#5 - Hitze, Jan 08

HitzeDauert der Winter nicht schon ein bisschen zu lange? Wär nicht schön langsam ein bisschen mehr Sonnenlicht, ein bisschen mehr Wärme wieder wünschenswert? Wir, die Bagger-Redaktion, kennen Ihre Sorgen und Hoffnungen und bringen Ihnen hiermit deshalb einen ganzen Haufen geballter HITZE. Dies nämlich ist das Thema unserer 5. Ausgabe. Auch wenn das schöne Wetter draußen noch auf sich warten lässt, hier kann man begeistert in der Sauna schwitzen, stundenlang den Ofen belagern, sich an diversen Feuern wärmen, hitzige Diskussionen verfolgen (und dann am besten gleich selbst über die entsprechenden Artikel führen), den Aggressionen freien Lauf lassen oder sich von einer Mediatorin das Mütchen kühlen lassen, einen kleinen Tropenspaziergang machen oder auch einfach nur scharf essen. Das wärmt auch. ... solange einen nicht vorher der Wärmetod ereilt, oder Kälte aus der Ferne die behagliche Atmosphäre stört. Naja, lesen Sie selbst! Am besten mit einem Bagger-Abo, damit Sie auch in Zukunft nie eine Ausgabe versäumen.

Über das Recht auf Unrecht

Krzysztof Kieslowskis Film „Drei Farben Rot“ (1994) ist der letzte Teil seiner Farben-Trilogie, nach „Drei Farben Blau“ (1993) und „Drei Farben Weiß“ (1994). Ein Film, der die Aussagekraft des Kinos bestätigt.

Eine Hand ergreift den Hörer, die andere drückt die Tasten. Man hört das Anwählen des Apparates. Und sieht den Weg der Töne, von einem Apparat zum nächsten: Die Kamera gleitet das Telefonkabel entlang, bis zur Wand. Wir sind im Kabel, alles dreht sich, Farben und Formen verschwimmen, Schnelligkeit. Kabelrohre führen uns ins Wasser, und wieder heraus, hinein in unterirdische Schächte, bis ans andere Ende. Besetzt.
So beginnt Krzysztof Kieslowskis Film „Drei Farben Rot“.

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Das psychosexuelle Leben der Bagger Leser/innen und Schreiber/innen (BLS) – Ein heißer BLS-Test

Die Fragen sind intim. Bleiben wir bei der Sie-Form. Bitte ausfüllen, gemäß Schlüsselblatt Punkte zusammenzählen und an der Bagger-Website können Sie das Resultat ablesen.

1. Wie viele BLS haben Sie schon vernascht?
a 0
b 1
c 2
d 3–50

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hier + jetzt

„Zwischengefühle“ – ein charmantes Kaffeekränzchen mit Franz Adrian Wenzl und Klaus Mitter von Kreisky.

Kreisky, die in diesem Frühjahr ihre selbstbetitelte Debutplatte veröffentlich haben, müssen unbedingt zur Sonnenseite der hiesigen Musikszene gerechnet werden. Eine Kapelle, die tut, was sie für richtig hält, ohne notwendigerweise ungenießbar zu sein und also ohne sich zwanghaft selbst zu sabotieren. Die vier Herrschaften machen schon seit geraumer Zeit Musik und haben sich nach diversen Ausflügen in die verschiedensten Richtungen des Wiener Untergrunds nun zu Kreisky formiert, die zwar deutschsprachige Rockmusik machten, sich vom Deutschrockgenre aber deutlich distanzieren. Ich habe mich mit dem Sänger (FAW) und dem Schlagzeuger (KM) der Band in einem altehrwürdigen Wiener Kaffeehaus getroffen.

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Mord – Chapter Done (Konkord)

Mord - Chapter  Done Das richtige Wort ist glaube ich sapperlot. Mord, die sich ihre Bestandteile zu drei Fünftel mit den etwas gesitteteren Kreisky teilen, ist mit ihrem Debutalbum in Sachen Wiener Post/Progrock ein großer Wurf gelungen.

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Ja, Panik! – The Taste & The Money (Schönwetter)

Ja, Panik! - The Taste & The Money In Sachen österreichischer Indierock, der ohne Anlehnungen aus eigener Kraft lebensfähig ist, ist man bei den Japanischen mit Sicherheit an der ersten Adresse. Freilich gibt es welche, die sich weiter aus dem Fenster lehnen, aber unter denen, die sich betont vom Zeitgeist inspirieren lassen, finden sich kaum welche, die das Genre bereichern anstatt es zu strapazieren.

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HOT HOT HEAT – Happines Ltd.

Hot Hot Heat - Happines Ltd., © WEA Zwei Jahre nach dem letzten Kracher von Hot Hot Heat liegt nun mit „Happiness Ltd.“ ein neues Album vor. Normalerweise ist man von den Kanadiern ja tanzbare Gute-Laune-Songs gewohnt, dieses Mal dürfte aber der Liebeskummer von Sänger Steve Bays das Album sehr beeinflusst haben. Zu sehr, denn man hat es hier fast ausschließlich mit traurigen Songs zu tun, was eigentlich auch schon der Albumtitel verspricht. Schon der gleichnamige Opener ist einer von der ruhigen Sorte, welcher von Schwermut getragen wird. Die Melancholie kommt so richtig schön zur Geltung wenn am Ende der Chor „It’s over now“ singt. Das Schmalz trieft nur so vor sich hin.

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I'm hot baby ...

Hitzige Gedanken zu Paulo Coelhos „Elf Minuten“

Buchcover Coelho, © Diogenes Verlag Als Paulo Coelho den Alchimisten auf den Markt warf, war ich jung, auf der Suche und dankbar für Weisheiten aus der Wüste. Vertrauensvoll packte ich meinen Rucksack, um „Auf dem Jakobsweg“ hinter diesem weisen Manne herzutrappeln, doch schon nach den ersten Seiten stellte sich gröberes Unbehagen ein. Am Ufer des Rio Piedra ging mir schließlich ein Licht auf, Veronika beschloss, zu sterben, und es war nur mehr ein Blick über die Schulter, den ich Coelho zum Abschied zuwarf. Ich wollte kein böses Blut zwischen uns, doch der „Eso-Schlumpf“, wie ihn ein Journalist einst treffend bezeichnete, konnte es nicht lassen, schrieb einfach ein Buch nach dem anderen und verkaufte sie zu Millionen.
Wenn ich seit dem Erscheinen des Romans „Elf Minuten“ vor vier Jahren eine Hardcoverausgabe des Buches immer bei mir trage, dann nur deswegen, weil ich Coelho damit vermöbeln werde, sollte uns die Weltenseele jemals zusammenführen.

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Ralf Rothmann: Hitze

„Eine fast monochrome Arbeit auf einem schlecht bespannten Rahmen; violettes, hier und da schwärzlich scheinendes Gewölk. Nur in der rechten oberen Ecke gab es einen orangefarbenen Fleck […]“

 HitzeRalf Rothmann hat bisher mehr Romane als Lyrikbände verfaßt; „Hitze“ (erschienen bei Suhrkamp, 1. Auflage 2003) ist aber eher ein Stück Lyrik als ein Roman. Von allen möglichen Erzählmodellen hat er sich vor allem eines ausgesucht: das Volkslied. Bewußt, denn das überschriftlose Vorwort trällert mit einer alten polnischen Volksweise los („Halte durch, guter Baum … es sind nur noch hundert Jahre.“)
Handlung ist dabei zweitrangig. Man kann von den knapp 300 Seiten zwei Drittel lesen, ehe man bemerkt, daß das Leben der Figuren nicht nur von Tag zu Tag dahinrieselt, sondern sich tatsächlich eine Entwicklung abzeichnet.

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Manchmal genügt es, sich zu wiederholen, um etwas ganz anderes zu sagen

Albert Sànchez Piñol – Die Zweite

Pandora im Kongo Anfang Juli dieses Jahres erschien der zweite Roman des Katalanischen Autors, dem bereits in der letzten Ausgabe viele Zeichen gewidmet waren. „Pandora im Kongo“ ist auf den ersten Blick ein eigenartiges Buch, vor allem für diejenigen, die „Im Rausch der Stille“ in einer Nacht ver­schlungen haben. Beim Lesen des neuen Werks hält man schon nach kurzer Zeit inne, fragt sich, ob es sich denn nicht, schon wegen des Anstands, geziemen würde, mit einem neuen Buch auch eine neue Geschichte zu erfinden. Doch die Parallelen zu Piñols erstem Werk sind so offensichtlich, so unverschämt zahlreich, dass bloße Unorginalität des Rätsels Lösung wohl nicht sein kann.
Der junge Schriftsteller Thomas Thomson verdient sich seinen Unterhalt als „literarischer Neger“ (ich bitte den Ausdruck an dieser Stelle zu entschuldigen, doch in England war dies zu Beginn des letzten Jahrhunderts tatsächlich eine, wohl inoffizielle, Berufsbezeichnung). Thomas schreibt schlechte Auftragsgeschichten für wenig Geld, Groschenromane, die immer nach demselben Prinzip funktionieren, bis eine neue Aufgabe den Enthusiasmus des jungen Geschichtenerzählers hervorruft. Ein Strafverteidiger heuert ihn an, die Erlebnisse seines des Mordes beschuldigten Mandanten niederzuschreiben. Das bewegte Leben des Zigeuners Marcus Garvey nahm seine wohl tragischste Wendung im Kongo, den Piñol diesmal zum Schauplatz seiner unheimlichen und unglaublichen Begebenheiten erklärt. Plötzlich findet man sich in einer vertrauten Erzählung wieder und man grübelt.
Was Piñol im ersten Roman angedeutet hat, breitet er hier auf den Schlachtfeldern des Ersten Weltkriegs aus und im undurchdringlichen Baumgeflecht des Kongos.

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Atomkrieg

Atomkrieg, warum nicht? Um zu klären, ob man diese prekäre Frage rhetorisch, oder besser doch ganz wörtlich verstehen sollte, wollen wir wirklich ganz nüchtern alle wichtigen Argumente bezüglich dieses explosiven Themas gegeneinander abwägen. Beginnen wir mal mit den Vorteilen!

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