Die Wanze
Über das Wahre, Schöne und Gute ist schon vieles, ja allzu vieles gedacht und gesagt worden – und hier kommt als Draufgabe noch die eine oder andere philosophische Dampfplauderei dazu, so wie sie unsere hauseigene Wanze aufgeschnappt hat.
„Hast du fünf Minuten Zeit?“
Vom Nutzen und Nachteil des Fundraisings auf der Straße
Nachdem sich die hauseigene Wanze im letzten Bagger eine Auszeit gönnte, ist sie diesmal wieder in alter Frische in der Welt unterwegs. Dort beobachtet sie eines Tages, wie eine junge Philosophiestudentin namens Sofie gemächlich über die Wiener Mariahilferstraße schlendert. Der Rummel um Sofie herum prallt währenddessen an einer unsichtbaren Mauer ab, die eine geistige Welt begrenzt, in der sie sich gerade den Kopf über Albertos These zur ontologischen Qualität kategorialer Existenzaussagen zerbricht. Plötzlich wird sie von einem jungen Herrn aus dieser Welt befreit.
Junger Herr: Hast du fünf Minuten Zeit?
Sofie (erschrickt fürchterlich): Oh! Äh …
Wessen Straße? Unsre Straße?
Ein Streitgespräch über den Sinn des politisch aktiv Seins
Nachdem sie bisher heimlich Manfreds Existenzfragen („Viel Lärm ums Nichts“; siehe Bagger-Ausgabe No. 3)und die hitzige Religionsdebatte zwischen Thusnelda und Joachim („Feuer auf die Altäre“ in No. 5) für uns belauscht hat, ist die neugierige Bagger-Wanze weitergekrabbelt und
gerade in einer Cliché-WG in der Zieglergasse im siebten Wiener Gemeindebezirk gelandet, wo sich Roman, Philosophiestudent, Philodendra, eine Kultur- und Sozialanthropologin im 5. Semester, die gerade von einer längeren Indien- und Nepalreise zurückgekehrt ist und Kaspar, Schlagzeuger der Polit-Punk-Band „New World Order“ und Beleger einiger Kurse aus Publizistik und Politikwissenschaften, gerade anschicken, ihr spät-vomittägliches Frühstück einzunehmen. Roswitha, die 4vierte Mitbewohnerin, ist noch nicht aufgetaucht und erholt sich vermutlich noch von etwas länger geratenen vorabendlichen Aktivitäten.
Kaspar: (kommt gerade in die gemütlich eingerichtete Wohnküche geschlurft): Sonst noch jemand Kaffee?
Philodendra: Ja, wenn du schon dabei bist.
→ zum ArtikelFeuer auf die Altäre
Heiße Debatte um ein Thema, das nie auskühlt.
Dieselbe Wanze, die der vorletzten Bagger-Ausgabe den Dialog „Viel Lärm ums Nichts“ beschert hat, war diesmal so indiskret, das Zweigespann Joachim und Thusnelda bei einer morgendlichen Unterhaltung zu belauschen (zum Glück erst beim Frühstück). Im Gegensatz zum vorigen ist dieser Dialog nicht fiktiv, sondern vollkommen real – sonst könnte er hier ja auch gar nicht stehen.
→ zum ArtikelViel Lärm ums Nichts
Ein fiktiver Dialog um Sein oder Nichtsein des Nichtseins.
Es ward am Sankt Nimmerleinstag im Jahre Schnee, als ein alter Mann namens Manfred, dessen Löffel mit Sicherheit bereits zu anderwärtiger Benutzung freigegeben wurde, einen seiner zahlreichen Geburtstage zelebrierte. Um diesem eine Aura der Besonderheit zu verleihen, wurden all seine treuesten Gefährten eingeladen, die schließlich auch erschienen sind und mit ihm ein wahrhaft rauschendes Fest feierten. Gegen Mitte der Nacht sonnten sich die meisten Gäste in ihrem verworrenen Bewusstsein und schufen somit eine Atmosphäre fernab jeglicher Befangenheit. Mitten im tosenden Getümmel setzte sich der alte Mann, um sich aus einem Krug reinen Wein einzuschenken.
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