Grant

Das andere Wien

„Wien ist anders!“ verkünden große Werbetafeln an den Stadteinfahrten. Na schön, aber wie anders? „Anders als andere europäische Großstädte!“ dürfte damit wohl gemeint sein. Wird schon so sein – ist aber höchstens die halbe Wahrheit. Gänzlich anders sind nämlich vor allem die lieben Wienerinnen und Wiener: Da helfen keine Aufkleber mit der an sich schon paradoxen Behauptung „Ich bin ein freundlicher Wiener“. Und auch keine Plakate, die einen „Willkommen in der Nichtraunzerzone“ heißen. Denn wirklich echt ist in Wien nur eines: der Grant!
Dieses kommunale Karma manifestiert sich hierorts in Form eines gewaltigen Grantscherbens: ein übel riechender Nachttopf, der sich wie eine riesige Käseglocke über die schöne Wienerstadt stülpt. Darunter aber wabert eine durch und durch vergiftete Atmosphäre, durchsetzt von latenter Aggression und gegenseitiger Abneigung, in der schon die bloße Existenz des anderen als ganz persönliche Beleidigung empfunden wird. Und das lassen die ständig angefressenen Wiener einander auch recht deutlich spüren. Nun, wir wissen ja: „Die Hölle, das sind die anderen.“ Und deshalb wird einem in Wien oft ganz anders ...

Gast-Baggerdelle von Richard Weihs

weiter...
RSS - Grant abonnieren