Rauchverbotsdebatte

Alkoholverbot am Oktoberfest

rauchenDer Nichtraucherschutz in Österreich: Ein Chaos. Schlechtes Vorbild ist mal wieder Bayern. In der dort herrschenden Anarchie muss mit allem gerechnet werden.

Mit den Alpha-Tieren des Bösen ist es wie mit dem mythologischen Ungeheuer Hydra: Schlägt man ihm einen Kopf ab, wachsen zwei nach. Sei es der Schulhof-Schläger, der Mafia-Pate oder Saddam Hussein – hat man das vermeintliche Übel beseitigt, geraten die negativen Energien in Unruhe. Und am Ende ist alles noch schlimmer. Warum also sollte es ausgerechnet mit der bayrischen, der ungeheuerlichen CSU anders verlaufen?

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Rezension: Thank you for Smoking

Der Lobbyist Nick Naylor hat es nicht leicht. Allein auf wei­ter Flur muss er die Tabakindustrie ge­gen Ge­sund­heits­­­or­ga­­nisationen, besorgte Mütter und Se­­na­toren, die mit an Lun­­genkrebs erkrankten Kin­dern „be­waffnet“ in Talk­shows antreten, be­schützen.
Doch mit „moralischer Flexibilität“ von Na­­tur aus ausgestattet, sind selbst solche Schwierigkeiten leicht zu bewältigen. Und wenn es mal wirklich hart auf hart geht, kann Nick noch seelischen Beistand bei seinen Freunden vom „MOD-Squad“ (Merchants Of Death) – ihres Zeichens Beauftragte der Alkohol- und Waffenindustrie – suchen.
Es ist bemerkenswert, dass in einem ein­einhalbstündigen Film, in dem sich pausenlos alles ums Rauchen dreht, keiner der Darsteller je auf die Idee kommen würde, selbst nach einem „Vitaminstangerl“ zu greifen.
Der Regisseur schafft es, selbst bei den Nichtrauchern unter den Zusehern Ver­ständnis und sogar Mitgefühl für die arme, von allen Seiten verteufelte Tabakindustrie aufkommen zu lassen. Es klingt ja auch wir­klich plausibel, dass diese um die Gesundheit ihrer Kunden sehr besorgt ist, da tote Rau­cher bekanntlich keine kaufkräftigen Kon­sumenten mehr sind.
In einer Zeit, in der die Behandlung „ernster“ Themen oft in Moralisierungen ausartet, ist Thank You For Smoking eine erfrischende Ausnahme. Nicht durch endlose Belehrungen, sondern durch witzige und schlagfertige Dia­loge wird gezeigt, wie sehr man durch gute Rhetorik Menschen beeinflussen kann.
Was wir aus diesem Film gelernt haben: Wer raucht, wird erschossen; nur Gangstern, Psychopathen und rückständigen Europäern sei dieses Laster zurzeit noch vergönnt.
Für diese Leistung erhält Thank You For Smoking 4 von 5 Bagger-Tschik. al&ez

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Tiefbau: Rauchen

Ich finde Rauchen ja prinzipiell gut. Trotzdem gibt es daran eine Sache, die sehr ärgerlich ist: die Rauchverbotsdebatte. Man möge mir Vergesslichkeit vorwerfen, aber ich kann mich nicht erinnern, wann zuletzt im öffentlichen Diskurs eine derart un­ehr­liche Argumentation geführt wurde. Mir scheint, die stärksten Be­für­worter eines solchen Verbotes sind einerseits willensschwache Rau­cher, die seit ewigen Zeiten das Auf­hörenwollen nicht umzusetzen ver­mögen, und auf der anderen Seite Menschen, die ohnehin einen Lebenswandel pflegen, der sie nicht allzu oft in die Verlegenheit bringt, dass das Atmen mit Passiv­rauchen verbunden werden muss.
Im Gegenlager tummeln sich die erstaunlich schwa­chen Lobby­isten der Ta­bakindustrie, die ir­­gend­was von Freiheit und Men­schenrechten er­zählen.
Hätte sich nie jemand eine Zigarette angesteckt, wir hätten mehr Muße für notwendigere Diskussionen und man müsste sich das ganze aufgeregte Geschnatter nicht anhören. Außerdem wäre die Luft in Lokalen besser, aber das ist wieder ein anderes Thema.

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Ka Zaster fürs Laster? Basta Gfrasta!

Ist es möglich, eine vor sich selbst flüchtende Gesellschaft per Gesetzesdschungel auf den rechten Weg zu diktieren, oder ist es doch nur eine Alibi-Aktion von Politikern, damit alle merken, wie fleißig sie sind? Entsteht in einem Wirtshaus Ambiente durch Rauchen oder zerstört es eben dieses? Ist es ein Eingriff in die Privatsphäre oder die lang ersehnte Erlösung von einer geldgierigen Sucht­industrie für die geplagte Nichtraucherseele? Fragen, die wohl jeder und jede für sich selbst zu beantworten hat. Hintergrundinformationen, Anekdoten und Gedanken zu einem Thema, das die einen dämonisieren und die anderen bagatellisieren.

AschenbecherGeschichtlich betrachtet ist dies schon eine ältere Diskussion, als mensch vielleicht zu wissen glaubt. Ursprünglich stammt die Pflanze vom amerikanischen Kontinent und wurde von den Ureinwohnern je nach Region und Zeit bei verschiedensten Ritualen, wie Regen- oder Kriegszauber oder zu Heilungszwecken in unterschiedlichen Formen, wie Kauen oder Inhalieren aus einer entfachten Glut, ver­wen­det. Eine spätestens seit Karl May bei uns über­aus bekannte Form ist das schöne Bild der Friedenspfeife.
Auch in Europa zuerst als Heilpflanze ange­priesen, breitete sich Tabak im Zuge des Dreißig­jährigen Krieges über den ganzen Kontinent als Genussmittel aus. Dies führte so weit, dass beispielsweise in Lüneburg bis 1692 oder in Russland unter Zar Michael Romanow die Todes­strafe auf Rauchen stand, während andernorts die Tabaksteuer eingeführt wurde.
Umgekehrt focht mancher 1848er-Revolutionär für die Abschaffung des Rauchverbotes im Berliner Tiergarten. Hitler wiederum sah im Tabak die Rache des roten Mannes an der weißen Rasse für den Alkohol und dämonisierte den blauen Dunst. Dies hinderte jedoch die SA nicht daran, sich selbst auch durch Zigaretten zu finanzieren. Außerdem wurde und wird es im Krieg für die Moral der Soldaten als vergleichbar schlimm angesehen, wenn diese nichts zu essen oder keine Zigaretten haben. So ereignete sich der geradezu unglaubliche Fall des Oberleutnants Lehmann, der 3 Fallschirmjäger seiner eigenen Kompanie hinterrücks erschießen ließ, weil sie Zigaretten entwendet hatten.
Eine richtiggehende Wiedergeburt erfuhr das Rauchen in der Nachkriegszeit von Amerika kom­mend vorallem durch Hollywood als Ausdruck von Überlegenheit und Gelassenheit. Dieses Bild wurde natürlich von der Tabakindustrie wo nur möglich gefördert. Einer weiteren An­ek­dote zufolge deckte sich John F. Kennedy mit Beständen seiner geliebten Havanna Zi­garren ein, bevor er mit der Seeblockade gegen Kuba die Welt an den Rand des Unterganges manövrierte.

Momentane Situation

Mit Anfang 2005 trat ein striktes Nichtrauchergesetz für öffentliche Räume auch in der Alpenrepublik ein, das dezidiert das Gastgewerbe und gewisse Arbeitsplätze ausnimmt. Nur die Speisebetriebe verpflichte­ten sich in der Folge zu einer freiwilligen Selbst­beschränkung und sind seither durchaus be­müht, wenngleich mit zahlreichen Ausnahmen, abgeteilte Nichtraucherzonen mit mindestens 40% der Sitzplätze einzuführen. Leider stößt dies allzu oft aufgrund architektonischer Gegeben­heiten auf unlösbare Schwierigkeiten, weshalb Nichtraucher weiterhin neben Rauchern spei­sen. An den Arbeitsplätzen gilt laut Rechtslage grundsätzlicher Nichtraucherschutz, was et­was vereinfacht bedeutet, dass neben Nichtrauchern, außer in speziell dafür vorgesehenen Räumen, nicht geraucht werden darf. Ausnahmen hierbei sind Fabrikhallen und, wie schon erwähnt, die Gastronomie.
Diese Gesetzeslage ist im Vergleich zur EU sehr locker, doch trotz der gelegentlich rauchenden Gesundheitsministerin ist nach der anstehenden Evaluierung mit einer Verschärfung der allgemeinen Gesetzeslage im Sinne der EU-Richt­linien zu rechnen, zumal sich SPÖ und ÖVP im Dezember in den Koali­tionsverhandlungen schon auf ein generelles Rauchverbot in der Gastro­nomie geeinigt haben, auch wenn die EU-Parlamentarier im Hohen Haus das allgemeine Rauchverbot selbst torpedierten und somit zu Fall brachten. Diese Anekdote lässt mich im Zusammenhang mit den schon wieder wesentlich lascher gehand­habten Gesetzen in Italien oder Spanien (sehr strenge Bestimmungen mit 2200 Euro Strafe für den Wirt in Italien) einen Ausblick auf ein in typisch österreichischer Manier zahn­loses Gesetz mit einem großen „Se­kkierpotenzial“ gegen unliebsame Örtlichkeiten und unwirksamen, dafür aber ge­norm­ten und sündhaft teu­ren Nichtraucherschildern über un­seren verrauchten Köpfen wagen.

Ziele:

Wir sehen also, wir haben ein schon seit Jahrhunderten hochemotionales Thema vor uns. Wen wundert es da, dass sich auch heute daran die Geister scheiden. Die von der Regierung genannten Ziele sind jedenfalls einfach:

• Brandschutz
• Religiöse Motive
• Verkehrssicherheit im Straßenverkehr
• Schutz vor Passivrauchen
• Jugendschutz
• Vermeidung von Verschmutzung
• Volkswirtschaftliche Motive

AschenbecherDoch kaum stehen diese lieblichen Worte vor uns, beginnen wir in guter alter Tradition schon daran herumzunörgeln.
Ob wirklich weniger brennt, zumal mensch im Bett und im Wald weiter munter pofeln wird, darf in Frage gestellt werden, religiöse Motive haben seit der Trennung von Politik und Kirche in der Politik nichts mehr zu suchen, und zur Verkehrssicherheit lässt sich natürlich fragen, ob ein gepflegter Streit oder das Fummeln am Radio nicht ebenso verboten werden sollte, womit wir bei der eigentlichen Fragestellung angekommen wären.
Ist es möglich, eine vor sich selbst flüchtende Gesellschaft, eine Gesellschaft, die sich nicht in den Spiegel zu sehen vermag, per Gesetz auf den rechten Weg zu diktieren? Oder ist es doch nur eine Alibi-Aktion von Politikern, damit alle merken wie fleißig sie sind, ein Ab­lenkungsmanöver von zu heißen Brocken durch ein hochemotionales Thema?
Ist Verbieten – noch mehr Paragraphen im auch so schon völlig undurchsichtigen Gesetzesdschungel – überhaupt ein möglicher Weg? Kann der Staat also den Selbstmörder vor dem Sprung von der Brücke hindern, oder stellt er gar das Tuch, das den Leib vorm Aufprall fängt, bereit, oder ist es nur die sicherste Methode, um etwas ohnehin Sterbendes am Leben zu erhalten?
Ist dies also nur der nächste Schritt der gesellschaftlichen Entwöhnung, oder entwöhnt sich die Gesellschaft des Rauchens ohnehin?
Ist es ein Eingriff in die Privatsphäre, wenn der Einzelne in Lokalen, am Arbeitsplatz, womöglich bald auch im Privaten nicht mehr rauchen darf? Wo ist Schluss mit staatlicher Einflussnahme? George Orwells Vision folgt unseren Fragen dicht auf den Fersen. Will mensch den Menschen vor sich selbst schützen, seine Kinder oder doch nur die Tapeten, oder ist es die langersehnte Erlösung von Zigarettenwerbung voll Coolheits-Suggestion? Ist es die Befreiung von skrupellosen Kapitalisten, die Gerüchten zufolge unglaubliche Ausgaben für Forschung und Werbung tätigen, um unsere Abhängigkeit zu fördern, und die ihr Geld mit dem Leid anderer Menschen ver­dienen?
Solcherlei Fragen kann keine Wissenschaft be­antworten, sondern sollte jeder Mensch für sich selbst lösen. Die gesellschaftliche Akzeptanz rigoroser Gesetze jedenfalls ist im Großen auch bei uns gegeben, höchstens in Cafés oder Wirts­häusern fürchtet mensch um das Am­biente, auch wenn das Beispiel Irland zeigt, dass zweieinhalb Jahre nach Einführung der scharfen Gesetzeslage sogar 80% der Raucher diese befürworten, wie der Standard am 15. November 2006 schrieb und mir ein Einheimischer flüs­terte, dass sich die Zigarette vor dem Pub als Renner beim An­bandeln erwiesen hat.
Wie schädlich ist Passivrauchen wir­klich? Oder fallen wir hier allesamt der Propaganda ver­härmter Exraucher anheim?

Aber um den Raucher selbst geht es ohnehin nicht, sondern um dessen Umfeld, vor allem um die Passiv­raucher und die Jugend, doch auch hier verwickeln sich die Studien schnell in Widersprüche. So verlautbart Beda M. Stadler im Standard vom 02. Februar 2007 in Bezug auf die größte jemals gemachte Forschungsreihe sogar einen inversen Zusammenhang gefunden zu haben. Doch gehen Studien im Allgemeinen von einem etwa 20 bis 30% höheren Lungenkrebsrisiko aus. Dieses er­höhte Risiko wird nun gerne unter Berufung auf die geringe Lungen­krebsrate unter Nicht­­rauchern unter den Tisch gekehrt. Wenn mensch aller­dings die Zahlen einer Unter­such­ung der Stanford-Uni­versität unter Stu­dien­­­leiterin Heather Wakelee zugrunde legt, ergeben sich durch Passiv­­rauchen immer­­hin etwa 900 Lungen­krebspatienten pro Jahr in Österreich, von den üblicherweise als gefährlicher einge­stuf­ten Folgen für Herz und Kreislauf oder anderen ne­ga­tiven Begleit­erscheinungen gar nicht zu sprechen.

Folgen für die Umwelt

Die Zerstörung der Umwelt durch Zigaretten ist sicherlich enorm. Die Zahlen jedoch divergieren selbst in diversen UNO-Berichten zwischen 200 000 ha und 1,2 Millionen ha (zum überwiegenden Teil Tropenholz), die für Tabaktrocknung jährlich gerodet werden, und diverse Um­welt­organisationen sprechen unter Berufung auf die UNO von weltweit sogar mehr als jedem dritten Baum. Ähnlich verhält es sich mit der Abbau­zeit für Zigarettenstummel, die je nach Studie zwischen 2 und 20 Jahren liegt, oder der durch einen Stummel verschmutzten Wassermenge. Doch mensch versuche sich nur einmal die Mengen an Tschik­stummel welt­weit vor­zu­­stellen, die irgendwo achtlos in der Natur landen, um das Aus­­maß möglicher Entlastungen zu erahnen – ohne noch lange auf Themen wie Pestizidbelastung durch Tabakmonokulturen oder den CO2-Ausstoß des Zigarettentransportes rund um den Globus herumzureiten. Wie weit ein schärferes Tabakgesetz hier wirklich helfen kann, bleibt allerdings fraglich.

Gesundheitskosten und Umwelt­kosten gegen Existenzgrundlagen und Takaksteuereinahmen?

AschenbecherWenn wir berücksichtigen, wie viele Menschen arbeiten müssen, um das Kraut zu ernten, trocknen, schnei­den, produzieren, transportieren, vertei­len und zu verkaufen, um schließlich mit dem Abfall uns selbst und die Um­welt zu vermüllen mit all den Folgekosten, ergibt sich daraus ein irrer gesamtgesellschaftlicher Aufwand, nur um uns krank zu machen.
Auch Tabaksteuern, oft beinahe als Retter des Staatshaushaltes ge­priesen, sind bestenfalls eine politische Umschichtung von Geld­mengen, im Allge­meinen, wie so oft, von eher ärmeren Bevölkerungsschichten hin zu reicheren, was uns auf den Punkt bringt. Beide so oft gebrauchten Argumente im Sinne einer volkswirtschaftlichen Be­trachtungsweise kehren sich bei genauerem Hinsehen schnell gegen sich selbst und ließen sich durch Lösung der weltweiten Ver­teilungsprobleme des Reich­­tums auch ohne Verluste irgendeiner Le­bens­­qualität oder Existenzgrundlage mit enormen Gewinnen für uns alle intelligenter be­handeln.

Es ist höchste Zeit, dem Rauchen den Kampf anzusagen

Ist dieses Kratzen, Husten, die led­rige Haut, der gelbe Teint und der Rauchgestank wirklich so gut, oder ist es doch die Sucht nach dem Tode, welche aus uns in Sätzen wie „... aber es schmeckt mir doch!”, nach dem Überleben schreit.
Ein Vermögen verbrannt und damit die Bron­chien geteert. Ist uns das wirklich die Freiheit wert? Wollen wir uns wei­ter von Kapitalbonzen der skrupelloses­ten Art mit für sich sprechenden Namen wie „Sportsman“ aus Tansania, „Life“ aus Südamerika (darunter steht etwas kleiner „Smoking may kill“) oder auch „Smart“ bei uns, um nur einige aus der gewaltigen Palette zu nen­nen, verhöhnen lassen? Für eine Sucht, die eine innere Un­ruhe zu beruhigen sucht, die sich kaum für die Zeit einer Zigarette beruhi­gen lässt, um sofort danach mit dem sinken­den Nikotin­spiegel uns verstärkt zu quälen? Doch einmal mehr. Sind Gesetze der geeignete Weg?

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