Film

An Education

Lone Scherfig hat einen neuen Film gedreht und dieser Film ist sehenswert. Wer die Regisseurin schon von “Wilbur wants to kill himself” kennt, weiß dass sie einen grandiosen Sinn für Zauber hat was in Anbetracht der schwierigen Themen, die sie sich aussucht, ein Kunststück ist.

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You Must Be Wrong If You Think You Don’t Love Me

kurze Beschreibung The Devil and Daniel Johnston (USA 2006) ist eine empathische Dokumentation von Kreativität, Wahn und Sehnsucht, personifiziert in der musikalischen Ausnahmeerscheinung Daniel Johnston.

„Ladies and gentlemen. The best singer-songwriter alive today: Daniel Johnston!“ Ein behäbiger Mitte-40er in Jogginghose flaniert auf die Bühne, legt ein voll geschmiertes liniertes A4 Heft ohne Noten auf den Notenständer und intoniert mit hoher rauchiger Stimme ein Lied, zu dem er auf seiner verstimmten Gitarre streicht. Wer Johnston und seine Musik nicht kennt, befürchtet in den ersten paar Minuten von The Devil and Daniel Johnston womöglich einer juvenilen Sozialstudie eines Trash-Musikers im Stile einschlägiger lokaler Antimusikphänomene, wie sie hierzulande auf FM4 zu hören sind, auf den Leim gegangen zu sein.

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Nachrichten über das Heute

Eine beißende Satire über die Quotenvernarrtheit eines Fernsehsenders, die Morallosigkeit von Medienbranche und Wirtschaft sowie die Machtlosigkeit der Politik: Network (USA, 1976).

I don’t have to tell you things are bad. Everybody knows things are bad. It‘s a depression. Everybody’s out of work or scared of losing their job. The dollar buys a nickel’s worth; banks are going bust; shopkeepers keep a gun under the counter; punks are running wild in the street, and there’s nobody anywhere who seems to know what to do, and there’s no end to it.

Wegen der Wirtschaftskrise? Weil Staatsmilliarden in marode Banken gesteckt werden, die dann trotzdem pleite gehen, statt sie nachhaltig denkend in Bildung und Forschung zu investieren?

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The Net

The Net (1995) thematisierte vor vierzehn Jahren bis heute diskutierte Fragen von Internetsicherheit, Softwaremonopolen, Datenschutz und digitaler Identität. Leider wurde generell zu wenig Liebe zum Detail und insbesondere im Bereich Körperhygiene kein bisschen Mut bewiesen.

US-amerikanisches Breitenkino zeichnet sich unter anderem durch impertinentes Typecasting aus. Meg Ryan hat die Liebeskomödien-Arschkarte gezogen, Sandra Bullock’s AgentInnen sahen in ihr offenbar eine geborene Thriller-Schönheit. So kam es, dass die sympathische Nebenrollenheldin aus dem Actionstreifen Speed, kaum aus dem Bus gestiegen, schon ins nächste Abenteuer stolperte. In The Net verkörpert Frau Bullock eine in Isolation lebende Hackerin, die Einladungen zum Abendessen kategorisch ausschlägt und lieber Pizza bestellt – über das Internet.

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Momma‘s man

Eine filmische Anleitung, wie man sich familiären, beruflichen und sonstigen Verpflichtungen mehr oder weniger erfolgreich entzieht. (USA 2008, Regie: Azazel Jacobs)

Mikey ist Mitte Dreißig, glücklich verheiratet und stolzer Vater, mit seiner Frau und seiner wenige Monate alten Tochter lebt er in Kalifornien. Als er geschäftlich in New York zu tun hat, nützt er die Gelegenheit, um ein paar Tage bei seinen Eltern in Manhattan zu verbringen, in der alten, mit wunderlichen Apparaten, seltsamen Büchern und selbst gebastelten Kunstwerken bis unter die Decke voll geräumten Wohnung, in der er auch seine Kindheit verbracht hat.

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Von menschenfressenden Maschinen

Der Beziehung zwischen Mensch und Maschine wird in Charles Chaplins Film „Modern Times“ (USA 1936) kein sehr gutes Zeugnis ausgestellt. Stattdessen zeigt Chaplin, wofür zu leben es sich wirklich lohnt.

Charlie Chaplin Der Einzug der „großen“ Maschinen in die Arbeitswelt hat längst seine Aufregung verloren. Nicht so zu Zeiten der industriellen Revolution. Arbeitslosigkeit, Streiks, Armut stehen in Zusammenhang mit dem beginnenden Industriezeitalter und damit der voranschreitenden Automatisierung von Arbeitsvorgängen. In seinem Film „Modern Times“ setzt sich Charles Chaplin mit den gesellschaftlichen und vor allem den individuell-menschlichen Entwicklungen und Verlusten rund um die Industrialisierung auseinander:

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Der Nudel-Western

Der Film „Tampopo“ (1985) des japanischen Regisseurs Juzo Itami ist eine Liebeserklärung an die Nudelsuppe. Eine sehr vergnügliche noch dazu.

Gemäß A.J. Liebling, Journalist des „New Yorker“ und Gourmet aus Leidenschaft, muss man, um über Essen schreiben zu können, Appetit haben.

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Das verlorene Paradies

Mit viel Gespür für die filmische Ausdruckskraft zeigt der französische Regisseur Olivier Assayas in seinem Film „L´Heure d’été“ (F 2008, dt. Titel: „Sommerzeit“) das Porträt einer Familie am Wendepunkt: Der Tod der Mutter zwingt die Zurückgebliebenen sich mit der eigenen Familiengeschichte auseinanderzusetzen. Dem gegenüber stehen die Anforderungen einer globalisierten (Arbeits-)Welt …

Jérémie (Jérémie Rénier) lebt mit Frau und Kindern in China, der Job in der Schuhproduktion mit aussichtsreichen Karrierechancen verlangt Mobilität und Flexibilität. Die Schwester Adrienne (Juliett Binoche) arbeitet als Designerin in New York. Einzig der Älteste der drei Geschwister, der Ökonom Frédéric (Charles Berling), blieb mit seinen Kindern und seiner Frau in Frankreich. Verbindendes Element der geschwisterlichen Beziehungen ist das französische Landhaus des vor 30 Jahren verstorbenen Onkels, ein Maler der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, außerdem leidenschaftlicher Kunstsammler und heimlicher Geliebter ihrer Mutter, Héléne Berthier (Edith Scob).

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Zwischenwelten

10 Gebote – 10 Filme: Ende der 80er-Jahre hat der polnische Regisseur Krzysztof Kieslowski den Dekalog verfilmt. Film Nummer acht ist ein kurzer Film über die Lüge.

Das Bild in Zofias Wohnung hängt schief. Sie richtet es zurecht, dreht die Landschaftsmalerei im goldenen Rahmen, bis sie waagrecht an der Wand hängt. Immer wieder, denn kaum hat sie sich umgedreht, einige Schritte entfernt, verrät ein Geräusch das Zurückrutschen des Bildes. In Zofias Leben gibt es einiges, das sich partout nicht zurechtrücken lässt und sie immer wieder aus dem Lot bringt. Und das, obwohl oder gerade weil sie Ethikprofessorin an der Universität Warschau ist. Eigentlich sollte sie genau Bescheid wissen über „richtiges“ Verhalten und „unrichtiges“. Aber haben nicht auch EthikprofessorInnen das Recht darauf, Unrecht zu begehen, manchmal schief zu liegen?

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Wenn die Zivilisation am Beifahrersitz hockt …

Wolfgang Panzers poetischer „Straßenfilm“ „Broken Silence“ (CH 1995) zeigt, dass Roadmovies auch ohne Harley-Geschwindigkeitsrausch und Born to be wild-Romantik auskommen können.

„Unsere Probleme beginnen damit, dass wir nicht zuhause bleiben“ (Blaise Pascal) –
Der Kartäusermönch Fried Adelphi blieb ganze 25 Jahre zuhause, ehe er seine ihm so vertraute Klosterumgebung gegen die Welt außerhalb eintauscht. Gezwungenermaßen, denn der 100-jährige Pachtvertrag des Schweizer Klosters läuft aus und zu allem Übel befindet sich dessen Besitzerin weit weg, irgendwo in einer Vulkangegend mitten in East-Java. So sitzt Fried im Flugzeug Richtung Indonesien, ausgestattet mit Tropenhelm und Leinengewand, Geld und Kreditkarte. Das Leben kann beginnen – und mit ihm die Probleme.

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