Literatur
Literarisch in die Ferne schweifen
Seefahrtsbücher von Zweig und Ransmayr im Vergleich
Eine eigentümliche Leseerfahrung liegt hinter mir: Zunächst machte ich mich mit dem Portugiesen Magellan auf in Richtung der Gewürzinseln, später folgte ich (dem Jahreszeitenwechsel gemäß) den Österreichern Payer und Weyprecht in die Weiten des Eismeers. Ein Lesebericht.
Inzwischen weiß ich mehr über entbehrungsreichen Seefahrten, die in ihrer Zeit herausragend waren. Beide Autoren, Zweig („Magellan. Der Mann und seine Tat“, 1937) und Ransmayr („Die Schrecken des Eises und der Finsternis“, 1987), werden nicht müde, dem Leser eindringlich klar zu machen, was es damals (im Gegensatz zum jegliche Form der Mobilität für selbstverständlich erachtenden Heute) bedeutete, eine solche Reise zu tun.
→ zum ArtikelDie Ballade von Marie und dem ewigen Regen
2006 ist von Vincent E. Noel ein Text erschienen mit dem Titel „Die Ballade von Marie und dem ewigen Regen“ mit seiner eigenen Umschlagsgestaltung, die den Namen „Solitude (Monodie#3) sans soleil“ trägt. Und was das Bild des Umschlages zeigt, ist Programm, denn der Text ist das System der Einsamkeit geschrieben wie in einem Guss.
→ zum ArtikelBuchtipp: „Spirale“(1956) von Hans Erich Nossack
Ein freundschaftliches Korrekturlesen brachte mich erstmals in Kontakt mit der literarischen Welt von Hans Erich Nossack(1901-1977). Die Verfasserin der zu sichtenden Abschlussarbeit ging der Frage nach, ob Nossacks existentiell zu nennende Schreibe vor allem von Sartre oder Camus geprägt ist oder ob ihn die kriegerischen Zeitumstände zu dem machten, was er ist: ein glasklarer Denker und Beobachter menschlicher (Innen- und Außen-) Welten. Besonders sprachgewandt wandte er sich in dem Band „Spirale“ der Sprache, dem Bewusstsein, dem Sein zu.
→ zum ArtikelDer gesuchte Suchende
Der Italiener Tabucchi, Professor für portugiesische Sprache und Literatur, ist einer der Schriftsteller, die man wegen der rastlosen Ruhe ihrer Texte bewundern muss. Wer sich fragt, was denn „rastlose Ruhe“ sein soll, der möge bitte einfach Tabucchi lesen – es ist schwer, seinen Stil anders zu beschreiben. Er schreibt, als ob er nichts Besonderes zu sagen hätte, aber gleichzeitig liefert er einen Plotpoint nach dem anderen ab. Sein Buch „Erklärt Perreira“ ist sogar 1955 mit Marcello Mastroianni in der Titelrolle verfilmt worden.
→ zum Artikel„Der Fuchs und der Igel“ – der große Tolstoi-Essay von Isaiah Berlin
Isaiah Berlin (1909–1997) erlebt dieser Tage verstärkte und berechtigte Aufmerksamkeit. Anlass ist sein 100. Geburtstag und der aus Riga stämmige Gelehrte, der via Russland mit seiner Familie nach England emigrierte, wird deshalb von der Essayistenzunft neuerlich portraitiert. Berlin, ein u.a. lange Jahre in Oxford lehrender Philosoph, äußert sich in seinen zahlreichen Schriften stets sehr gut verständlich zu Fragen der Ideengeschichte. Aber auch die Literatur, v.a. die „Russischen Denker“ (1978, engl. Original – 1995 dt. Fischer) leuchtet Berlin aus einer Metaebene heraus aus – die „russischen Aufsätze“ waren meine sommerliche Lektüre. Besonderes Interesse bringt Berlin hier Tolstoi gegenüber auf – den er im „Fuchs und Igel-Aufsatz“ seinen Lesern als zerrissene Existenz vorstellt.
→ zum ArtikelMichael Chabon: Die Vereinigung jiddischer Polizisten. dtv, München: 2009
Detective Landsman vom Morddezernat des Distrikts Sitka ist wegen seiner Ermittlungsmethoden berüchtigt, dem Alkohol verfallen und beruflich wie privat eher auf dem Weg nach ganz unten.
→ zum ArtikelMontaigne heute wieder lesen – mit der Anleitung von Greffrath?
„Montaigne heute. Leben in Zwischenzeiten“, so heißt ein Buch, das Michael Greffrath schon vor 25 Jahren unter anderen weniger verkaufsförderlichen Titeln publiziert hat und das mir in einer Abverkaufsbuchhandlung (so weit kommt es also in „Zwischenzeiten“) in die Hände fiel. Und nicht nur wegen des in unseren Zeiten sehr ansprechenden Titels schlug ich zu.
→ zum ArtikelDie Blumenhochzeit
Es gibt ein Buch, es ist ein Märchen und ist es doch nicht – es ist eine Geschichte, die ohne Menschen und Tiere auskommt. Sie lebt ganz von den Pflanzen und purer Phantasie. Dieses „Märchen“ von dem hier die Rede ist; stammt von Eliza Orzeszkowa die 1910 gestorben ist und dieses Märchen soll angeblich auch politische Dimension besitzen.
→ zum ArtikelMit den Augen küssen
Dass Jacques Derrida ein großer Name ist wird man nicht bestreiten können. Vielleicht darf aber bezweifelt werden, dass dieser Name ausschließlich dazu dient einzuschüchtern.
→ zum ArtikelDas Werk aller Werke
Diaphanes Verlag hat 2008 ein Buch verlegt mit dem Titel “ Archäologie des Kinos. Gedächtnis des Jahrhunderts”, es beginnt mit einem Gespräch zwischen Youssef Ishaghpour und Godard und war auf französisch schon 2000 zu haben. Für die Übersetzung der 108 Seiten hat man wohl 8 Jahre gebraucht oder aber es wurde herumgezickt.
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