Religion

„With god on our side“ (J.Baez)

kath. Abenteuer

Der vielen Menschen vertrauten Suche nach einer das Leben bereichernden Spiritualität nimmt sich der Journalist Matthias Matussek in seinem Buch „Das katholische Abenteuer“ auf befremdende Weise an – und schlittert „provokativ“ in Selbstgefälligkeiten. Eine Distanzierung.

Es war auf Anhieb ein Bestseller. „Das katholische Abenteuer“ von Matthias Matussek. Der Spiegel-Autor fühlte sich in seinem Buch, das letztlich nur eine lose Artikelsammlung ist, dazu berufen, die katholische Kirche zu verteidigen. Gegen innere und äußere Feinde. Gegen die lauen Gläubigen, die keine aktiven Kirchenmitglieder mehr sind und lediglich Kirchensteuer abführen. Gegen die klischeehaft fanatisch dargestellten „Gotteskrieger des Islams“. Mehrmals negiert er „provokativ“ die Aussage seines Bundespräsidenten Christian Wulff: „Der Islam gehört zu Deutschland“.

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Vom Büßen und Beichten

Eine Dorfgeschichte –Teil III

Nachdem eingangs die dubiosen Machenschaften des Heidenröser Bürgermeisters geschildert wurden, setzen wir im dritten Teil mit der Geschichte des Dorfpfarrers fort.

Noch aber blieb Pater Ambrosius’ kleine Landpfarre Heidenrös von größerem Unheil verschont. Hier fand man sich sonntagmorgens noch in der Kirche zur Heiligen Messe ein und nicht etwa bei Freunden zum Brunch, zwängte man sich anlässlich der Fronleichnamsprozession noch in die Krachlederne respektive ins Balkonett, hier musste man sich als Erstkommuniant während der Beichte noch Sünden ausdenken, damit man überhaupt etwas Gescheites zu beichten hatte – auf diese Weise lernte man schon einmal das Lügen; das Fürchten lernte man anschließend, wenn der alternde Ambrosius sich im staubigen Halbdunkel der Sakristei (der Beichtstuhl war seit Jahren wegen Restaurationsarbeiten außer Betrieb) über einen beugte und mit zitternder Stimme auf einen einredete, in einer unbekannten Sprache, ego te absolvo a peccatis tuis, während man selbst ängstlich zwischen den in Reih und Glied aufgehängten Kutten und Messgewändern und dem gestikulierenden Pfarrer hin und her schielte und einem in der muffigen Atmosphäre der Atem stockte.

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Der Fall des Sperlings

SperlingWerden wir geschöpft? Wenn nicht, wer kommt nach uns? Das älteste bisher bekannte Gespräch zum Thema Intelligent Design, exklusiv von der Wanze.

Anläßlich eines (leider nicht datierbaren) Ausflugs nach Helsingør verkroch sich unsere Wanze hinter dem Wandbehang eines Prunkzimmers in Schloß Kronborg. Zufällig unterhielt sich dort eben der dänische Kronprinz mit dem Hofkaplan Christoffer Skjøneborn, kurz Born genannt (bei Shakespeare tritt er namenlos auf, s. Hamlet V 1, 212-236).
Für seine Hilfe beim Entziffern des dänischen Originaltranskripts danken wir Isildur Smørrbrødsen aus Kopenhagen, argwöhnen allerdings, daß ihm dabei sein elfischer Humor näher am Herzen lag als strikte Texttreue.

Hamlet: Wie wollt Ihr erkennen, Herr Kaplan, was nach einem klugen Plan erdacht ist und was nicht? Bei meinem Schwert hat der Schmied gewiß nicht an ein Kruzifix gedacht, und doch, wenn man es umdreht –

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Doing God’s Work

Da gingen die Wogen hoch, als der Chef von Goldman Sachs behauptete, die Banken verrichten im Grunde doch nur Gottes Werk. Passt doch aber ganz gut, nicht? So wie sich die Kirche damals im Namen Gottes an den Geldbörseln ihrer Schäfchen bediente, um sich seidene Kutten und güldene Ringe anzuschaffen, so wird das sparwillige und steuerzahlende Volk heute von den Banken ausgenommen, um deren Managern zum Glück zu verhelfen. Im Gegenzug wurde den Gläubigen ein gemütliches und sorgenfreies Leben (nach Todes- respektive Pensionseintritt) in Aussicht gestellt.

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Im Netz des Propheten

Viel wird über den Koran geschrieben, gesprochen und gedeutet, doch wenige, scheint es, haben ihn zur Gänze gelesen. Der Bagger hat sich von vorne bis hinten durch dieses Werk gegraben und fügt nun einen weiteren fragwürdigen Knoten im Netz der kontroversen Rezeption dieses Werkes hinzu.

Der Koran ist arabisch. Da manche drin das Diktat und daher die Sprache eines überirdischen Wesens sehen, wird gerne behauptet, dass er nicht übersetzbar sei. Sollten Sie, geschätzter Leser, diese Meinung vertreten, wird empfohlen, diesen Artikel bei der eifrigen Lektüre der vorliegenden Zeitschrift zu überspringen. Er wird Ihnen keinen Aufschluss und keine neue Einsicht bringen. Diesem Artikel liegt die deutsche Übersetzung von Max Henning (siehe unten rechts) zugrunde.

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Die Welt als Maschine und Vorstellung

WeltmaschineEin literarisches Pendant zur Weltmaschine enthielte mehr Teile und skurrilere Verknüpfungen, als der Leser verkraften könnte. Daher ist dies keines. Schade.

Kürbisäcker, Roßäpfel, Apfelspaliere. Hofhund, drei Handbreit hoch, stolz darauf, denselben Wanderer zum drittenmal zu verbellen; wenn er nämlich auf den Gehirnwindungen der hiesigen Landstraßen im Kreis gelaufen ist. Ein Wald, der nicht aussieht, als könnte die Straße dahinter weitergehen. Trotzdem an der nächsten Gabelung ein Pfeil: „Gsellmanns Weltmaschine“, „Weltmaschine 20 m links“. Es gibt also so etwas wie Ordnung in der Welt – jedenfalls auf dem Gehöft der Gsellmanns, das sich drunten wie ein blankpoliertes Schmuckkästchen in den Hang schmiegt.

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Der Gott in meiner Mortadella

„I’ve always hated things made in the shape of things – volumes of Dickens that turn out to be a biscuit tin, and dodges like that.“ (Lord Peter Wimsey)

kurze BeschreibungBisweilen legt uns die Natur Dinge auf den Teller, die zwar wie Essen aussehen, aber zugleich auch wie etwas anderes. Besonders verwirrend, wenn die Nahrung menschliche Züge annimmt. Wer hat noch nie eine Tomate mit Nase gegessen? Am Kiosk kann man Ansichtskarten von Karotten kaufen – Karotten, die männlichen und weiblichen Genitalbereichen ähnlich sehen. Es gibt Kartoffeln mit Brüsten; solche mit Augen sowieso. Und Mitte der 1980er berichtete die Kleine Zeitung von einer Aubergine, die das Gesicht des damals amtierenden Bundeskanzlers Fred Sinowatz trug – zumindest Nase und Backen. Geerntet in einem steirischen Garten. Wäre uns nicht allen manchmal lieber, es säße lauter Obst und Gemüse im Parlament? Allerdings wird das schwierig: was wächst schon im Garten, das der Unterrichtsministerin ähnelt?

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Jenseits von Teegeeack

„Who or what would oppose absoluteably seriousness?“ – „Nix absoluteably seriousness. […] Perfectably seriousness.“ (Der Prophet im Gespräch mit seiner Gattin)

Sie haben sicher auch so ein T-Shirt zum Thema Religionen. Catholicism: Shit happens because of your sins. Baptism: Shit happens – praise the Lord! Zeugen Jehovas: Shit happens door to door. Und so weiter. Aber wenn Sie es mitten im Weihnachtsgeschäft einfach nicht schaffen, an diesen rot gedeckten Info-Tischen vorüberzugehen, weil die Leutchen daran sich so freundlich dafür interessieren, ob Sie glücklich sind und Ihr gesamtes geistiges Potential nutzen – dann brauchen Sie nur noch einen kostenlosen Psychotest auszufüllen, ein Buch mit einem explodierenden Vulkan auf dem Titelblatt zu kaufen, sich ein paarmal an einen Lügendetektor zu klammern, wildfremden Leuten intime Details Ihres Lebens zu erzählen und etliche Zig- bis Hunderttausende € auszugeben, und schon haben Sie auf dem Hemd stehen: Shit happened 35 000 000 000 years ago. Und Sie glauben das dann sogar wirklich. Alles ganz seriös.

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Fürchtet euch nicht

Londons Atheisten verkünden die etwas andere frohe Botschaft: “There’s probably no God. Now stop worrying and enjoy your life.”

So steht es geschrieben, und zwar ab Jänner 2009 auf Londons Bussen, initiiert von der „Atheist Bus Campaign“. Blasphemie? Nein, Großbritanniens Kirchen begrüßen die Aktion, sie rege die Menschen zum Nachdenken über Gott an und wäre somit sogar aktive Werbung für die Religion. Tja, das kommt wohl ganz darauf an, wer konkret die Nachricht liest. Die Traudl am Weg zur Apotheke denkt sich: „Eine Frechheit! Und das auf den öffentlichen Bussen!“

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Feuer auf die Altäre

Heiße Debatte um ein Thema, das nie auskühlt.

Dieselbe Wanze, die der vorletzten Bagger-Ausgabe den Dialog „Viel Lärm ums Nichts“ beschert hat, war diesmal so indiskret, das Zweigespann Joachim und Thusnelda bei einer morgendlichen Unterhaltung zu belauschen (zum Glück erst beim Frühstück). Im Gegensatz zum vorigen ist dieser Dialog nicht fiktiv, sondern vollkommen real – sonst könnte er hier ja auch gar nicht stehen.

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