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Brad sucks – Out of it

out of it Mit seinem Vorgängeralbum I Don’t Know What I’m Doing konnte sich der Kanadier Brad Turcotte alias Brad sucks als einer der erfolgreichsten unabhängigen Künstler im Netz etablieren. Er ist einer der Ersten, die sich über Tastatur-zu-Tastatur-Propaganda eine Existenz als Musiker aufzubauen vermochten. Diesen Herbst ist nun, nach zwei Community-Remixes des Erstwerks, der Nachfolger mit dem Titel Out of it erschienen.

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Girl Talk – Feed the Animals

Was haben wir damals gestaunt, als der Chemielehrer zwei klare Flüssigkeiten vermengte und plötzlich waberte eine tief violette Brühe im Becherglas. Ähnlich wie der Herr Professor arbeitet Gregg Gillis – nur statt Fluid zu Fluid werden hier schale Schallwellen zu einem eklektischen Klangkonglomerat vereint.

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The Dead Bodies – Cock Cock Cock Cock Xanadu Xanadu

Wie man aus dem Namen dieses Kurzalbums unschwer erkennen kann, wird hier Indie-Pop abgeliefert, Spielrichtung „leicht verschroben“. Nimmt man die Anfangsbuchstaben und liest sie als römische Ziffer, ergibt sich, arabisch geschrieben, die Zahl 420, was aber, da weitgehend frei von Bedeutung, nicht einmal als Zufall bezeichnet werden darf. Also zurück zur Musik.

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Musik zu verschenken!

Während große Konzerne sich – besorgt um ihre armen Künstler – bemühen, das Copyright doch noch irgendwie vor den Angriffen böser illegaler, krimineller und unmoralischer Tauschbörsen zu retten, wächst – einstweilen noch still und heimlich – eine Alternative zu den traditionellen Vertriebswegen heran. Die Schlagworte: Netlabels und Creative Commons.

In der Öffentlichkeit drehte sich in den letzten Jahren alles um den Kampf zwischen Musikkonzernen wie Sony und EMI auf der einen Seite und Hompages wie die von Napster, Audiogalaxy oder Kazaa auf der anderen. Während nun die Musikindustrie und ihre Vertretungen damit beschäftigt waren, eine Tauschbörse nach der anderen in Grund und Boden zu klagen oder aufzukaufen, und mit dieser Methode eine Hydra gebahren, kroch direkt daneben noch ein weiteres Würmlein aus dem Nährboden des Internets, das sich gerade dazu anschickt, zu einem wahren Lindwurm zu werden. In den USA sind inzwischen Radiosendungen, die Netlabels-Musik spielen, keine Seltenheit mehr, Internet-Radios und sogenannte Podcasts machen das ohnehin schon des Längeren.

Im Gegensatz zu herkömmlichen Musikverlegern vertreiben Netlabels, wie der Name schon an­deutet, ihre Musik vorrangig im Internet. Ein weiteres Kennzeichen ist, dass sie dies im Normalfall umsonst tun und höchstens um eine Spende bitten. Leisten können sie sich das, weil es Organisationen wie archive.org, scene.org oder sonicSQUIRREL.net gibt, die kostenlos Speicherplatz zur Verfügung stellen, weil sie von idealistischen Personen – oft selbst Musikern – geführt werden. Und weil sie mit der Creative Commons Idee eine rechtliche Grundlage gefunden haben, in deren Rahmen sie Musik ungestört von kommerziellen Interessen veröffentlichen können. Im Grunde kann jedeR ein Label gründen. Der Erfolg hängt von den per­sönlichen Marketing-Fähigkeiten, Ehrgeiz und der Qualität der veröffentlichten Musik ab.
Weil Netlabels aufgrund dieser Möglichkeiten finanziell verhältnismäßig unabhängig sind, ver­­öffentlichen sie auch in erster Linie, was ihnen gefällt, und versuchen nicht, einen Markt zu bedienen. Wohl auch deshalb und durch ihre enge Verbindung zur Netzkultur war im Allgemeinen elektronische Musik jene Richtung, die von Beginn an am stärksten vertreten war. Schön langsam halten aber auch alle anderen Stilrichtungen Ein­zug in diesen kommerzfreien Raum.
Ein Nachteil dieser fast unbegrenzten Mög­­­lich­keiten ist, dass es auch zu einem gewaltigen Wildwuchs kommt. Überall auf der ganzen Welt schießen Netlabels und KünstlerInnen die auf ihnen veröffentlichen, aus dem Boden, und die KonsumentInnen sind meist ziemlich überfordert damit, sich den Weg durch diesen Dschungel zu bahnen – was auch der Hauptgrund dafür sein dürfte, dass die Branche noch keine größere Bekanntheit und Verbreitung gefunden hat. Denn qualitativ kommerzieller Musik meist durchaus ebenbürtig, sind die Produkte an Frische, Originalität und Kostengünstigkeit eigentlich unschlagbar.
Inzwischen entwickeln sich immer mehr Pro­jekte, die versuchen, das Überangebot zu sichten, sortieren und durch überlegte Prä­­sentation einem breiteren Publikum zu­gänglich zu machen. Zum Beispiel gibt es da starfroch.ch, eine Schweizer Initiative, bei der Netlabels ihre Veröffentlichungen be­werben kön­nen. Allerdings wird die Seite von den Be­­­treiberInnen re­daktionell über­­wacht und Sachen, die ihnen nicht gefallen, werden nicht ver­öffentlicht bzw. in eine so­genannte „Shitparade” ge­­stellt. Dass Geschmack aber eben Geschmackssache ist, scheint den Betreibern bewusst zu sein. Deshalb haben sie noch eine weitere Idee geboren: Britney. Dort kann jedermensch netlabel-re­levante Neuigkeiten pos­ten. BenutzerInnen stim­­men dann über die Re­levanz der Nachricht ab; wenn eine Nachricht ge­nug Stimmen bekommen hat, wird sie auf der Britney.-Hauptseite veröffentlicht. Mehr nach dem eigenen Geschmack geht Netlabelism; auf No Error, Noiseloop oder auch Traxernews dürfen alle ihre neuen Veröffentlichungen posten, die dann nach Überprüfung online gestellt werden. Völlig unkontrolliert gehts auf netlabels.org zu, wo alle, die sich registrieren, ihre Netlabels und deren Veröffentlichungen unredaktioniert bewerben können.
Etwas anders geht blocSonic vor: Dort wird monatlich eine Kompilation zusammengestellt, die ausgewählte Musik präsentiert – samt auf­wändig produziertem Booklet und Informationen über Musik, MusikerInnen und Labels. Und zusätzlich gibt es inzwischen natürlich unzählige sogenannte Music-blogs von Personen, die aus Forscherdrang und Spaß an der Sache Netlabel-Kataloge durchforsten und dann auf ihrer Seite die Fundstücke präsentieren. Dazu gehören z.B. ccNeLaS, indieish.com, Free Albums Galore oder FreeIndie.com.
All diesen Seiten sollten den Einstieg in die Welt der legal kostenlos erwerbbaren Musik wesentlich erleichtern. Und wenn ihre Informationen erst in größerem Maß den Weg in andere Medienformate wie Zeitungen, Radio und Fernsehen gefunden haben werden, sollte eine sanfte Revolution der Musikindustrie kaum mehr aufzuhalten sein.

Bei der Recherche entdeckte Musik:

2007 Rhâââ Festival Compilation: Belgisches post-rock Festival

Lunar – Hybrid Awaken

Welcome to blocSonic: Erste und vielseitigste blocSonic-Kompilation

Porträt: Erste Veröffentlichung des belgischen Netlabels tripostal)

mazca – first hour of summer

Melissa Welch – Myopic

Dieser Artikel basiert auf einem Text, der im Jänner 2007 auf Zufall Aufnahmen erschienen ist.

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