Allerlei

„Hast du fünf Minuten Zeit?“

Vom Nutzen und Nachteil des Fundraisings auf der Straße

Nachdem sich die hauseigene Wanze im letzten Bagger eine Auszeit gönnte, ist sie diesmal wieder in alter Frische in der Welt unterwegs. Dort beobachtet sie eines Tages, wie eine junge Philosophiestudentin namens Sofie gemächlich über die Wiener Mariahilferstraße schlendert. Der Rummel um Sofie herum prallt währenddessen an einer unsichtbaren Mauer ab, die eine geistige Welt begrenzt, in der sie sich gerade den Kopf über Albertos These zur ontologischen Qualität kategorialer Existenzaussagen zerbricht. Plötzlich wird sie von einem jungen Herrn aus dieser Welt befreit.

Junger Herr: Hast du fünf Minuten Zeit?
Sofie (erschrickt fürchterlich): Oh! Äh …

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Gelobtes Land gelebter Wortspiele

Wie kommuniziert eine Stadt mit ihren BewohnerInnen – und was haben wir dem entgegenzusetzen?

Nerzmantel von rechts trifft auf Dreiteiler mit Aktentasche. Straßenbahnhaltestelle Alserstraße/Skodagasse – Grüß’ Sie, Herr Kommerzialrat! – Ja, guten Morgen Frau Doktor! Wie gehts Ihnen heute? – Ja, schlecht, wie immer! Und selbst? – Na, muss ja, muss ja! – kunstvoll gekünsteltes Lachen von beiden Seiten.

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„Das Schöne zeigt die kleinste Dauer“

An dieser Stelle fühle ich mich bemüßigt, von meiner Beziehung zu F. zu erzählen.
Zum ersten Mal begegneten wir uns auf der Strudelhofstiege. Als Stiege überbrückt diese faktisch gesehen den Niveau-Unterschied zwischen Strudelhofgasse und Liechtensteinstraße. Sie besitzt jedoch, im Gegensatz zur Thurnstiege, die ganz in der Nähe eine ähnliche Funktion erfüllt und mir ebenso dienlich ist, einen geradezu liebreizenden Charakter, vor allem an frühen Frühlings- und späten Sommertagen. Dies mag der Grund gewesen sein, dass ich mich an einem solchen Nachmittag anschickte, die berühmten Stufen hinunterzuhopsen. An diesem Tag begegnete ich F.

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Der Schneeleopard

Wir erinnern uns: Nach dem spurlosen Verschwinden von Gustav van Broghs zweiter Exfrau, Sabrina van Brogh-Metternich, eröffnet Ludmilla publikumswirksam ein Heim für Waisenkinder, um den millionenschweren Industriellen Henry Dufay zu beeindrucken. Inzwischen kommt ihr aber zu Ohren, dass sich der verschollen geglaubte Gustav wieder in der Öffentlichkeit zeigt – und zwar in ungewohnter Begleitung.

Mit zusammengekniffenen Augen taxierte Ludmilla die neue Gattin ihres Exmannes. Diese schien ein ganz anderes Kaliber zu sein als die stets etwas plump wirkende Sabrina, van Broghs zweite Frau und Ludmillas unmittelbare Nachfolgerin.

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Eine Palatschinke für Billy Corgan

Frontmänner einer Rockgruppe können ganz schön heikel sein, zumindest was das Essen meiner Mama betrifft…

Das hab ich vor Jahren herausgefunden, ich glaub es war 1996 im Wiener Messepalast, auf einem Konzert der Smashing Pumpkins.
Ein saugeiler Gig, trotz der vielen strengen Securities, die einen weder stagediven noch auf der Bühne tanzen ließen.
Nur ein einziges Mal an diesem Abend waren sie unaufmerksam.

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Schweigen

Ich habe nichts zu sagen. Darum schweige ich. Denn worüber man nicht sprechen kann, darüber soll man ja bekanntlich schweigen. Was aber jetzt nicht heißt, dass ich über etwas nicht sprechen kann, denn dann wäre ja etwas da, worüber ich womöglich nur nicht sprechen sollte (wie ein Geheimnis zum Beispiel). Da ist aber einfach nichts.

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Zum Eierlegen

Es kommt immer darauf an, wen man fragt.

Manche Leute sind vom demokratischen Prinzip so überzeugt, daß sie sogar logische Probleme mittels Abstimmung lösen wollen. So etwa die fleißigen Heinzelmännchen, die unermüdlich neue Versionen kommunikationsfördernder Computerprogramme verschenken. Wer sich in den letzten Tagen ICQ6 heruntergeladen hat, mußte vor Abschluß der Installation eine Multiple-Choice-Testfrage beantworten: „Was war zuerst da? a) Henne, b) Ei.“ Ich habe „Ei“ angeklickt; war ich voreilig?

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Bekackt

Cello Tausend Schilling waren viel Geld damals, im Jahr des Staatsvertrags der Zweiten Republik. Österreich, besser gesagt die politische Vertretung des Landes, arbeitete in jenen Tagen emsig daran, die schon viel zu lange belagernden Besatzungsmächte höflichst hinauszukomplimentieren.
Meine Oma jedoch hatte ganz andere Sorgen. Mit Hinkebein – eine Kriegsverletzung – und Kinderwagen mit frisch geschlüpftem zweitem Balg humpelte sie tagtäglich durchs Nachkriegs-Wien, die Zeit totschlagend, auf dass ihr Mann, das liebe Viecherl, endlich wieder heimkomme. Da und dort gustierte sie und feilschte mit ihrem polnisch-raunzigen Akzent, den sie in den rund 15 Jahren seit ihrer Flucht aus Krakau noch nicht abgeschüttelt hatte (und auch später nie ganz loswerden würde).

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Über Gott und die Welt

„Was weißt du, was Wünsche sind! Was weißt du, was gut ist!“
Graógramán, der bunte Tod, in der Unendlichen Geschichte (Michael Ende)

Pik AssLaut Grassmanns Wörterbuch zum Rigveda ist die Bedeutung der Wurzel √div „spielen“, deva bezeichnet im Altindischen den Spieler, insbesondere den Würfelspieler. Wie weiter bekannt, ist deva aber auch der Standardterminus für „Gott“ in den altindischen Sprachen und wie allgemein angenommen wird, ein östlicher Verwandter des griechischen θεός und des lateinischen deus, des althochdeutschen ziu und des hethitischen sius in der großen indoeuropäischen Sprachfamilie. Der Gott, ein Spieler also. Diese Idee taucht auch später wieder ganz massiv in allen möglichen indischen Traditionen auf, wo vom Spiel (līlā) Gottes die Rede ist: Die gesamte Schöpfung, unsere Welt, unser Leben ist ein bloßes Spiel Gottes – Ausdruck seiner vollkommenen Freiheit.

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Österreich wird Europameister (oder: Alles Europa Ist Oesterreich Untertan)

Fakt ist: Der Ball ist rund, in jedem Team spielen erwachsene Mannsbilder, und die Regeln gelten für alle in gleicher Weise. Rein theoretisch hätten also alle 16 Mannschaften eine Chance, die Fußball-EM zu gewinnen – also auch das heiß umfehdete und wild umstrittene Österreich, das sich zum ersten Mal bravourös für eine EM-Endrunde „qualifizieren“ konnte. Wir Eurofighter könnten also triumphieren und eine noch nie da gewesene nationale Euphorie erleben. Aber wollen wir das überhaupt?

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