American Food


FL, Tallahassee, den 15. 4. 2008

Fleisch ist schlecht. Nüsse und Bäume sind gut. Vegane Ernährung ist der Schlüssel zu einem erfüllten, langen und gesundem Leben. “Schau mich an, ich bin das beste Beispiel, dass ich Recht habe!”

Sowas muss ich mir beim Abendessen anhören – ich hatte SALAT, und das VEGETARISCHE Hauptgericht.
Beschimpft, von einer Carnivorin, die leidenschaftlich gerne Speckpalatschinken mit Milkshake und Eierspeise isst, und mir übrigens Springbreak versüßte (richtig, habe ich noch immer nicht ganz verarbeitet, darum mache ich das jetzt)!

Also von vorne: am Sonntag, als ein Wochenende ruhig ausklingen wollte, und ich statt Mensafleisch – ja, ich war in der Küche! – ein vorzügliches Nudel/Käse Gericht aß, hat meine Diskussionskontrahentin angemerkt, dass vegetarisch essen sowieso viel gesünder sei. Weil man sich mit jedem Stück Fleisch einen Teil der Todesangst des Tieres, das man verspeist, einverleibt und gleichzeitig tierisches Protein vom menschlichen Körper nicht genutzt werden kann. Ihre Argumente für diese Theorie: 1. Sie weiß es und jeder, der etwas Anderes behauptet LÜGT! 2. Ihre Mutter ist Ernährungswissenschaftlerin. 3. Ihr Körper ist das beste Beispiel welch negative Auswirkungen Fleisch, Fett und Zuckerkonsum hat. (Anm.: Argument 3 ist keine Gemeinheit meinerseits – sowas würde ich nie sagen, es handelt sich tatsächlich um ein Zitat)
Meine Ansätze waren wissenschaftlich fundierter: 1. Ich lüge nicht! 2. Ich bin (laut Papier zumindest halber) Lebensmitteltechnologe.
Warum sie trotz stichhaltiger Argumente trotzdem dem Fleischgenuss frönt? Fürs erste reichen Einsicht und Engagement – A predigen, B machen, beste Voraussetzung für eine Karriere vom Vizepräsidenten zum Friedensnobelpreisträger!

Meine wirklichen Argumente muss ich euch leider vorenthalten, ich will niemandem meine Meinung (zu diesem Thema) aufdrängen der mich nicht darum gefragt hat. Im Gegensatz zu ihr, und den netten jungen Leuten aus Tennessee, die ich auf Springbreak kennengelernt habe:
Dass sie nett sind, haben sie mir gesagt. Ich hätte es aber auch so gemerkt, immerhin haben sich die drei pflichtbewussten Studenten auf die weite Reise nach Panama City gemacht um die verirrten Seelen der Springbreaker zu retten. Sie haben mindestens eine halbe Stunde ihrer kostbaren Zeit für mich ver(sch)wendet, ich wollte mich ja weiterbilden und genau wissen was sie predigen.
In etwa folgendes: die Bibel ist Gottes Wort und Wille, daher definiert sie Gut und Böse. Ist man gut, kommt man in den Himmel, wenn nicht, freut sich Lucifer. So einfach ist das, und man muss sich nicht einmal selbst Gedanken machen, da diese netten jungen Menschen und ihre Gemeinde die wichtigsten Teile des heiligen Buches interpretieren. Folgendermaßen:
Mit der Geburt – richtig, nicht Auferstehung – Jesu Christi wurde die Menschheit von ihren Sünden erlöst. Ob das eine Rechtfertigung für sündiges Verhalten auf Erden ist wollten/konnten sie nicht beantworten. Dafür wussten sie, dass alle Moslems, Hinduisten, Pantheisten… automatisch in der Hölle enden, weil sie nicht gläubig sind. Da ihnen das sehr Leid tut, versuchen sie möglichst viele zu missionieren.
Das war mir dann zu blöd. Ich habe mich höflich verabschiedet und Urlaub vom Urlaub gebraucht – und eine Woche später gemacht. Meine Mutter und Schwester waren zu Besuch, gemeinsam haben wir Thomas Edison’s kreativen Erfindergeist auf uns wirken lassen, karibische Luft auf Key West geschnuppert, Hemmingway’s sechszehige Katzen gestreichelt – und ich habe endlich meine ersten Alligatoren gesehen. Nette Viecherl, leider hab ich sie noch nicht keine Gelegenheit gehabt sie näher kennenzulernen – zu kosten. Aber Fleisch ist ja bekanntlich schlecht…

Da kann man ja froh sein,

Da kann man ja froh sein, dass sie noch nett waren ;-)

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