Europa

Entkettenhundisierung

Armes Europa. Da hat es jahrzehntelang an seiner Festung gebaut und plötzlich zerbröseln mir nichts dir nichts die gut durchdachten Wehranlagen jenseits des Burggrabens.
Es tritt sich ja bekanntlich immer leichter nach unten als nach oben. Also hat sich der Norden Europas am Süden abgeputzt und ihm per Erstlandregelung in der Migrationsfrage den schwarzen Peter zugeschoben: Asylanträge müssen immer in dem Land gestellt werden, in dem zuerst EU-Boden betreten wurde. Für Staaten wie Griechenland – und mehr noch für die dortigen Ankömmlinge – eine Katastrophe.

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Eine Lanze für Erdogan (kein Bajonett)

Istanbul
Da schreien sie wieder, die Anti-Islam­istInnen! Und zu guter Recht — hat doch Tayyip Erdogan, der Islam-Prediger aus Ankara soeben wieder den KurdInnen gedroht und ein Blutbad angekündigt … Glücklicher­weise ist ja Anti-Islam­ismus noch salonfähig und hat einstweilen kein bisschen mit Rassismus oder Anti­semi­tis­mus gemeinsam. Und dass der Islam eine böse Religion ist, das weiß ja bekanntlich jedeR.
Nur zu schade dass die Wirklich­keit wieder einmal komplizierter ist als sie in Inter­net­foren und an Stamm­tischen erscheint.

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Teuropa

Achtung Bagger! Mir reichts schön langsam … das mit Europa und so … die glauben ja, die können machen, was sie wollen. Selbst alle einen Haufen Geld verdienen, aber uns alles wegnehmen. Eing’sperrt gehören die alle!

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Rezension: Patrik Ouředník – Europeana

Der Autor ist ein gebürtiger Tscheche – mütterlicherseits ein Halbfranzose – und lebt seit 1985 als Schriftsteller und Übersetzer in Paris. In der CSSR arbeitete er als Lager­arbeiter, Briefträger und Sanitäter. Er übersetzte unter anderem Werke von Beckett, Rabelais, Jarry und Queneau ins Tschechische. Sein schmales Bändchen Europeana beschreibt die Geschichte des 20. Jahrhunderts. Ouředník ist ein ironischer Beobachter – versucht ein einziges rele­vantes Ereignis zu finden, das er nicht erwähnt! Er könnte vielen HistorikerInnen einiges beibringen: Er labert nämlich nicht. Keine eigenen Hirngespinste.
Wir erfahren nicht nur die Geschehnisse des Jahrhunderts eins nach dem anderen, sondern auch die verschiedenen Inter­pretationen: „Manche Philosophen sagen ... “ „Andere meinen wiederum ...“ Wir lesen Details über Kriege, die unsere VorfahrInnen geführt haben, über den Ursprung der Barbie­puppe und Fortschritte in der Technologie und Kultur, über Verhütung, über verschwiegene Details wie Zwangssterilisierung der Romafrauen im Ostblock, über den Holocaust und das Holocaustmahnmal in Berlin. Vom Dadaismus bis zur Postmoderne wird alles mit der gleichen Leichtigkeit und krampflosen Ironie beschrieben. Sodass wir denken können: Dieser Schriftsteller ist naiv und infantil.
Ouředník fängt mit den amerikanischen Gefallenen in der Normandie an, die aufgereiht ein Länge von 38 km ergeben würden, und endet mit der Bemerkung, dass jemand das Ende der Geschichte erklärte. Da die Menschen aber davon nichts gehört hätten, machen sie weiter, als ob nichts passiert wäre.
Immerhin wurde er – geboren 1957 – eine lange Zeit seines Lebens von der Unfrei­heit des Ostblocks geprägt; seine Sprache erinnert ein wenig an den „Guter-Soldat-Schweyck“-Autoren Jaroslav Hašek.
Geschichte ist eine tragikomische Angelegenheit, sagt er in einem Interview, sie können bei der Lektüre lachen oder weinen.
Co vám říká slovo romantismus? -- Fujtajxl.

Europeana. Eine kurze Geschichte Europas im 20. Jahr­hundert von Patrik Ouředník, 160 Seiten, Czernin-Verlag 2003.

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