Film

Wenn die Zivilisation am Beifahrersitz hockt …

Wolfgang Panzers poetischer „Straßenfilm“ „Broken Silence“ (CH 1995) zeigt, dass Roadmovies auch ohne Harley-Geschwindigkeitsrausch und Born to be wild-Romantik auskommen können.

„Unsere Probleme beginnen damit, dass wir nicht zuhause bleiben“ (Blaise Pascal) –
Der Kartäusermönch Fried Adelphi blieb ganze 25 Jahre zuhause, ehe er seine ihm so vertraute Klosterumgebung gegen die Welt außerhalb eintauscht. Gezwungenermaßen, denn der 100-jährige Pachtvertrag des Schweizer Klosters läuft aus und zu allem Übel befindet sich dessen Besitzerin weit weg, irgendwo in einer Vulkangegend mitten in East-Java. So sitzt Fried im Flugzeug Richtung Indonesien, ausgestattet mit Tropenhelm und Leinengewand, Geld und Kreditkarte. Das Leben kann beginnen – und mit ihm die Probleme.

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Spiel mir das Lied vom Tod

Ein Spiel mit dem Tod ist dieser Film allemal. Mit dem Western hat er dennoch wenig zu tun. Viel eher mit dem Manierismus, einer Stilepoche zwischen Hochrenaissance und Frühbarock, jenem Übergang vom Streben nach Vollkommenheit und Harmonie zu barocker Üppigkeit. Manieristische Vorlieben finden im Regisseur Peter Greenaway ihre Entsprechung: Überraschungen, Widersprüchlichkeiten, Skurrilitäten und Groteskes. Allem voran aber die Allegorien, als ein „etwas anderes Sagen“. Der Film „Drowning by Numbers“ („Verschwörung der Frauen“, 1988, GB) ist voll von diesen. Bedeutungsgeladene Darstellungen, intellektuelle Spielereien und Anspielungen – ein Rätsel nach dem anderen, das entschlüsselt werden will. Oder aber man lehnt sich einfach zurück und frönt dem Schauspiel:

Der Sternenhimmel. Darunter ein seilhüpfendes Mädchen mit auftoupiertem, langem Haar und barockem Kleid – die lebendig gewordene Figur von Velázquez’ Malerei der Infantin Margaretha Theresa nämlich. Das Mädchen blickt in den Himmel, zählt laut die Sterne: „Eins – Antares, zwei – Capella, drei – Canopus …“. Bei „Hundert – Elektra“ hört es auf. „Wieso zählst du nur hundert?“ fragt eine vorbeikommende Frau. „Hundert sind genug. Wenn man bis Hundert gezählt hat, sind alle anderen Hundert gleich.“
Die Frau, Cissie Collpits, geht weiter durch die Nacht, am Weg nach Hause, vorbei an einem Baum, der in weißer Farbe die Nummer Eins trägt. Nummer Zwei ist an einer Badewanne angebracht, in der sich gerade ihr Mann, der Gärtner Jake, mit einer anderen Frau vergnügt. In der nächsten Szene wird Cissie ihn darin ertränken.

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Scheiß auf die Guten

Als Erwachsene ist uns die Spielwelt der eigenen Kindheit längst abhanden gekommen. „Wir verbieten uns das Spielen, außer wir zahlen dafür“, meint Antonin Svoboda in einem Interview. Das Casino, als institutionalisierter Spielraum, kann einem dabei schnell zum Verhängnis werden: Spielsucht ist lediglich ein Thema in Antonin Svobodas 2005 erschienenen Film „SPIELE LEBEN“. Vielmehr handelt der Film von einer Person, die das Leben sucht.

„I hob gheart, Gott würfelt nicht, oba sama se ehrlich, schauts ned genau danach aus?“ – Kurt (Georg Friedrich) weiß nicht, was er vom Leben will, oder das Leben eigentlich von ihm. Da ist es beruhigend zu glauben, dass selbst Gott planlos und willkürlich einem System des vollkommenen Zufalls gehorcht.
Jegliche Systeme im eigenen Leben Kurts scheitern, ob die Langzeitbeziehung mit der Krankenschwester Manu (Gerti Drassl), die sich und ihren Liebsten in einem geordneten Lebensweg sieht, ihr Geld auf eine größere Wohnung spart und vom gemeinsamen Kind träumt. Oder Kurts eigener Traum vom großen Geld im Casino, angetrieben durch die Lust am Spiel, immer dabei ein kleines Notizheftchen mit Zahlenkolonnen, die das System knacken, das Roulettespiel am Casinotisch durchschaubar machen sollen.

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Über das Recht auf Unrecht

Krzysztof Kieslowskis Film „Drei Farben Rot“ (1994) ist der letzte Teil seiner Farben-Trilogie, nach „Drei Farben Blau“ (1993) und „Drei Farben Weiß“ (1994). Ein Film, der die Aussagekraft des Kinos bestätigt.

Eine Hand ergreift den Hörer, die andere drückt die Tasten. Man hört das Anwählen des Apparates. Und sieht den Weg der Töne, von einem Apparat zum nächsten: Die Kamera gleitet das Telefonkabel entlang, bis zur Wand. Wir sind im Kabel, alles dreht sich, Farben und Formen verschwimmen, Schnelligkeit. Kabelrohre führen uns ins Wasser, und wieder heraus, hinein in unterirdische Schächte, bis ans andere Ende. Besetzt.
So beginnt Krzysztof Kieslowskis Film „Drei Farben Rot“.

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There are no rules

Die alljährliche Viennale macht den Herbst zur schönsten Zeit im Jahr. Zumindest für Filmbegeisterte. Um 11 Uhr vormittags im Kinosessel versinken, Rumkugeln essen „en masse“, hoffen auf einen guten Film. Keinesfalls enttäuschend war „Mogari no mori“, ein Film der japanischen Regisseurin Naomi Kawase. In Cannes gewann der Film den großen Preis der Jury. Bleibt zu hoffen, dass der überaus sehenswerte Film auch regulär in die heimischen Kinos kommt…

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Rezension: Dark Star

Von philosophierenden Bomben und aufgeblasenen Außerirdischen

Eine Bombe, die Descartes zitiert und ihre eigene Existenz anzweifelt, ein wasserballähnlicher Außerirdischer mit sadistischen Zügen, ein toter, eingefrorener Commander und eine lethargische Vier-Mann-Crew treiben im Raumschiff „Dark Star“ durch die unendlichen Weiten des Weltalls. John Carpenter ist mit seinem 1974 realisierten Spielfilmdebüt „Dark Star“ ein durchgeknallter Science-Fiction-Film gelungen. Eine Hommage an Stanley Kubricks „2001: Odyssee im Weltraum“ und Beispiel für einen Film, dessen Kultstatus mehr als berechtigt ist.

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Rezension: Thank you for Smoking

Der Lobbyist Nick Naylor hat es nicht leicht. Allein auf wei­ter Flur muss er die Tabakindustrie ge­gen Ge­sund­heits­­­or­ga­­nisationen, besorgte Mütter und Se­­na­toren, die mit an Lun­­genkrebs erkrankten Kin­dern „be­waffnet“ in Talk­shows antreten, be­schützen.

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Rezension: Smoke und Blue in the Face – Welcome to Planet Brooklyn

Schriftsteller Paul Auster, bekannt für seine literarischen Verwirrspiele (Stadt aus Glas, Buch der Illusionen etc.), und Regisseur Wayne Wang haben sich 1995 zusammengetan, um zwei Filme über einen Tabakladen, vor allem aber über den New Yorker Stadtteil Brooklyn zu machen.

Auggie Wren (Harvey Keitel) ist Verkäufer in einem kleinen Kiosk in Brooklyn. Smoke erzählt Geschichten von ihm und seinen Kunden und Freunden. Da gibt es den Schriftsteller Paul Benjamin (William Hurt), der versucht, den Tod seiner Frau zu überwinden, oder den gewitzten Jugendlichen Rashid Cole (Harold Perrineau Jr.) auf der Suche nach seinem Vater. Der Tabakladen ist gleichzeitig sozialer Treffpunkt wie Zentrum bzw. Ausgangspunkt der verschiedenen Erzählstränge.

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