Aus-sich-heraus-gehen-Wollens wird dem Zuschauer im Wechsellicht die begehrende Bezogenheit Annas und Wronskis ausgeleuchtet. Tschaikowskis Musik intensiviert sich zusehends, unkon­trol­lierbar übersteigende Töne begleiten die er­lösende Zusammenkunft.
Karenins Kampf um Anna beginnt. Der ge­sell­schaftshörige Ehe­mann leidet an seinen star­ken Gefühlen für Anna, die er hinter be­leuchtungstechnisch sicht­bar ge­wordenen Git­tern verstecken muss, wenn er auf sie trifft. Annas Gutsein-Wollen wird merklich, doch ein ihr Weisung gebendes Erschlaffen verunmöglicht eine Ehe um des Kindes willen. Karenin entzieht ihr den ge­liebten Sohn, sie ist aus dem in ein hartes Quadrat mutierenden Lichtkreis der Familie ausgestoßen, steht nun trauernd bei Schneefall im Unheil kün­denden Kreis der Spiel­zeugeisenbahn. Bis sie vom Zuge erfasst und ihr Leben ausgelöscht wird, vergeht frei­lich noch eine un­gespürte Stun­de … Bälle in Italien mit venezianisch Mas­kier­ten, Wronski als Portraitmaler einer Muse Anna sind Insignien des nur kurzen Glücks der Entflohenen vor der sehnsuchtsbedingten Rück­­reise nach Russland, um des Kindes willen.
In Russland beginnt Annas „Häu­tung“ unter einem der Guil­­lotine ähn­lichen Tisch – ihr Wahnsinn beginnt. Und gleichsam ändert sich alles: Anna scheint nun nackt, die Töne des Orchesters ersterben, ma­schineller Lärm entsteht, hexen­­sabbatähnliche Atmosphäre vieler sich verschlingender tanzender Lei­ber, bevor der Lichtkegel Rädchen der mit Menschen zu füllenden Maschine zeigt und Bässe und Trompeten dem unmenschlichen Ver­worfensein wieder re­­flektierbaren Halt ge­ben. Wronski eilt her­bei, birgt Anna in seinen Armen und kann sie doch nicht retten, er steht im Lichtquadrat, schluchzend sein Unvermögen begreifend. Anna steigert sich in neuerliche Verwirrungen, aus dem im Inneren stampfenden Getrieben- und Vertriebensein ergibt sich in übergangsloser schreck­licher Konsequenz der Fall ins Leere – für den Tolstoikenner: vor den Zug. Atemberaubt kann der Zuschauer unter dem Nachhall der peitschenden Maschinenmusik des Wahnsinns mit den Anna Umstehenden den Hut ziehen – Gongschläge signalisieren das unwiderrufliche Scheitern ihrer liebenden Existenz. Von dem das Bühnenvolk und die Volksoper noch am 6., 9. und 13. Mai Kenntnis nehmen kann. Und soll. Bravo, bravo, bravo!
Leo

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